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Marys Schatten von Julie Parsons

Rezension von Christel Scheja

 

Wer denkt, dass Psychothriller nur aus Amerika oder England kommen können, täuscht sich. Die Skandinavier haben bereits bewiesen, dass sie ebenso gut in die Abgründe der menschlichen Seele abtauchen kann, und nun setzen auch die Iren dazu an.

„Marys Schatten“ ist die Fortsetzung von Julie Parsons Debütroman „Mary, Mary“, in dem die Ärztin Margaret Mitchell mit dem Mord an ihrer Tochter konfrontiert wird. Damals durchlitt sie Höllenqualen, als die Polizei auf der Suche nach dem Mörder war, und nahm am Ende selbst grausame Rache. Danach verließ sie fluchtartig das Land.

 

Doch ihr Gewissen lässt sie nicht ruhen, Nun, zehn Jahre später kehrt sie nach Nordirland zurück, um sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Durch die Presse weiß sie zwar, dass der Mörder ihrer Tochter inzwischen gefunden und bei gesetzt wurde, man den Fall aber nicht klären konnte. Sie käme auch weiterhin ungeschoren durch - aber will sie das?

Aus dieser trüben und depressiven Stimmung reißt sie die siebzehnjährige Vanessa Spencer, der sie auf dem Friedhof begegnet. Das Mädchen erinnert sie sehr stark an Mary, die nur wenig älter war, als sie gestorben ist.

Vanessa ist als Halbwaise aufgewachsen, ihr Vater James starb, als sie noch ein Baby war. Und nun hat ein weiterer Schicksalsschlag die Familie schwer getroffen, denn ihre ältere Schwester Marina ist ganz offensichtlich ermordet worden.

Hängt diese Tat vielleicht mit anderen Problemen zusammen, mit denen das Mädchen zu kämpfen hat? Als sich Margaret mehr um sie kümmert, findet sie recht schnell heraus, dass Vanessa ebenfalls in Gefahr ist, denn sie soll an ihrem achtzehnten Geburtstag ein Haus mit dem dazugehörigen Land erben. Und das will Helena, die erste Frau von James Spencer nicht zulassen. Die Ärztin will das Mädchen beschützen und weiß, dass sie aktiv werden muss. Denn noch einmal will sie nicht erleben, dass eine junge Frau in der Blüte ihrer Jahre ums Leben kommt.

Während sie nach Spuren sucht, begegnet Margaret Mitchell auch Michael McLouglin, einen mittlerweile pensionierten Polizeiinspektor, den sie noch von früher her kennt. Er ermittelt auf eigene Faust im Fall Marina Spencer und unterhält sich mehrfach mit ihr und sucht ihre Nähe.

Was die Ärztin aber nicht weiß ist, dass er sie besser als sich selbst und ihr Geheimnis kennt.

 

Auch wenn die Fortsetzung so angelegt ist, dass man sie auch unabhängig vom ersten Roman lesen kann, so merkt man durch die vielen Rückbezüge, dass etwas fehlt. Die Personen kennen sich - es sind Verbindungen geknüpft, die man erst nach einer Weile begreifen kann, und die Autorin verzichtet darauf, sie ausführlicher vorzustellen. Vor allem Margaret Mitchell bleibt sehr blass. Dahingegen ist der ehemalige Polizeinspektor wesentlich besser ausgearbeitet und charakterisiert.

Die Spannung steigert sich langsam. Ist die Heldin zunächst noch in ihren Depressionen und Erinnerungen gefangen so muss sie schon bald viel aktiver werden und etwas gegen die Feinde unternehmen, die sich um Vanessa scharen. Nach und nach kommt sie zusammen mit Michael hinter das Geflecht von Intrigen und Feindschaften, die Gedankengänge ihrer Gegenspieler und deren Pläne. Damit geraten aber auch sie in das Visier von Menschen, die bereit sind über Leichen zu gehen.

Es ist für Margaret Mitchell ein Weg, um ihre eigenen Sünden aufzuarbeiten und zu sühnen. Indem sie Vanessa hilft, versucht sie ihre Schuld zu mindern. Nach und nach erkennt sie, dass sie nicht alleine ist. Zart und sehr zaghaft entspannt sich die Beziehung zwischen ihr und Michael McLoughlin, der ebenfalls die ganze Zeit etwas zu verbergen hatte.

Zwar gibt es auch gefahrvolle und actionreiche Momente im Roman - gerade zum Ende hin, aber überwiegend spielen Dialoge und innere gedankliche Reflektionen eine Rolle und fügen das Puzzle schließlich zum Ganzen zusammen.

Das ist nicht immer ganz so spannend, wie man sich wünscht und oft genug kryptischer als Verständnis, lässt aber doch immer wieder Schauer über den Rücken rinnen. Die Autorin erzählt von nur all zu menschlichen Gefühlen und Taten, zu denen Menschen fähig sind, wenn sie sich in eine bestimmte Ecke treiben lassen und keinen anderen Ausweg mehr wissen.

 

Das macht „Marys Schatten“ zu einem Roman, den man zwar hin und wieder sehr aufmerksam lesen muss, der aber ansonsten gute und spannende Unterhaltung mit sehr menschlichen Protagonisten bietet.

 

Eure Meinung:


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Marys Schatten

Autorin: Julie Parsons

gebunden - 400 Seiten

Droemer Knaur, erschienen Februar 2008

ISBN: 978-3-426-19583-3

Übersetzung aus dem Englischen von Doris Styron

Titelbildcollage von Alexandra Dohse unter Verwendung von Bildern von Bilderberg und Mauritius

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.04.2008, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18