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Mein fahler Freund von Isaak Marion

Rezension von Martin Wagner

 

Es ist mittlerweile gang und gäbe, dass sich verschiedene Autoren den bekanntesten Vertreter der Monsterwelt zuwenden und diese dann mit normalen oder weniger normalen Menschen zusammenbringen. Mensch und Monster lernen sich in diesen Geschichten meist auf merkwürdige Weise kennen und verlieben sie sich schließlich ineinander. Bei Vampiren und Werwölfen, den Monstern der Literatur und des Horrorgenres schlechthin, mag das jetzt nicht so weit hergeholt sein. Dreht es sich in einem Buch aber um Zombies und Menschen, dann hebt man als Leser doch eine Braue an und vermutet eine extrem kurze Liebesgeschichte, oder besser gesagt Hungergeschichte dahinter.

 

In „Mein fahler Freund“ vom amerikanischen Autoren Isaac Marion, geht es aber genau darum, eine Liebesgeschichte zwischen einem Zombie und einer Überlebenden der Zombieapokalypse. Erschienen ist das Buch, das dieses Jahr als Film in die Kinos kommen wird, von Hobbit Presse aus dem Hause Klett-Cotta. Die Hauptrollen spielen im Buch R, der Zombie der nur noch den ersten Buchstaben seines Vornamens kennt, und Julie, die Tochter des Anführers der Überlebenden einer amerikanischen Großstadt.

 

Die Geschichte beginnt alles andere als harmlos, denn R und sein Kumpel M, beides Zombies und noch recht gut erhalten, haben Hunger und das bedeutet für sie, dass sie mal wieder ein paar andere Zombies dazu bringen müssen, mit ihnen in die nahegelegene Stadt zu ziehen. Dies erweist sich als sehr einfach, denn Stöhnen, ein paar Wortfetzen und der dauernde Hunger auf frisches Menschenfleisch und Gehirn, bringen schnell eine große Gruppe zusammen, die den Weg vom Flughafen, der Zuflucht der Zombies, in die Stadt gerne auf sich nehmen. In der Stadt werden die Menschen schnell aufgespürt und nach dem Genuss eines köstlichen frischen Gehirns, das bei R nicht nur Gefühle sondern auch Erinnerungen an längst Vergangenes weckt. Diese Gefühle und Erinnerungen verleiten R dazu einen Menschen zu retten und mit zum Flughafen zu nehmen, Julie. Auf dem Flughafen angekommen verfrachtet R Julie in seine Zuflucht, ein altes Flugzeug und macht dann einen ausgiebigen Spaziergang, um sich seiner Gefühle klarzuwerden, denn er weiß, dass er Julies Freund getötet und dessen Gehirn aufgegessen hat und er nun dessen und seine eigenen Gefühle in sich trägt. Verwirrt und doch zielstrebig, zielstrebiger als R es seit seinem Tod war, kennt er fortan nur noch ein Ziel, Julie zu beschützen. Um das zu bewerkstelligen, muss er sie aber zurück in die Stadt bringen und anschließend verhindern, dass die anderen Zombies ihr nicht gefährlich werden können. Dies wiederum bringt R in große Schwierigkeiten, führt aber auch dazu, dass eine der interessantesten Liebesgeschichten ihren Lauf nimmt und die Geschichte auf ein äußerst gelungenes und überraschendes Ende hinsteuert.

 

All diese Elemente der Geschichte für sich, sorgen bereits dafür, dass man das Buch lesen will und tatsächlich spricht nichts gegen einen Kauf. Isaac Marion hat mit seiner Auswahl des Monsters für seine Liebesgeschichte einen Glücksgriff getan, denn er hat ein Monster ausgewählt, das bisher für diese Art von Geschichte niemals in Frage kam und es dann problemlos geschafft, dass sich der Leser fragt, wieso bisher niemand darauf kam. Das der Leser sich das fragt, gelingt ihm zum einen durch die runden Protagonisten und zum anderen durch sein großes Talent zu schreiben. Seine Protagonisten, R und Julie, haben einen reichhaltigen Hintergrund und entwickeln sich im Buch selbst logisch, das schafft nicht jeder Autor in seinem ersten Roman. Sein großes Talent zu schreiben zeigt sich an vielen Stellen, an den blutigen, an den witzigen und an den ernsten, denn es gelingt ihm immer wieder, den Leser das Buch wie einen Kinofilm erleben zu lassen. Er nimmt dabei keine Rücksicht auf Leser die Horrorszenen nicht mögen und zeigt die Monster, wie sie wirklich gedacht waren – kein Glitzern und kein Verzicht auf Schwächen. Was mich aber wirklich überzeugt hat, sind die Gesellschaftsformen der Menschen und der Zombies, die sich nach der Apokalypse entwickelt haben und die den finalen Konflikt verursachen. Auf der einen Seite die Menschen, die alles für ihr Überleben tun, und auf der anderen Seite die Zombies, die zwar vom Hunger getrieben werden, aber auch eine Gesellschaftsform entwickelt haben, die der menschlichen sehr ähnlich ist. So finden sich auf dem Flughafen Zombieehepaare, eine führende Klasse von Zombies und sogar religiöse Orte. So wurde das noch nie transportiert und das ist auch neu und vor allen Dingen gut. Isaac Marion hat mit seinem Roman etwas tolles geschaffen, das nicht nur Zombiefans sondern auch Fans von Liebesgeschichten à la Romeo und Julia, die Namen der beiden Protagonisten wurden sicherlich nicht zufällig gewählt, gefallen wird. Es ist kein Wunder, dass die Filmrechte so schnell verkauft wurde.

 

„Mein fahler Freund“ von Isaac Marion ist ein wirkliche gelungenes Debüt eines Autoren, von dem wir in Zukunft sicher noch mehr hören werden. Nicht nur, weil er so schreiben kann, dass die Geschichte als Kopfkino abläuft, sondern auch, weil es ihm gelungen ist, ein Monster in eine Liebesgeschichte zu bringen, das so niemand auf der Rechnung hatte. Für mich DIE Liebesgeschichte der letzten Jahre und um Längen besser als die Geschichte über diesen Glitzervampir und seine Emo-Freundin.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Mein fahler Freund

Autor: Isaac Marion

gebunden, 299 Seiten

Klett Cotta, erschienen Februar 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Daniel Sundermann

Titelbild von Kat Menschik

ISBN-10: 3608939148

ISBN-13: 978-3608939149

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-Edition

ASIN: B006WM5FM8

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 19.02.2013, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18