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Merlin – Die neuen Abenteuer Vol. 3

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Zu den bekanntesten europäischen Sagenkreisen gehört wohl der um König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Keine anderen Geschichten sind so oft neu erzählt und immer wieder variiert worden. Auch heute noch gehört es für viele englischsprachige Autoren dazu, mindestens einen Werk diesen Mythen gewidmet zu haben, in welcher Form auch immer.

Das hat auch nicht vor Film und Fernsehen halt gemacht. Allerdings müssen sich die Macher dabei schon ein wenig mehr einfallen lassen, als immer wieder die gleichen Inhalte und Handlungsmuster ablaufen zu lassen.

 

Besonders erfolgreich erweist sich derzeit die britische Fernsehserie „Merlin – Die neuen Abenteuer“. Bereits drei Staffeln mit jeweils dreizehn Folgen sind in Großbritannien gelaufen und sorgten regelmäßig für hohe Einschaltquoten, so dass die Dreharbeiten der vierten Staffel mit wiederum dreizehn Folgen bereits laufen.

In dieser Serie ist Merlin, der treue Weggefährte und Mentor des Sagenkönigs kein väterlicher Freund und weiser alter Mann sondern ein ebenso junger Bursche wie Artus selbst.

Noch herrscht König Uther Pendragon mit harter Hand über das Land und Volk von Camelot. Seine Angst vor Magie in jedweder Form sorgt regelmäßig dafür, dass er Menschen nur bei der kleinsten Andeutung, dass sie Magie gewirkt hätten, hinrichten lässt und auch sonst sehr paranoid und ungerecht reagiert.

An diesen Hof ist Merlin gekommen, ein Jüngling, der über sehr große magische Gaben verfügt. Unter den Fittichen des Hofarztes Gaius und eines unter dem Schloss gefangenen Drachen, lernt Merlin durch ein altes Zauberbuch, seine Kräfte zu beherrschen und gezielter einzusetzen. Denn er ist nicht nur der Gehilfe des alten Mannes, sondern auch der Leibdiener von Prinz Arthur, dem arroganten Sohn und Erben von Uther. Anders als dieser ist er aber Neuem gegenüber etwas aufgeschlossener und mehr als einmal kommt sein gutes Herz zum Vorschein.

Durch das rigorose Vorgehen gegen Magie und ihre Anwender hat sich Camelot viele Feinde geschaffen, die immer wieder versuchen, das Land anzugreifen. Oftmals sind es gerade Arthur und seine Ritter, die die letzte Verteidigungslinie bilden.

In der zweiten Staffel kommt die Gefahr eher von innen und schleichend durch die Hintertüren der Festungsstadt. Da ist zum einen das Grab des Cornelius Sigan, eines vor vielen Jahrhunderten gebannten Hexenmeisters, der von dem habgierigen Cedric geweckt wird und so in dessen Körper seinen unseligen Zauber entfesselt und Camelot fast in den Untergang reißt.

Auch eine zaubermächtige Trolldame samt nichtmenschlichem Diener findet in der Gestalt einer schönen Frau Zugang zu Uther und schafft es sogar, seine Frau zu werden. Nur gut, dass Merlin und Gaius ein wachsames Auge auf die beiden haben, als sie bemerken, das etwas nicht stimmt, und am Ende vor allem für Uther und Arthur schlimmeres verhindern können. Das aber macht den König um so misstrauischer, so dass er schließlich einen Hexenfinder rufen lässt.

Der junge Prinz lernt durch Guinevere, die Leibdienerin von Morgana, dem Mündel des Königs, eine Lektion in Bescheidenheit, als er herausfinden will, ob er wirklich ein so guter Kämpfer ist, oder ihn seine Trainingspartner nur wegen seines Ranges sanfter behandelt haben.

Und nicht zuletzt versucht Morgana herauszufinden, was man vor ihr verheimlicht und macht durch Kontakt mit den Druiden einen ersten Schritt in Richtung der Dunkelheit, denn diese helfen ihr dabei, ihr Erbe zu erkennen.

 

„Merlin – Die neuen Abenteuer Vol. 3“ enthält die ersten sieben Folgen der zweiten Staffel. Die Teilung folgt übrigens der Vorgehensweise in Großbritannien, wo die Serie ebenfalls immer aufgeteilt wurde. Man findet auch in die Geschichte ohne die erste Staffel gesehen zu haben, da schnell klar ist, inwieweit die Figuren miteinander verbunden sind und auch nicht erst ein Cliffhanger aufgelöst werden muss.

Wer die vorhergehenden Folgen kennt, wird aber auch eine Veränderung in den Figuren spüren. Während Uther immer aggressiver auf jeden Hauch von Magie reagiert, beginnt sich Morgana, die zuvor eher eine Rolle im Hintergrund gespielt hat, sich dieser zu öffnen und zu erkennen, was man ihr alles vorenthalten hat.

Merlin geht nun viel sicherer und mutiger mit seinen Kräften um, auch wenn er immer noch sehr genau darauf achtet, wann er sie einsetzt. Und selbst Arthur behandelt ihn nicht mehr ganz so von oben herab wie in der ersten Staffel. Es mischt sich immer mehr freundschaftliches Ärgern darunter, so als wisse er genau, was er an seinem Leibdiener hat.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Arthur und Guinevere setzt sich fort, wenngleich auch durch das Wiederauftauchen von Lancelot klar wird, dass noch eine dritte Person etwas zu sagen haben wird.

Die Folgen setzen auf eine gute Mischung aus Humor und Abenteuer. Während gerade der Auftakt der Staffel und die dritte und siebte Folge eher düster sind, gibt es in der zweiten viel zu schmunzeln, vor allem wenn Arthur versucht bescheidener zu sein. Merlin und Guinevere müssen nicht einmal viel sagen, der Gesichtsausdruck spricht allein schon Bände. Höhepunkt dieses Teils der Staffel ist die Doppelfolge um die heimliche Trollinvasion – die an Humor und Selbstironie – gerade was Uther Pendragon betrifft, nicht spart.

Gerade weil Autoren und Macher ungezwungen an die Gestaltung der Serie gehen und darauf verzichten eine dramatische Geschichte epischen Ausmaßes zu erzählen und sich lieber auf die zentralen Figuren konzentrieren, belebt „Merlin“ die Interpretation Sage neu und gewinnt ihr durch die Einbettung anderer keltischer oder britannischer Mythen neue Facetten ab. Gelungen ist dabei auch das Setting das zwar eher ein Fantasy-Mittelalter wiedergibt, aber doch auch immer wieder historische Elemente mit einfließen lässt – nicht zuletzt durch die Umsetzung der Zaubersprüche in angelsächsischer Sprache, so dass sie irgendwie vertraut aber dennoch fremd genug klingen.

Man merkt zwar, dass im Hintergrund das entsteht, was wir alle aus der Sage kennen – es gibt immer wieder kleine Hinweise und Andeutungen – aber das Hauptaugenmerk ist auf dem hier und jetzt. Die Entwicklung der Beziehungsgefüge steht im Vordergrund – und das geschieht mit lockerem Strich und einem Augenzwinkern, das man ohne Vorbehalte genießen kann. Aus diesem Grund macht es auch nichts aus, wenn die Special-Effects vielleicht nicht ganz dem amerikanischen Standard entsprechen, dafür ist sind Folgen wesentlich gehaltvoller und laden zum Spekulieren ein.

Neben den Folgen gibt es ein längeres „Making of“ und zu jeder Folge eine viertelstündige Featurette, die vor allem die zentrale Figur in den Mittelpunkt stellt. Bild und Ton sind ausgezeichnet, so dass keine Wünsche offen bleiben. Einziges Manko ist, dass es nicht einmal ein vierseitiges Beiheft gibt, in dem die Folgen kurz vorgestellt werden.

 

 

Fazit:

 

Man sollte seine Skepsis über Neuverfilmungen der Artus-Sage ruhig ein wenig beiseite schieben und einen Blick in „Merlin – Die neuen Abenteuer“ riskieren, denn die Serie hat alles, was sich ein Fantasy-Fan wünscht: Spannende Abenteuer mit wirklichen Gefahren und interessanten Gegnern ohne dabei jedoch bierernst zu bleiben oder vollständig in unglaubwürdigen Klamauk zu verfallen, so wie es „Hercules“ und „Xena“ passiert ist.

Die Geschichten werden immer mit einem Augenzwinkern und einer gewissen Selbstironie erzählt, so dass man auch gewisse Anachronismen, wie den eher puritanisch wirkenden Hexenfinder, gerne verzeiht.

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DVD:

Merlin – Die neuen Abenteuer Vol. 3

Merlin, GB 2009/2010

Regisseur(e): Ed Fraiman, James Hawes und andere

Komponist: Rob Lane, Rohan Stevenson, James Gosling

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 3

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 25. Februar 2011

Spieldauer: 315 Minuten

 

ASIN: B004DZ7XEE

 

 

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Extras:

 

  • Making of und diverse Featurettes

 

 

 

Darsteller:

 

  • Colin Morgan
  • Bradley James
  • Richard Wilson
  • Angel Colby
  • Kate Musgreave
  • Antony Head

 

 


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Erstellt: 20.03.2011, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56