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Misfits, Staffel 1

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Früher waren Superhelden überlebensgroße Ikonen, zu denen der Normalbürger aufsah und auf die man sich verlassen konnte. Sie galten als moralische Instanz, standen in ihrer Deckidentität meistens mit beiden Beinen fest in einem bürgerlichen Leben und unterstützten auch da die Menschheit.

Seit einigen Jahrzehnten ist das anders. Die mit besonderen Kräften ausgestatteten Menschen sind nicht mehr strahlend und unfehlbar, sie haben Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen. Dennoch arbeiten sie für die Menschen und bemühen sich nichts Unrechtes zu tun oder zumindest gegen das Unrecht zu kämpfen, selbst wenn sie unversehens mächtig wurden. Zuletzt hat man das in der amerikanischen Serie „Heroes“ sehen können.

 

Die britische Serie „Misfits“ geht da einen ganz anderen Weg. Auch ihre Helden sind jung, aber sie stehen am unteren Rand der Gesellschaft. Sie stammen aus zerrütteten Familien, leben in den heruntergekommenen Ghettos einer schmutzigen Großstadt und haben bereits viele Härten des Lebens kennen gelernt.

Da sie sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, werden sie zur Strafe nun zu Sozialstunden verdonnert und müssen Parkbänke anstreichen. Zunächst mögen sich der arrogante Nathan, der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat, der schüchterne und zurückhaltende Tony. die hübsche Alisha, die aus ihrem Körper und Bedürfnis nach Sex ihre Vorteile schlägt, die prollige und ruppige Kelly und nicht zuletzt der junge Sportler Curtis, an dem wegen einer kleinen Prise Koks, die nicht einmal ihm gehört hat, ein Exempel statuiert wurde, gar nicht.

Doch nach einem Unwetter ist alles anders. Die fünf Jugendlichen werden von einem Blitz getroffen und verändern sich unmerklich. Während Kelly von nun an Gedanken lesen und Curtis die Zeit zurückdrehen kann, vermag Alisha Männer durch ihren Sexappeal verrückt zu machen und zu unbedachten Handlungen zu treiben, Simon kann sich ganz und gar unsichtbar machen.

Allein Nathan scheint keine besondere Gabe abbekommen zu haben. Er findet allerdings schon bald heraus, dass nicht nur die kleine Gruppe, sondern auch andere etwas von dem Unwetter abbekommen haben – wie etwa die junge Frau, die nicht das ist, was sie zu sein scheint, was er erst nach einer heißen Liebesnacht mitbekommt.

Allerdings sind die Jugendlichen jetzt auch durch das Schicksal aneinandergeschmiedet, haben sie in Notwehr doch ihren verrückt gewordenen Sozialarbeiter Tony ermordet, nachdem er einen weiteren Jugendlichen erschlagen hat. Nun begraben sie die Leichen unter einer Autobahnbrücke und versuchen deren Tod zu vertuschen, da sie glauben, dass man ihnen ihre Geschichte nicht abnehmen wird.

Doch die Sozialarbeiterin Sarah glaubt nicht, dass sich Tony so einfach aus dem Staub gemacht hat und beginnt Nachforschungen anzustellen. Sie kommt nach und nach der Wahrheit immer näher.

 

Schon die ersten Minuten der ersten Folge machen deutlich, dass der Zuschauer es hier mit ungewohnten Helden zu tun bekommt, denn die Jugendlichen entsprechen den Klischees, die man sich von der neuen No-Future-Generation macht. Die einzige Ausnahme ist Curtis, der zwar Ziele im Leben hat und auch schon vom Erfolg kosten konnte, aber auch mit den falschen Freunden zu tun hatte.

Alle anderen schlagen sich mehr oder weniger durchs Leben und versuchen entweder auf Kosten anderer ihren Spaß zu haben oder aber einfach nur so durchzukommen, selbst wenn sie dafür straffällig werden müssen. Es sind keine „netten“ Teenager, wie man allein schon an ihrer Sprache und ihren Verhalten merkt.

Doch schon bald werden die ungleichen Charaktere zusammengeschweißt, ob sie wollen oder nicht, da ihre gemeinsame Tat für sie alle unangenehme Folgen haben könnte. Dennoch vermögen sie nicht aus ihrer Haut zu schlüpfen und anders zu sein.

Dennoch fällt es ihnen schwer, sich an ihre Superkräfte zu gewöhnen, haben diese doch auch Schattenseiten.

Alisha wird nicht mehr wissen, ob ihr Freund sie nun um ihrer selbst liebt oder nur wegen ihrer Pheromone. Immerhin findet sie eine Lösung, Spaß ohne bitteren Beigeschmack zu haben. Nathan fühlt sich lange wie ein Außenseiter und schlägt sich damit herum, dass seine Mutter ihn wegen einem neuen Liebhaber aus dem Haus haben will.

Auch Curtis versucht das Beste aus seiner Lage zu machen und testet aus, wie weit er die Zeit zurückdrehen kann.

Dabei geht es nicht immer freundlich zu, Gewalt und Sex gehören zu den Mitteln, mit denen die Jugendlichen Dampf ablassen. Sie denken in erster Linie an ihr eigenes Wohl und nicht an das der Allgemeinheit, manchmal sind ihnen sogar moralische Grenzen fremd. So schmutzig und nüchtern wie ihre Umgebung, so hart und direkt ist die Sprache und der Umgang miteinander. Da auch die Morde nicht gerade verharmlost werden kann man gut verstehen, warum sich die FSK gegen eine Jugendfreigabe entschieden hat.

Da sich die Serie sehr auf den Alltag und das normale Leben der Jugendlichen konzentriert, sollte man nicht all zu viele Actionszenen erwarten. Auch die Gaben der Helden sind eher unauffällig und ohne besondere Effekte darstellbar. Letztendlich überwiegt das Sozialdrama und wird indes nur durch die phantastischen Elemente gewürzt.

Bild und Ton sind optimal, die Extras entsprechen mit dem Blick hinter die Szenen und einem Making-of gängiger Praxis. Die Übersetzung kann sich ebenfalls sehen lassen, da man versucht hat Kellys Slang ansprechend umzusetzen und auch den anderen eine passende Stimme und Sprache zu geben.

 

 

Fazit:

 

 

Wer eine Superheldenserie ohne Gutmenschentum und Schnörkel sucht, liegt mit „Misfits genau richtig. Die Serie fällt nicht durch besonders in Szene gesetzt Fähigkeiten und dramatische Action auf, sondern eher durch das nüchterne und realistisch wirkende Sozialdrama vor der schmutzigen und düsteren Kulisse einer typischen europäischen Großstadt.

 

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DVD:

Misfits Staffel 1

Misfits, GB 2010/11

Regisseure: Tom Green, Tom Harper, China Moo-Young, Owen Harris, Jonathan van Tulleken

Komponist: Vince Pope

Format: Dolby, PAL. RC 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 & Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 2 DVD

FSK: 18

Polyband, 24. Februar 2012

Spieldauer: 270 Minuten

Extras:

 

  • Behind the Scenes
  • The Making-of Misfits
  • Simon’s Films

 

 

ASIN: B006JVP9X2

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Iwan Rheon

Lauren Socha

Nathan Stewart-Jarrett


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Erstellt: 13.03.2012, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23