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Mr. Jack

Rezension von Tanja Elskamp

 

Ende des neunzehnten Jahrhunderts geistert ein Schrecken durch den Londoner Stadtteil Whitechapel: Jack the Ripper. Gleich acht Detektive durchstreifen des Nachts nun die Gegend, um den Mörder zu fangen – doch einer von ihnen ist der Täter …

 

„Mr. Jack“ ist ein Spiel der Schweizer Firma „Hurrican“. Dieses Spiel von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc vertreibt der Heidelberger Spieleverlag exklusiv in deutscher Sprache.

 

Verständlichkeit der Spielregeln

Die Spielregel umfasst acht DIN A 4-Seiten, ist farbig bedruckt und entsprechend des Umfangs ausführlich. Viele Abbildungen lockern die Gesamtdarstellung auf, wobei auch alle enthaltenen Spielmaterialien separat aufgeführt und bezeichnet werden.

 

Im Heft enthalten sind Erläuterungen zum Material, zum Spielprinzip, der notwendigen Spielvorbereitung, dem Spielverlauf, dem Spielziel, der Verwendung der einzelnen im Spiel enthaltenen Figuren und deren besondere Funktionen sowie eine Erläuterung der speziellen Spielbausteine. Außerdem ist eine Liste von Fragen und Antworten abgedruckt, ebenso einige spezielle Hinweise. Letztere richten sich in erster Linie an den Spieler des Mörders und sollen diesem mehr Möglichkeiten gegenüber dem Inspektor-Spieler verschaffen.

 

Spielziel

Einer der Spieler schlüpft verdeckt in die Täterrolle, der andere in die des Inspektors. Aufgabe von Jack ist es, Whitechapel unbemerkt zu verlassen, während der Inspektor Jack festsetzen muss, bevor diesem die Flucht gelingt.

 

Der Inspektor gewinnt nur in dem Fall, dass er Jack festsetzen kann. Jack hingegen gewinnt, wenn ihm die Flucht gelingt, wenn er nach acht Spielrunden noch unentdeckt ist, und dann, wenn der Inspektor eine falsche Spielfigur anklagt.

 

Spielvorbereitung

Zunächst gilt es zu entscheiden, welcher Spieler welche Rolle im Spiel einnehmen soll. Entsprechend wird dann das Spielbrett in die Mitte gelegt und die Startaufstellung vollzogen. Kanaldeckel- und Gaslaternenplättchen sind zu platzieren, die Spielsteine der Figuren auf den richtigen Platz zu legen. Personen- sowie Alibikarten sind zu mischen und verdeckt neben das Spielbrett zu legen, der Rundenzähler auf die erste Position gesetzt, und schließlich zieht der Jack-Spieler eine Alibikarte, um seine Identität – natürlich verdeckt – festzulegen.

 

Der Grundaufbau gestaltet sich ein wenig schwierig, da die entsprechende Abbildung in den Spielregeln sehr klein dargestellt wird. Wer Glück hat, der findet rasch heraus, dass eben diese Abbildung noch einmal fast halbseitig auf dem Deckblatt der Spielregeln zu finden ist, ein entsprechender Hinweis im Heft selbst fehlt jedoch, so dass man im Zweifelsfall mit zusammen gekniffenen Augen die kleine Abbildung nachzuvollziehen versucht.

 

Spielablauf

Das Spiel ist auf insgesamt maximal acht Runden begrenzt. Ist Jack bis dahin noch nicht gefasst worden, aber auch nicht geflohen, so gilt er dennoch als Sieger. Bis dahin verläuft das Spiel wie folgt, nachdem jeweils vier Personenkarten offen ausgelegt wurden:

 

In den ungeraden Runden wählt zuerst der Inspektor eine Personenkarte und spielt diese aus, dann wählt Jack zwei Personen hintereinander, und zum Abschluss wählt der Inspektor die letzte offen ausliegende Person. In den geraden Spielrunden verläuft das Ganze genau umgekehrt, so dass also erst Jack eine Person wählt und so weiter.

 

Immer dann, wenn eine Person ausgewählt wird, wird diese auch aktiviert, was bedeutet, dass sie bewegt werden kann und ihre spezielle Fähigkeit einsetzen kann oder muss.

 

Nachdem vier Personen gespielt wurden, muss Jack bekannt geben, ob es Zeugen gibt oder nicht. Hierzu legt er die Zeugenkarte entweder mit der hellen Seite (was bedeutet, dass die wahre Identität Jacks sich aktuell auf einem beleuchteten Feld oder direkt neben einer anderen Person befindet) oder mit der dunklen (was bedeutet, dass die wahre Identität Jacks sich aktuell nicht auf einem beleuchteten Feld oder direkt neben einer anderen Person befindet) aus. Je nachdem, welche Seite der Karte zum Tragen kommt, werden die Figuren auf dem Spielplan, die dieser Bedingung nicht entsprechen, auf ihre „unschuldige“ Seite gedreht.

 

Anschließend erlischt in den ersten vier Runden jeweils eine der (nummerierten) Laternen, so dass dieses Gaslaternenplättchen aus dem Spiel genommen wird, und der Rundenzähler wird eine Position weiter gesetzt.

 

Spielspaß

Die Spielvorbereitung ist relativ aufwändig, da jeder Stein an einen bestimmten Platz gelegt werden muss, diese aber lediglich anhand der Abbildung bei den Spielregeln erkennbar ist. Auf dem Spielbrett selbst sind die einzelnen Positionen nicht eindeutig für alle Spielsteine und –plättchen festgelegt.

 

Recht komplex sind auch die Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Figuren. Die eingesetzte Symbolik auf den Karten, ob eine Bewegung vor oder nach dem Einsatz der Spezialfertigkeit oder vielleicht beliebig einzusetzen ist, ist zunächst nicht ganz eingängig. Ähnlich verhält es sich mit den Symbolen für die einzelnen Fähigkeiten. Einige sind hierbei schon fast selbsterklärend, andere muss man sich zumindest während der ersten Partien immer wieder in Erinnerung rufen und nachschlagen.

 

Spaß macht in jedem Fall allerdings die hochwertige Aufmachung des Spiels. Die Spielsteine sind aus Holz, die restlichen Materialien aus sehr starker Pappe mit angenehmer Oberfläche, präzisem Druck, ansprechenden Bildern und kräftigen Farben.

 

Besonders negativ ins Gewicht fällt allerdings die Tatsache, dass bei keiner einzigen der zahlreichen Testpartien der Inspektor gewonnen hat. Dies ist umso erstaunlicher, da die letzte Seite der Spielregel in erster Linie auf ein bei bisherigen Testspielen angedeutetes Ungleichgewicht hingewiesen wird und entsprechende Tipps zur Stärkung gegeben werden. Diese allerdings stärken Jack, nicht den Inspektor. Außerdem waren diese Tipps nicht allen Spielern der Testpartien geläufig, so dass auch dies nicht den Ausschlag für den Verlauf der Testpartien gegeben haben kann. In der Regel endete eine Partie damit, dass Jack nach acht Runden nicht gefasst worden war oder aber damit, dass der Inspektor durch eine falsche Anklage verlor.

 

Auffallend ist auch, dass die Spielfigur Miss Stealthy auf Grund ihrer besonderen Fähigkeit theoretisch in der Lage ist, das Spielfeld in nur einem einzigen Zug zu verlassen. Hier wurde in der Spielregel ein Riegel vorgeschoben, indem vorgegeben wurde, dass Jack die Stadt nur dann verlassen kann, wenn die Zeugenkarte auf eine Person im Dunklen hinweist, was also erst nach Abschluss der ersten Runde frühestens der Fall sein kann. Dennoch ist sehr deutlich erkennbar, dass diese Regel sich sicherlich konkret auf diese eine Spielfigur und ihre Platzierung auf dem Spielbrett bezieht, was darum durchaus einen etwas hölzernen Eindruck vermittelt.

 

Altersgruppe

„Mr. Jack“ ist für Spieler ab neun Jahren gedacht und für diese auch problemlos spielbar, wenn man von den bereits genannten Nachteilen absieht. Eine Partie mit Kindern dauert zumeist etwas länger als die zwischen Jugendlichen oder Erwachsenen, die angegebene Spieldauer auf dem Karton von etwa einer halben Stunde trifft das Mittelmaß jedoch gut, auch wenn vor allem Erwachsene diese Zeit häufig deutlich unterschreiten.

 

Anzahl von Mitspielern

Im Grunde handelt es sich bei diesem Spiel um eine entfernte Variation des beliebten Spieleklassikers „Scotland Yard“, nur dass der Spielablauf und der Ort des Geschehens ganz andere sind und „Mr. Jack“ lediglich für zwei Spieler gedacht ist.

 

Fazit

„Mr. Jack“ vermag den Inspektor vielleicht zu überlisten, nicht aber den Spieler zu überzeugen. Trotz der sehr hochwertigen Aufmachung wirkt das Spiel ziemlich unausgeglichen, was nicht nur die Dauer der einzelnen Partien meist verkürzt, sondern auch die Langzeitmotivation auf der Strecke lässt.

 

(anklicken zum vergrößern)
 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Christoph
Dienstag, 17. Februar 2009 14:34 Uhr
Hmm, komisch... In unseren Spielrunden war es genau andersherum. Bis zum 8. Spiel oder so haben wir echt geglaubt, Mr. Jack könne garnicht gewinnen. Für uns war die Rolle des Inspektors anfangs absolut unschlagbar, später gingen einige Partien dank Patt- Situation in der letzten Runde zugunsten von Jack aus... Aber gut, wir werden sehen, was die Zukunft bring. Gespielt wird es von uns sicher noch öfter.

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Brettspiel:

Mr. Jack

Spieltyp: Brettspiel

Hersteller: Hurrican / Heidelberger Spieleverlag

ASIN: B000REJDZ2

2 Spieler

30 Minuten

ab 9 Jahren

Erhältlich bei: Amazon

 

 


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Erstellt: 26.07.2007, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50