Das Leben als Hirte oder Senner ist nicht leicht. Die Natur kann ein rauer Gegner sein. Und dann sind da ja noch all die Zwerge, Feen und sonstigen Wesen, von denen man nie sicher sein kann, wie sie zu einem und seinen Tieren stehen.
Der Schweizer Andreas Sommer fiel mir erstmals mit seinem Fantasy-Epos Helisee auf. Die dort erzählte Geschichte fügt er in der Frühgeschichte der Schweiz ein und bezieht dabei regionale Sagen ins Geschehen ein.
Im vorliegenden Buch stellt er nun Sagen aus der Region um den Berg Gantrisch zusammen, ohne selbst eine Geschichte zu erdenken. Wenn man bedenkt, dass diese Sagen aus einer recht überschaubaren Region stammen, verwundert die Anzahl von 77. Sommer gibt diese Sagen, die oft sehr alt sind, in einer modernen, gut verständlichen Sprache wieder. Auffällig ist, in wie vielen dieser 77 Sagen Hirten oder Senner im Mittelpunkt stehen. Allerdings waren das in der Zeit, als diese Sagen entstanden, wahrscheinlich auch die mit Abstand verbreitetsten Jobs in der Gegend. Auch Zwerge treten – noch häufiger als Feen – in überraschend vielen der Sagen in Aktion. Das Zusammentreffen der menschlichen Landbevölkerung mit Zwergen kann man eindeutig als das zentrale Thema in einem Großteil der hier enthaltenen Sagen ausmachen. Ergänzt wird die Sammlung durch einen umfangreichen Anhang, in dem die Hintergründe der Sagenkultur im Allgemeinen sowie der einzelnen Sagen teilweise recht umfangreich erklärt werden. Sagenmotive wie die hier zusammengetragenen stellen zweifellos eine wichtige Grundlage des modernen Fantasy-Genres dar. Der überzeugende Eindruck des Buchs wird durch zahlreiche gelungene Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Martin Aeschlimann abgerundet.