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Mythos Amazonas

Filmkritik von Christel Scheja

 

Viele kennen die Amazonas-Region nur aus den Nachrichten und dann in Verbindung mit besorgniserregenden Entwicklungen in Bezug auf unser Klima. Der größte zusammenhängende Regenwald ist immens wichtig für den Sauerstoff- und Kohlenstoffhaushalt der Erde und Heimat unzähliger Pflanzen und Tiere. Doch das prächtige Grün und die bunte Tierwelt täuschen darüber hinweg, dass der Regenwald auch eine Wüste sein kann und so mehr ist, als man sich im Allgemeinen vorstellt.

 

Die Dokumentation „Mythos Amazonas“, geschaffen von Christian Baumeister und seinem Team, will Einblicke in diesen einerseits sehr bekannten, dann aber doch sehr fremden Lebensraum. Drei Folgen beschäftigen sich mit den verschiedenen Gesichtern der Amazonasregion.

„Grüne Hölle oder Paradies?“ - Diese Frage haben sich schon die ersten Europäer gestellt, als sie sich zum ersten Mal in die Region wagten - als Eroberer, Missionare und später Entdecker. Denn das vermeintliche Paradies voller Pflanzen und Tiere zeigte ihnen auch sehr schnell ihre dunkle Seite. Nur ein verschwindend geringer Bruchteil der Lebewesen ist dort nicht giftig und für den Menschen verträglich. Selbst viele Tiere mussten Mechanismen entwickeln, um überhaupt passende Nahrung zu finden. Viele Blätter und Früchte sind erstaunlich nährstoffarm, Papageien fressen Lehm von den Steilwänden der Flüsse, um giftige Nahrung besser verdauen zu können, da die Mineralien ausgeschwemmt werden.

Auch wenn man es nicht glauben mag, sind große Teile des Regenwaldes tatsächlich eine Wüste, in der der Überlebenskampf alles bestimmt. Aber wie so oft hat die Natur Mittel und Wege gefunden, um Tieren und Pflanzen das Überleben zu ermöglichen. Arten entwickelt sich weiter, verändern sich und passen sich an. Oft entstehen auf kleinem Raum neue Gattungen, die perfekt auf das Leben in ihrer Region angepasst sind, jedoch schnell wieder aussterben, wenn ihnen die Grundlagen genommen werden.

So widmet sich die letzte Folge auch die Gefahren, denen der Regenwald in der heutigen Zeit ausgesetzt ist - sei es durch illegale Abholzung und Rodung, rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze, ohne auf die Umgebung zu achten und so fort.

 

So zeichnet sich ein erstaunlicher Bruch zwischen den Folgen ab. Widmen sich die ersten beiden noch wunderschönen Naturaufnahmen, die durchaus mit denen der BBC-Dokumentationen mithalten können, so schlägt der Ton in der dritten folge gänzlich um. Man lernt das Team kennen, erfährt, mit wie viel Geduld und unter welchen Gefahren sie die Aufnahmen machen konnten und was ihnen dabei ins Auge gefallen ist.

Die Bilanz ihrer Erkundungen ist bitter. Trotz internationaler Aufmerksamkeit , finanziellen Hilfen und Sanktionen der betroffenen Staaten gegen Gesetzesbrecher geht die illegale und vor allem rücksichtslose Abholzung und Ausbeutung des Regenwaldes weiter, kümmern sich Firmen nicht um die Giftstoffe, die aus ihren Minen und Fabriken in die Flüsse geschwemmt werden und so fort. Hier wird der Zeigefinger sehr deutlich erhoben, was vielleicht an einigen Stellen etwas zu dick aufgetragen wirkt und nicht wirklich den Effekt erzielt, den es eigentlich haben soll.

Interessant und nachdenkenswert sind die Bilder schon, bieten sie doch einen krassen Gegensatz zu der Idylle und den märchenhaften Bildern der ersten beiden Folgen, die noch die unzerstörte Natur zeigen, nicht aber die Bilder, die es ebenfalls gibt.

Letztendlich bleibt ein deutliches Bild: Der Amazonas ist ein Lebensraum der Wunder, in dem es auch heute noch viel zu entdecken gibt, und der für unsere Erde nicht nur klimatisch überlebenswichtig ist. Auf der anderen Seite treibt gerade der Mensch seine Zerstörung voran, und es gibt durchaus Dinge, die man tun kann, um den Regenwald zu schützen, auch wenn man nicht vor Ort ist.

 

„Mythos Amazonas“ ist damit eine Dokumentation, die sich vor ähnlich gelagerten britischen Serien nicht verstecken muss. Allein die Tatsache, dass der Regisseur in einer dritten Folge auch persönlich den Zeigefinger erhebt, um auf Zerstörungen und Verwüstungen hinzuweisen, kann in der letzten Folge den behaglichen Eindruck etwas trüben - letztendlich werden dadurch die Naturaufnahmen der ersten beiden Folgen aber um so lebendiger und eindringlicher.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051737256e66f51e
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DVD:

Mythos Amazonas

3-teilige Dokumentation, D 2011

Regisseur(e): Christian Baumeister

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 7. Juni 2011

Produktionsjahr: 2011

Spieldauer: 135 Minuten

ASIN: B004TDIVMS

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 03.07.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01