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Nacht über Villjamur von Mark Charan Newton

Reihe: Die Legende der Roten Sonne, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1981 geborene Mark Charan Newton arbeitete nach seinem naturwissenschaftlichen Studium zunächst als Buchhändler und Verlagslektor. Irgendwann konnte er seinen ersten Roman verkaufen und wurde freier Autor. Er lebt heute in Nottingham und engagiert sich zudem sehr im Umweltschutz. Mit „Nacht über Villjamur“ erscheint nun der erste Band seiner Trilogie „Die Legende der Roten Sonne“.

 

Villjamur ist Zentrum und Herz eines Reiches und hat schon genau so viele Jahrtausende gesehen wie dieses. Die meisten Menschen, vor allem die Adligen und Reichen leben dort in Luxus und Dekadenz. Sie verschließen die Augen vor der Entwicklung die über ihnen unaufhaltsam voranschreitet. Im Licht einer sterbenden roten Sonne fällt das Land langsam unter ein Leichentuch aus Schnee. Von den Grenzen des Reiches kommen beunruhigende Nachrichten – denn etwas oder jemand tötet ganze Dörfer, doch es scheint nicht nur die heraufziehende Eiszeit zu sein.

In der Stadt verschließt man irgendwann die Tore vor den Flüchtlingen, die von allerorts kommen und Schutz suchen, da die Viertel inzwischen unter Überfüllung leiden. Doch kann das wirklich verhindern, dass die Stadt langsam in Anarchie und Verbrechen versinkt?

Dem Chaos scheinen Tür und Tor geöffnet zu sein, als der Kaiser sich plötzlich und unerwartet das Leben nimmt. Zwar holen die Getreuen noch Rika, die Tochter des Herrschers in die Stadt zurück, aber längst plant der Reichskanzler Urtica den Umsturz. Er hat eigene Pläne mit dem Reich und hochtrabende Pläne für die Welt.

Derweil schlägt sich der Ermittler Rumex Jeryd mit der Ermordung eines Ratsherren herum und gerät unversehens in das Netz aus Intrigen, das im Rat und Adel immer mehr Menschen umfängt. Nach und nach kommt er der Verschwörung auf die Schliche, die zu Gunsten weniger das Leben vieler auslöschen will und dabei auch auf die Artefakte aus ferner Vergangenheit zurückgreift, die bisher nur wirrköpfige Kultisten erforscht haben.

Schneller als ihm lieb ist, geraten er und seine Lebensgefährtin wie andere Männer und Frauen, die einfach nur weiterleben wollen – in den Fokus der mörderischen Ereignisse.

 

Bisher gibt es nur wenige Endzeit-Fantasy-Romane, die eine langsam zusammenbrechendes Reich in auf einer sterbenden Welt zum Thema haben, auch wenn sich in den letzten zwei Jahren ein gewisser Trend abzeichnet, ein düsteres Setting in archaischer Umgebung mit Krimi-Elementen zu mischen.

Rumex Jeryd ist ein nüchterner und realistisch denkender Ermittler, der nicht nach Ruhm und Macht, sondern eher nach einem friedlichen Leben strebt, aber weit davon entfernt es, es erleben zu dürfen. Selbst sein Heim, seine Zuflucht ist nicht das Gelbe vom Ei, kann er sich doch dort durch die frechen Kinder nicht einmal mehr entspannen.

Schnell zeigt sich, dass der Mord an einem Ratsherrn viel schlimmere Hintergründe hat, als er dachte und sogar Leute in seiner Umgebung in den Fall verwickelt sind. Es wird unangenehm, als Jeryd sich zu sehr einmischt und auch noch Partei ergreift.

In anderen Einzelschicksalen webt der Autor zudem ein facettenreicheres Bild der Stadt, man erfährt, wie es am kaiserlichen Hof zugeht, was eine Hure mit der ganzen Sache zu tun hat, und wie andere Gesetzeshüter mit der ganzen Situation zurecht kommen müssen. Zwar überkreuzen sich die meisten Handlungsebenen irgendwann, aber sie laufen doch in erster Linie eigenständig weiter.

Der Roman endet offen – denn am Ende sind erst die Weichen für die weiteren Entwicklungen gestellt. Vor allem für die Helden sieht es nicht besonders gut aus, können sie doch froh sein, überhaupt mit dem Leben davon zu kommen.

Etwas ungewohnt sind die anachronistischen Bezeichnungen von Orten und Dingen. Zwar wirkt das Setting in erster Linie spätmittelalterlich, hat aber auch Anklänge an das achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert. Das gibt dem Hintergrund aber einen besonderen Flair und wirkt nicht ganz so störend, wie man zunächst denkt.

Durch die Vielzahl der Figuren wird man letztendlich nur mit wenigen wirklich warm, aber es scheint wirklich so als stünde hier eher die Geschichte im Mittelpunkt als eine Handvoll von Helden, die das Schicksal der Welt wenden werden.

Alles in allem ist die Geschichte trotz der vielen Handlungsebenen spannend, weil die Mischung aus verzwickten Intrigen, vielen Andeutungen und der abwechslungsreiche Hintergrund niemals Längen hat. Auch kann man die Figuren recht gut auseinander halten, da sie doch sehr eigene Leben haben.

Zarte Romanzen und hemmungslose Schlachten sollte man allerdings nicht erwarten – zwar gibt es gut dosierte Action, aber die wichtigste Waffe der Figuren ist immer noch das Wort und sind nicht Schwert oder Armbrust.

 

Alles in alle ist „Nacht über Villjamur“ einen Blick wert, wenn man auf der Suche nach einer dramatischen Intrigengeschichte vor düsterem Hintergrund ist und auch nichts gegen einen Hauch von Crime Noir hat. Vor allem die Fans phantastischer Ermittler sich gut in die Handlung einfühlen können, die all das ausnutzt, was das Setting an Intrigen und Grausamkeiten hergibt.

 

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Nacht über Villjamur

Autor: Mark Charan Newton

Reihe: Die Legende der Roten Sonne, Bd. 1

Paperback, 511 Seiten

Egmont Lyx, erschienen April 2012

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Heckmann

Titelbild von Max Meinzold

ISBN-10: 3802584554

ISBN-13: 978-3802584558

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN: B007QXVQ7K

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.05.2012, zuletzt aktualisiert: 23.11.2018 10:18