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Nacht unter Tag von Val McDermid

gekürzte Lesung

 

Rezension von Christel Scheja

 

Heute gehört die gebürtige Schottin Val McDermid zu den wichtigsten Krimi-Autorinnen Englands. Bereits in ihren frühen Romanen beschäftigte sie sich mit den Randgruppen der Gesellschaft, egal ob es sich nun um Lesben oder Homosexuelle handelte oder die Außenseiter, denen es nie gelungen war, aus dem Sumpf von Arbeitslosigkeit und Verbrechen aufzusteigen.

Da sie auch über zehn Jahre in britischen Gewerkschaften aktiv war, spiegeln viele ihrer Bücher auch eine gewisse unterschwellige Kritik an der Sozialpolitik und den gesellschaftlichen Entwicklungen in ihrem Heimatland wieder, zumal sie lange Zeit auch gesehen hatte, welche Auswirkungen das in Arbeiterstädten wie Manchester hatte,

Ihre Heldinnen und Helden sind zumeist Kinder der Straße, die mit dem distinguierten britischen Unterstatement nur selten etwas anfangen, geschweige denn es selbst ausstrahlen und sich alles was sie können schwer erarbeitet haben.

 

Detective Inspector Karen Pirie liebt im Allgemeinen kniffelige Fälle, die es in sich haben, da sie sich entsprechend in sie vertiefen und intensiv nachforschen kann. Da sie nicht immer mit den Anweisungen ihres Chefs konform geht, hat dieser sie in eine Abteilung zur Aufklärung besonderer Fälle abgeschoben, Dadurch stößt sie auf ein geheimnisvolles Verbrechen, das auch ihr eine harte Nuss zu knacken aufgibt.

Zunächst scheint es nur auf einen Routinefall heraus zu laufen, als eine Frau in Edinburgh ihren Vater Mick Prentice als vermisst meldet. Doch dann müssen Karen Pirie und ihr Kollege Phil Parhatka überrascht feststellen, dass dies bereits vor zweiundzwanzig Jahren geschehen ist – während des großen Bergarbeiterstreiks von 1984 im schottischen Städchen East Wemyss. Nach und nach finden sie durch entsprechende Nachforschungen vor Ort heraus, dass die Familie nur so lange geschwiegen hat, weil sie einerseits mit einem Notfall in der Familie beschäftigt gewesen waren und andererseits kein Aufhebens machen wollten, dass sie den Ernährer der Familie die ganze Zeit für einen miesen Streikbrecher gehalten haben, der sich bei Nacht und Nebel davon gemacht hat und bisher zu feige gewesen ist, um wieder nach Hause zu kommen.

Etwa zur gleichen Zeit entdeckt die Enthüllungsjournalistin Bel Richmond Spuren in einem Haus in der Toskana, die auf einen längst zu den Akten gelegten aber bisher ungelösten Entführungsfall hinweisen und sucht Kontakt zu dem medienscheuen adligen Millionär Brodie Maclennan Grant, dessen Tochter und Enkelsohn damals verschwinden sind.

Da sich dieser nun entsprechend aufgewühlt mit den Hinweisen und Spuren auch an die Polizei wendet, bekommt Karen Pirie zusätzliche Arbeit von ihrem Chef aufgebürdet. Doch das erweist sich schon bald als Glücksfall, denn beide Fälle weisen unübersehbar Parallelen auf. Kann es sein, dass beide wesentlich mehr miteinander zu tun haben als die Indizien bisher haben vermuten lassen?

 

„Nacht unter Tag“ läuft zwar recht langsam an, da sich die Autorin die Zeit nimmt in beide Szenarien einzuführen, die zunächst unabhängig voneinander laufen, doch als die ersten Parallelen erkennbar sind, wird es merklich spannender. Sie hat die einzelnen Informationen geschickt ineinander verwogen, so dass man als Leser aufhorcht, gleichzeitig aber auch wissen will, was weiter in der Toskana und Schottlang geschieht.

Dabei nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund und wettert gehörig über die Politik der Thatcher-Ära, spart nicht darin, ihren Protagonisten bissige Kommentare in den Mund zu legen. Dabei legt sie immer wieder falsche Spuren, so dass die Geschichte bis zum Ende spannend bleibt. Aber auch die Lösung ist passend und logisch aufgebaut, so dass man sie ihr gerne abnimmt und die Krimihandlung mehr als genießen kann. Die Kürzung der Hörfassung schadet hier nicht, sie macht die Geschichte nur noch dichter.

Andrea Sawatzki liest die Geschichte mit der Souveränität, die sich auch in ihrer Rolle als Tatort-Kommissarin mitbringt. Sie versetzt sich sehr gut in die Heldin und die anderen Figuren, so dass diese beinahe lebendig erscheinen und bietet so angenehmen Hörgenuss.

 

Alles in allem kann sich „Nacht unter Tag“ sehen lassen. Das spannende Hörbuch ist mehr als nur pure Unterhaltung, es bietet auch einen interessanten Einblick in das von sozialen Spannungen geschüttelte England der 1980ger Jahre.

 

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Hörbuch:

Nacht unter Tag

gekürzte Lesung

Autorin: Val McDermid

Sprecher: Andrea Sawatzki

Übersetzerin: Doris Styron

Umfang: 6 CDs

Spieldauer: ca. 443 Minuten

Argon, März 2009

 

ISBN-10: 3866106378

ISBN-13: 978-3866106376

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.05.2009, zuletzt aktualisiert: 24.11.2021 08:02