Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Nachtlilien von Siri Lindberg

Rezension von Christel Scheja

 

Trotz ihres nordisch klingenden Namens ist Siri Lindberg eine deutsche Autorin, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von München lebt. Ursprünglich wollte sie Astronautin werden, entschied sich dann aber dazu nur ihre Phantasie fliegen zu lassen und wurde freiberufliche Schriftstellerin. „Nachtlilien“ ist ihr erster Fantasy-Roman.

 

Die junge und talentierte Bildhauerin Jerusha hofft nach ihren ersten großen Erfolgen auf Glück und Zufriedenheit in ihrem Leben. Sie glaubt auch schon den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch dann muss sie erfahren, dass seit einigen Generationen ein Fluch auf den Frauen ihrer Familie lastet. Sie sind dazu verdammt, ausgerechnet den Mann, den sie am Meisten lieben, zu verraten und damit im schlimmsten Fall zum Tod zu verdammen. Ihre Mutter und Großmutter haben das schon durchgemacht, nur eine Tante ist dem Fluch entkommen, weil sie eine Frau liebt.

Jerusha will das nicht so einfach hinnehmen und verlässt ihre Heimat, um heraus zu finden, wer den Bann über ihre Sippe gelegt hat und warum. Die Suche gestaltet sich zunächst als sehr schwierig, da keine der älteren Frauen wirklich mit der Sprache heraus will, und sogar die ein oder andere Sache vergessen haben. Mühsam findet sich die junge Bildhauerin mit den kargen Hinweisen zurecht, auch wenn dies sehr viel Zeit kostet.

Auf der Reise lernt Jerusha den blinden Krieger Kieran kennen, der so ganz anders ist als ihr Verlobter – vor allem lässt er sie auch in der Not nicht im Stich wie jener. So kommt es wie es kommen muss: Ohne es heraus zu fordern verlieben sich die beiden ineinander.

Auch wenn sich für eine Weile ihre Wege trennen, so finden sie doch wieder zusammen, denn der Fluch beginnt Wirkung zu zeigen, vor allem, als sie den Verursacher des Fluchs finden und zur Rede stellen. Ganz offensichtlich hatte er mehr als einen Grund dazu. Ehe sie sich verstehen, stecken Jerusha und Kieran mitten in einer Intrige, die sie das Leben kosten könnte – und vielleicht auch vielen anderen Menschen ihre Existenz.

 

Auch wenn auf dem Klappentext die Liebesgeschichte hervorgehoben wird, so ist sie doch nur ein gewisser Aspekt der Geschichte, die viel mehr Ebenen hat. Magie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle – sie ermöglichst es dem blinden Kieran zu sehen und dabei mehr zu erkennen als mit seinen richtigen Augen.

Dadurch werden er und Jerusha recht schnell in eine Intrige hinein gezogen, die mehrere Völker betrifft und eine Verschwörung im Hintergrund enthüllt. Zugleich lernen die junge Bildhauerin und der Krieger über ihre bisherigen Grenzen zu blicken und zu wachsen. Die Fantasy kommt dabei nicht zu kurz, auch wenn die Autorin weitestgehend auf Action verzichtet. Dafür aber baut sie einige komplexe Intrigen ein, zeigt verschiedene Facetten ihrer Figuren und gibt auch Nebenpersonen ein wenig Profil.

Spannung entsteht trotzdem durch die fein gesponnenen Beziehungsgeflechte und Geheimnis, aber auch die interessant gestalteten Charaktere. Nur sollte man natürlich kleine all zu heftigen Kämpfe und schon gar keine Schlachten erwarten, denn diese kann und will Siri Lindberg nicht bieten. Dafür geht es stellenweise sehr magisch zu – die phantastischen Elemente sind sehr schön durchdacht und logisch aufeinander aufgebaut.

 

Alles in allem dürfte „Nachtlilien“ vor allem die Leser und Leserinnen ansprechen, die charakterzentrierte Geschichten mit einem lebendig ausgearbeiteten Hintergrund und einem guten Schuss Magie und Romantik mögen.

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Nachtlilien

Autorin: Siri Lindberg

gebunden, 492 Seiten

Piper, erschienen September 2010

Titelbild von Caitlin Worthington, Karte Daniel Ernle

ISBN-10: 3492702155

ISBN-13: 978-3492702157

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 09.12.2010, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45