Menschen in Buchwelten reisen zu lassen, ist keine neue Idee, schon gar nicht, seit der Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke. Aber immerhin bietet das Thema noch genug Freiraum für eigene Ideen, wie nun auch Mo Enders in Nachtschwarze Worte, dem Auftakt ihrer Liga Lexis-Trilogie beweist.
Annie fällt aus allen Worten, als sie erfährt, dass sie eine Migra ist – zur Hälfte Mensch, zur anderen eine Buchfigur, was auch ihre Affinität zum Lesen und zu Büchern zeigt. Da in ihr besondere Gaben erwachten, muss sie die Schule wechseln und landet so auf Bookfort Manor, einer Akademie für Jugendliche wie sie.
Hier an der irischen Küste soll sie nicht nur unterrichtet werden, sondern auch lernen in Buchwelten zu reisen. Kaum dort angekommen, schlägt ihr Misstrauen entgegen, denn zum einen ist sie ungeklärter Herkunft, zum anderen bringen schreckliche Geschehnisse die Buchwelt völlig in Aufruhr.
Daher wird sie unter Aufsicht des arroganten, aber gut aussehenden Caspian de Vries gestellt und kaum dass sie sich annähern, verschwindet der junge Mann auch noch in einer Buchwelt, die dem jungen Mädchen besonders viel bedeutet – der Auftakt eines spannenden Abenteuers für die junge Annie, die natürlich nicht dazu bereit ist, sich zurückzuhalten, wie es die Lehrer gerne sehen würden.
Daher begibt sie sich auf eine abwechslungsreiche Reise durch die Buchwelten und stößt schon bald auf die Spur eines viel größeren Unheils, das auf die Migra zukommen könnte. Denn im Nirgendwo zwischen den Geschichten-Welten und Buchseiten rüstet sich eine dunkle und hasserfüllte Macht zum Krieg.
Und wie man sich unschwer denken kann, spielt Annie eine nicht unerhebliche Rolle in dem Drama, scheinen doch einige Fäden bei ihr und ihrer Mutter zusammen zu laufen. Das ganze wird dazu noch mit den Andeutungen einer Romanze garniert, die allerdings ziemlich im Hintergrund bleibt.
In der Hinsicht macht Mo Enders alles richtig, bietet sie den Lesern doch eine Reise in die Welt der Bücher, die vor allem auf das Abenteuer und Geheimnisse setzt, dabei aber auch nicht mit Andeutungen und Anspielungen auf beliebte und bekannte Werke setzt, von denen die meisten schon einmal gehört haben, auch wenn sie noch Teenager sind.
Das ganze wird recht flott und unterhaltsam in Szene gesetzt und stellenweise mit einem Augenzwinkern erzählt. Und nicht zuletzt bleibt es spannend, denn was in Prolog und Epilog erzählt wird, wird noch nicht aufgeklärt, ebenso wenig wie gewisse Fragen in der Haupthandlung, die somit Lust auf mehr machen.