Paolo Bacigalupi hat sich auch in Deutschland bisher eher einen Namen als Autor von dystopischen Thrillern für Jugendliche und Erwachsene gemacht. Nun bietet er mit Navola einen nicht minder spannenden Fantasy-Roman, der ein Setting bietet, wie man es sonst nur aus historischen Romanen über die italienische Renaissance kennt.
Navola ist ein Stadtstaat, dessen Reichtum sich auf den Handel stützt. Paläste und Türme künden von dem Reichtum der Kaufleute und ihrer Familien. Unter ihnen gehören die di Regulai mit ihrer Bank zu den wirklich mächtigen. Wie eine Spinne im Netz lenken sie die Geschichte der Stadt und ihrer Mitbürger.
Das bringt ihnen aber natürlich auch jede Menge Feinde ein. So bekommt Davico, der Sohn des mächtigen Patriarchen schon in seiner Jugend zu spüren, wie gnadenlos der Kampf ist. Er muss noch jede Menge lernen, um die Nachfolge antreten zu können. Noch ahnt er nicht, dass er auf eine harte Probe gestellt werden wird und allein ein mächtiges Artefakt seine Rettung sein könnte.
Der Autor scheint seinen Spaß daran zu haben, sich aus der Geschichte zu bedienen, denn das Geplänkel der mächtigen Familien erinnert sehr stark an die Machtkämpfe in Florenz, die Medici standen vermutlich auch so ziemlich Pate für die di Regulai.
Er nimmt sich jedenfalls Zeit, das Umfeld und das Heranwachsen des Jungen ausführlich zu beschreiben und damit zum Leben zu erwecken. Das mag zwar dazu führen, dass die Geschichte recht behäbig daher kommt, aber es gibt genügend kleinere Spannungsbögen, die bei der Stange halten.
So kann man auf angenehme Weise das Heranwachsen des Junge nachvollziehen, erfährt von den wichtigen Personen in seinem Leben, die ihn später prägen werden und natürlich auch den Intrigen, die nach und nach immer mehr zunehmen.
Dabei kommt Davico sehr sympathisch daher, ist er doch alles andere als ein Überflieger, der alles aus der Hand schütteln kann. Er ist eher ein ganz normaler junger Mann mit den Leidenschaften, Schwächen und Fehlern die man selbst kennt. Zudem reagiert er lange erst einmal nur auf das Verhalten und die Taten anderer und wird nur selten von sich aus aktiv.
Der Fantasyanteil ist gering, kommt erst zum Ende hin zum Tragen, als Davico keine andere Wahl mehr hat, als die Macht eines uralten Artefakts heraufzubeschwören und damit die Macht eines lange toten aber noch immer präsenten Drachen zu entfesseln.
Die Handlung ist insgesamt in sich geschlossen, auch wenn die Tür weit offen für eine Fortsetzung stehen bleibt, über die allerdings bisher noch nichts bekannt ist, alle notwendigen Weichen sind jedenfalls gestellt.
Alles in allem kann die Geschichte vor allem durch ihren Detailreichtum und die Lebendigkeit des Hintergrunds punkten. Die vielschichtigen Figuren tun ihr übriges dazu, um das Buch aus der Masse aktueller Publikationen hervor zu heben.