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Nebelgänger von Catherine Fisher

Reihe: Das Buch der Krähe, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Schon mit „Schneewanderer“ zeigte die heute in Wales lebende und 1957 geborene Autorin, dass sie Fantasy in einem ganz eigenen Stil schreibt. Auch wenn ihre Helden dazu ausersehen sind, die Menschen zu retten, so ist das für sich doch in erster Linie eine ganz persönliche Angelegenheit, die sie in einer eher schlichten und erdnahen Umwelt ansiedelt. Das zeigt sich jetzt auch in ihrem neusten Zyklus „Das Buch der Krähe“, dessen erster Band „Nebelgänger“ zu finden sind. Entgegen der sonst üblichen Praxis Romane zu teilen, beinhaltet die deutsche Ausgabe zwei Original-Bände.

 

Die Welt ist düster geworden, seit die Götter verschwunden sind und die Menschen ganz alleine zurückgelassen hat. Neben Hoffnungslosigkeit regiert auch Angst und Terror. Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens existieren nur noch bedingt und sind vom Recht des Stärkeren bestimmt.

Die unheimlichen Wächter, die an nichts und niemandem glauben und nur ihrem Herrn folgen, kontrollieren die Menschen und jagen unerbittlich den Reliktmeistern nach, den letzten Männern und Frauen, die mit den Hinterlassenschaften der Götter noch etwas anzufangen wissen und auch viele Kenntnisse um die Vergangenheit bewahren.

Galen ist einer jeder Männer, die durch das Land ziehen und nach den kostbaren Schätzen suchen, obwohl die Wächter ihm dicht auf den Fersen sind, Zusammen mit seinem Lehrling Raffi durchstreift er die Dörfer und Städte. Doch als ihn ein Artefakt schwer verletzt, schwinden seine Kräfte und er muss sich ganz und gar auf den Jungen verlassen, der noch nicht viel über sein Erbe und die Fähigkeiten weiß, die er als Reliktmeister beherrschen sollte. Doch seinen eigenen Gaben kann er nur noch bedingt vertrauen.

In dieser gefährlichen Zeit schließt sich ihnen auch das Mädchen Carys an. Sie hat durch die Wächter ebenfalls viel verloren – doch kann man ihr wirklich trauen, obwohl sie ihnen einmal das Leben rettet?

Raffi ist geneigt das zu tun, als sein Meister dazu bereit ist sie mitzunehmen, denn nur mit Carys Hilfe könnte es ihnen gelingen, die uralte Stadt Tasceron zu erreichen und betreten, in der die uralten Kräfte die die Götter den Menschen hinterließen noch am stärksten sind. Vielleicht kann auch Galen dort geheilt werden.

 

Wenn man Catherine Fisher und andere moderne Autoren kennt, ahnt man schon sehr bald, dass hinter den Göttern vermutlich etwas anderes steckt als die höheren Wesenheiten, die man sonst aus der Fantasy kennt.

Denn seit gut zehn Jahren ist es sehr beliebt, die Szenarien zwar archaisch aber doch realistisch zu gestalten und die Götter nicht mehr nur als Manifestationen höherer Mächte zu sehen. In Nebelgänger hat man schon am Anfang das Gefühl in einem postapokalyptischen Szenario zu stehen und wird tatsächlich nicht enttäuscht, auch wenn die Science Fiction Elemente der Geschichte eher noch verhalten bleiben, da nicht mehr als ein paar Artefakte, die sich als Computerelemente und Kommunikationsgeräte heraus stellen, zum Leben erwachen und einige für das Setting sehr unpassende Sätze von sich geben. Stattdessen konzentriert sich die Autorin aber erst einmal auf ganz andere Themen.

Im ersten Band stellt sie die Personen vor, um die sich die Geschichten drehen werden, sowie das Setting vor, im zweiten stehen die Wächter im Mittelpunkt und man erfährt mehr über ihre Motive und Machenschaften.. Sie verkörpern im Prinzip nicht mehr als das totalitäre System, dass das Denken und Fühlen der Menschen gleichzuschalten versucht und sich bewusst willfährige Anhänger in den sogenannten Türmen heran zieht.

Das alles wird in eine abenteuerliche und actionreiche aber nicht unbedingt in die Tiefe gehende Handlung eingebunden, was sich stellenweise als zu großes Manko erweist. Denn einige Ideen – gerade was die gesellschaftlichen Konsequenzen, die die Wächter mit sich bringen, angeht, werden nur angerissen und nicht ausgearbeitet. Selbst die Hauptfiguren bleiben so oberflächlich, so dass man kaum Sympathien zu ihnen aufbauen kann und auch nicht unbedingt um sie zittert. Das macht den Roman nur leidlich spannend für ältere Leser, auch wenn viel passiert.

 

„Nebelgänger“ spielt mit den Relikten einer rätselhaften Vergangenheit, deren Wurzeln sich schon andeuten und erzählt eine actionreiche Geschichte, aber wirklich fesseln kann der Roman nicht, da ihm an einigen Stellen notwendige Tiefe fehlt und auch eine Bindung zu den Charakteren entsteht. So bleibt er nur leidlich spannend und ist vor allem bei älteren Lesern schnell wieder vergessen.

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Buch:

Nebelgänger

Reihe: Das Buch der Krähe, Band 1

Autorin: Catherine Fisher

gebunden - 510 Seiten

Heyne, erschienen Oktober 2008

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Beate Brammertz

Titelbild von Dirk Schulz

ISBN-10: 3453523822

ISBN-13: 978-3453523821

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 10.11.2008, zuletzt aktualisiert: 23.11.2018 10:18