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Necromancer von Martha Wells

Rezension von Christel Scheja

 

Martha Wells wurde in der Nähe von Fort Worth in Texas geboren und lebt auch heute noch mit ihrer Familie in diesem Bundesstaat. Sie ist inzwischen eine erfolgreiche Autorin von Fantasy und Science Fiction. Hintergrund vieler Geschichten und Romane ist dabei ihre Welt Ile-Rien, die ein wenig der unseren im 19. Jahrhundert gleicht und in der doch Magie und Zauberei aller Art nebeneinander existieren und man unter den Gaslicht-Laternen schon einmal einem Untoten begegnen kann.

 

Vor einigen Jahren wurde Edouard Viller hingerichtet, weil man ihn verdächtige eine Frau ermordet zu haben, nur um einen nekromantischen Zauber wirken zu können. Denn auch wenn Magie in Ile-Rien sonst geschätzt und gerne benutzt wird, dieser Zweig der arkanen Kunst ist streng verboten und steht unter höchsten Strafen. Zwar stellte sich schon kurz danach heraus, dass Viller unschuldig war, aber der wahre Schuldige ist noch immer auf freiem Fuß.

Deshalb hat es sich Nicholas Valiarde, der Ziehsohn des Hingerichteten zur Aufgabe gemacht, den eigentlichen Täter zu finden und einer gerechten strafe zu überantworten. Aus diesem Grunde ist er zu einem Dieb geworden und hat inzwischen einige Meisterschaft darin erlangt. Sein eigentliches Ziel aber ist Count Montesq, der hinter den Intrigen stecken muss, die seinem Vater den Tod gebracht haben.

Endlich gelingt es ihm in dessen Haus einzubrechen und die entscheidenden Beweise an sich zu bringen – doch just in dieser Nacht ist er nicht der Einzige, der im Besitz des Adligen etwas sucht. Beide müssen verschwinden – verlieren aber einander nicht aus den Augen, denn kaum einen Tag später steht der andere Einbrecher vor Nicholas Tür und versucht heraus zu finden, was dieser weiß. Auch der Meisterdieb will genaueres wissen. Allerdings muss er den Mann, der sich Dr. Octave nennt, in Notwehr erschießen, als die Situation eskaliert und stellt überrascht fest, dass dieser kein echter Mensch, sondern nur ein Golem ist.

Langsam dämmern Nicholas, seiner Geliebten Madeline und beider Freunden, dass sie da in eine viel größere und gefährlichere Sache geraten sind, die ihnen schneller als ihnen lieb ist, den Tod bringen könnte. Denn ganz offensichtlich steckt hinter allem ein mächtiger und gefährlicher Zauberer, der sich mit Nekromantie äußerst gut auszukennen scheint. Es gilt also, sich diesem Gegner zu stellen, ehe sie Count Montesq bestrafen können.

 

„Necromancer“ taucht ein in die neblige Steampunk-Atmopshäre viktorianischer Historienromane und vermischt sie ganz gezielt mit düsteren Fantasy-Elementen, die zu dem Setting passen. Mal fühlt man sich an die Schauerromane erinnert, die genau in dieser Zeit entstanden, dann wieder an die Abenteuergeschichten um charmante Gauner und Schurken wie Arsene Lupin, dem Meisterdieb von Paris. Und ein wenig atmet das Buch auch den Glanz von dekadenten Renaissance-Metropolen.

Nicholas Valiardes Heimat ist modern und archaisch zugleich, Gespinste von Lügen und Verrat lauern überall, in denen sich die Helden verstricken können.

Die Autorin setzt zwar hin und wieder Action ein und zwingt ihren Helden dazu, sich aus gefährlichen Situationen zu kämpfen, aber letztendlich muss er sich doch viel mehr in der Gesellschaft bewähren und mit List, Verstand und Wortwitz aus so manch einer unangenehmen Lage winden. Aus diesem Grunde agieren er und seine Freunde mit sehr vielen Personen, über die man leider auch sehr schnell den Überblick verliert und die sie manchmal nur einsetzt, um den Helden aus einer unangenehmen Situation zu helfen. Das führt in der Geschichte hin und wieder zu Längen, denn man kann sich gewiss sein, dass immer jemand zur Stelle ist, wenn die Figuren wieder einmal in Gefahr geraten. Zu selten strengen sie sich selbst an, um zu entkommen und ihre Fähigkeiten einzusetzen, obwohl Nicolas ein Meister der Verkleidung und seine Gefährten auch nicht gerade dumm oder ungeschickt sind.

Das ist wohl die größte Schwäche des Romans, der ansonsten mit einer interessanten und komplexen Hintergrundwelt aufwartet, die ein wenig Abwechslung zu den üblichen Fantasy-Settings bietet und klug präsentiert wird. Auch die Hauptfiguren sind immer für eine Überraschung gut – aber das hilft alles nichts wenn die Handlung zu sehr in die Länge gezogen wird.

 

Alles in allem ist „Necromancer“ ein unterhaltsam, wenn auch nicht ganz so spannender Abenteuer-Roman vor einem ungewöhnlichen Hintergrund, der allen Lesern gefallen dürfte, die eine Mischung aus Steampunk, viktorianischen Schauer- und Gesellschaftsromanen mit einem Schuss echter Magie mögen.

 

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Necromancer

Autorin: Martha Wells

broschiert, 702 Seiten

Heyne, München, erschienen Dezember 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Friedrich Mader

Titelbildgestaltung von Nele Schütz Design

ISBN-10: 345352649X

ISBN-13: 978-3453526495

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.03.2010, zuletzt aktualisiert: 23.11.2018 10:18