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Necronomicon von H. P. Lovecraft

Hörbuch gelesen von David Nathan

Reihe: H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens Teil 8

 

Rezension von Christel Scheja

 

LPL-Records hat sich dem phantastischen Hörbuch verschrieben, dessen literarische Vorlagen fast alle beim Festa-Verlag in Leipzig zu bekommen sind. Neben „Handyman Jack“ und der „Necroscope“ Reihe präsentiert das Studio auch Lesungen der Werke von H. P. Lovecraft (1890-1937) der neben Edgar Allan Poe wohl zu den wichtigsten Autoren der düsteren Phantastik gehört, auch wenn er selbst nicht mehr miterleben konnte, dass gerade die Werke um seinen „Cthulhu“-Mythos zu Klassikern wurde.

Wie ein anderer verstand es der Mann aus Providence, die Schattenseiten der menschlichen Existenz, Angst und Depression einzufangen, vor denen viele andere Menschen lieber die Augen verschließen.

 

„Necronomicon“ bietet nun eine weitere Auswahl seiner Geschichten. Wieder liest David Nathan die mit Musik unterlegten düsteren Texte, die hierzulande in verschiedenen Büchern erschienen sind. Die vier CD’s im Jewel-Case haben eine Gesamtlaufzeit von 400 min.

Die bekannteste Geschichte der Sammlung ist wohl „Die Katzen von Ulthar“. Die Menschen eines kleinen Dorfes haben die Katzen bisher zwar freundlich behandelt aber nicht sonderlich beachtet und hingenommen, dass ein altes Ehepaar immer wieder Samtpfoten den Garaus gemacht hat. Das ändert sich als Fahrende in ihren Ort kommen und das schwarze Kätschen eines der Mädchen aus dem reisenden Clan verschwindet...

Geheimnisvoll geht es auch in „Stadt ohne Namen“ zu, in der ein junger Mann nach Kingsport, in die Stadt seiner Vorfahren an die Ostküste der USA zurück kehrt, um einer Einladung für das Fest der Feste zu folgen. Doch er begeht nicht die Ehrung der Geburt Christi, sondern folgt viel älteren Wurzeln für die vier Verwandte während der Hexenverfolgungen bereits ihr Leben lassen mussten. Doch nun kommen noch einige andere ungewohnte Dinge hinzu.

Auch „Stadt ohne Namen“ spielt mit dem Unheimlichen. In der arabischen Wüste erforscht ein Mann alte Ruinen und folgt einer uralten Treppe in die Tiefe und eine Welt, die für seinen Geist unbegreifbar zu sein scheint.

„Der Alchemist“ belegte vor vielen hundert Jahren ein französisches Adelsgeschlecht mit seinem Fluch. Weil der damalige Graf seinen Vater ermorden ließ, sollten alle seine Nachkommen jung sterben. Nur dem letzten einer langen Ahnenreihe gelang es dem Fluch zu entgehen – und auf dem Totenbett enthüllt er wie.

„Die Geschichte des Necronomicons“ ist eher ein Essay als eine Geschichte und enthüllt die Gründe der Entstehung des verfluchten Buches und wie es bis heute überdauern konnte.

Ein Mann will mit seinem greisen Onkel endlich heraus finden, welchen Fluch „Das gemiedene Haus“ schon seit vielen hundert Jahren birgt und seine Familie zwang, es zu verlassen. Schon bald kommt er dem Grauen auf die Spur, das unter den Fundamenten des alten Hauses lauert, doch er zahlt einen hohen Preis dafür.

„Gefangen bei den Pharaonen“ entstand nach einer Idee und Anregung des berühmten Entfesslungs- und Zauberkünstlers Harry Houdini, der nur ein paar Jahre zuvor bei den ägyptischen Pyramiden ein so seltsames wie einschneidendes Erlebnis mit den Schatten der Vergangenheit gehabt haben soll, nur weil er bereit war, einem Fremdenführer namens Abdul Reis zu helfen.

 

Anders als zum Beispiel in „Berge des Wahnsinns“ spielt der Cthulhu“-Mythos in den hier versammelten Geschichten eher eine untergeordnete Rolle. Er ist zwar immer wieder präsent wie in „Die Geschichte des Necronomicons“ oder „Das gemiedene Haus“, aber nicht das Hauptthema. Statt dessen folgt Lovecraft der Tradition der „Gothic Novel“ Die Schatten der Vergangenheit greifen nach den Protagonisten und fordern von ihnen eine Schuld, einen Preis oder eine Aufgabe ein, die bereits die Ahnen auf sich nahmen. Es ist nun an ihnen, sich ihrem Schicksal zu fügen wie in „Stadt ohne Namen“ oder dagegen aufzubegehren wie in „Der Alchemist“. Manchmal geraten sie auch nur in einen uralten Konflikt, der immer noch kein Ende gefunden hat wie in „Gefangen bei den Pharaonen“.

Seine Liebe zu den Stubentigern tritt vor allem in „Die Katzen von Ulthar“ hervor, die in ihrer unaufdringlichen Art zu den geheimnisvollen Stars der Geschichte werden und damit beweisen, dass man sie nicht unterschätzen sollte, weil sie die Gestalt von Tieren haben.

Auch wenn die Geschichten sehr unterschiedlich sind, ist ihnen doch eines gemein: die für Lovecraft so typische düstere und melancholische Atmosphäre. Man stellt sich die Handlungsorte grundsätzlich immer in einem seltsamen Dämmerlicht oder in der Nacht vor, das Lachen verlernen die Protagonisten bereits auf der ersten Seite, wenn sie es überhaupt jemals gezeigt haben.

Oft genug kommen sie auch nur mit einem blauen Auge davon, weil sie rechtzeitig erkennen, wann sie sich am besten zurück ziehen müssen, oder die Zähne zusammen beißen und nicht aufgeben. Letzteres kommt aber eher weniger vor, meistens zeigen die Helden später deutlichen Respekt vor dem übernatürlichen Geschehen, das sie nur knapp überlebt haben und wissen, dass sie das wirkliche Übel nicht besiegt haben wie etwa in „Das gemiedene Haus“.

Auch diese Geschichten werden wieder von David Nathan vorgetragen, der die bildreichen Beschreibungen Lovecrafts in den Geschichten geradezu auf der Zunge zergehen lässt und nicht daran spart, auch der Angst und Furcht des Ich-Erzählers Ausdruck zu verleihen und die Emotionen auf den Zuhörer zu übertragen. Man wird in den Vortrag intensiv eingebunden und hat keine Probleme den eigentlich komplizierten Satzkonstruktionen zu folgen. Aber auch die sparsam eingesetzte und subtil unterlegte Musik von Andy Matern tut ihr übriges dazu, um die Atmosphäre zu vertiefen.

 

Auch „Necronomicon“ bietet nicht nur für Lovecraft-Fans, sondern auch für Horror-Leser stilvolle und gelungene Unterhaltung. Selbst wenn man sich bisher noch nicht an Lovecrafts Werke in Buchform gewagt hat, kann man durch den gelungenen Vortrag endlich leichter Zugang zu den düster-depressiven, aber sehr stimmungsvollen Gedankenwelten von H. P. Lovecraft finden.

 

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Eure Meinung:

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Hörbuch:

Necronomicon

H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens Teil 8

7 Kurzgeschichten von Howard Philipps Lovecraft

LPL Records / Lübbe Audio in Lizenz von Festa 2008

Gelesen von David Nathan

Regie Lars Peter Lueg

Musik Andy Matern

Spieldauer 5 Stunden

4 CDs

 

ISBN-10: 3785736924

ISBN-13: 978-3785736920

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.11.2008, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03