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Necroville von Ian MacDonald

Rezension von Christian Endres

 

Die verlegerische Intention ist klar, sobald man das Titelbild sieht: Wer an John Meaneys Tristopolis und dessen Fortsetzung Gefallen gefunden hat, sieht das Cover von Necroville und wird wohl auch in Ian McDonalds SF-Mystery-Roman mal einen Blick werfen. Oder auch: wieder werfen. Immerhin ist Necroville, in Großbritannien unter demselben Titel und in den USA als Terminal Cafe veröffentlicht, bereits 1996 auf Deutsch bei Heyne erschienen. Und auch wenn die Neuauflage sich nun eines wesentlich schöneren Bildes auf dem Buchdeckel erfreut, bleiben die Probleme doch die gleichen.

 

Nichtsdestotrotz: Willkommen zunächst einmal in Necroville, einer weiteren düster-dystopischen Stadt der Cyberpunk-Zukunft: Die Nano-Techologie hat dem Tod auch hier ein Schnippchen geschlagen, und was tot ist, das bleib nicht zwangsläufig tot – oder kann sogar noch ein paar Mal sterben. In dieser Metropole der Toten treffen sich fünf lebende Geister der Vergangenheit, wie sie es seit längerem einmal im Jahr tun. Diesmal allerdings verfehlen sie sich, und so durchlebt jeder von ihnen in Necroville eine persönliche Nacht des Schreckens...

 

Mächtige Konzerne, noch viel mächtigere Technik, eine radikal veränderte Auffassung vom Leben und dem Sterben – was wie Cyberpunk aussieht, ist durchaus auch Cyberpunk. Was an sich ja längst nichts ungewöhnliches mehr ist. Ungewöhnlich ist dafür Ian McDonalds Schreibstil. Denn der 1960 geborene Brite ist ein Autor, der polarisiert: Für die einen ist er der stilistische Heilsbringer der zeitgenössischen Science Fiction, für die anderen einfach nur ein Mühsal, um das man am besten einen großen Bogen macht. Verstehen kann man letztlich beide Seiten – eine Tendenz ist allerdings in Richtung Mühsal zu erkennen. McDonald macht es seinem Leser wirklich nicht leicht. Sprachakrobatik schön und gut – zu viel ist am Ende dennoch zu viel. Spätestens wenn die gedrechselte Sprache der Geschichte im Weg steht und Wörter und Sätze zum Hindernis werden, kann sich eine Story einfach nur mit angezogener Handbremse entfalten. Von einem Sog, von Spannung oder einem Fluss ist viel zu selten etwas zu sehen – kein Wunder, wenn der Leser da schon früh entnervt das Handtuch wirft. Sprachliche Herausforderung in allen Ehren: ein bisschen Spaß soll es dann ja schon noch machen.

 

Auch ist es schade, dass McDonalds Setting zwar gut und ausgefallen ist, die Dichte und Substanz des Geschehens bzw. der Charaktere – wie bereits bei seinem Kollegen John Meaney – nicht ausreichen, um den Leser über 400 Seiten zu fesseln. Die Ideen sind da, die Kreativität und die Einfälle auch – wirklich zwingend ist am Ende jedoch nichts. Also auch nichts, das Necroville zum auch nur halbwegs interessanten Pageturner machen würde.

 

Eine gerade zu Anfang störende Sprachbarriere und im Vordergrund generell wenig Griffigkeit – das Problem der Toten von Necroville ist schnell gefunden.

 

Was als Novelle reizvoll gewesen wäre, kommt für die lange Strecke gar nicht erst aus den Startlöchern.

 

 

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Necroville

Autor: Ian McDonald

Taschenbuch, 496 Seiten

Heyne, September 2008

Übersetzer: Horst Pukallus

 

ISBN-10: 3453524373

ISBN-13: 978-3453524378

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 06.10.2008, zuletzt aktualisiert: 30.12.2019 10:51