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Neverwinter Nights 2 - Storm Of Zehir (PC)

Rezension von Björn Backes

 

Die Suche nach dem wohl wertigsten D&D-Release für den PC- und Konsolenspielmarkt hat bislang nur selten wirklich anständige Ergebnisse hervorgebracht. Oftmals scheiterte das Ganze schlicht und einfach an der Komplexität des ganzen Dungeons & Dragons-Universums, andererseits jedoch hatte man mit der Konkurrenz im Online-Gaming einige klangvolle Namen vor die Nase gesetzt bekommen, die sich im heutigen Zeitalter kaum mehr vom Thron schubsen lassen.

In diesem Sinne ist „Neverwinter Nights“ damals sicher ein kleiner Überraschungserfolg gewesen, der zwar nicht ganz mit Genre-Führern wie „Spellforce“ und „World Of Warcraft“ mithalten konnte, für einen vergleichsweise schlicht arrangierten Titel aber dennoch eine Menge Tiefgang offenbarte. Mit „Storm Of Zehir“ folgte kürzlich das Sequel und womöglich auch ein kleiner Schritt in Richtung Unabhängigkeit im D&D-Kosmos. Naja, ein kleiner…

 

Inhalt:

Der Beginn des aktuellen Add-Ons ist jedoch erst einmal recht gewöhnlich. An Bord eines recht merkwürdigen Schiffes kentert man in der Nähe einer unbekannten Insel und sieht sich dort einer ebenso eigenartigen Koboldrasse ausgesetzt. Bevor man sich also erst einmal von den Strapazen der missglückten Reise erholen kann, geht es direkt ins Gefecht – und ohne Umschweife in die teils sehr mystisch aufgebaute Story.

Grundsätzlich geht es in den ersten Schritten darum, die Insel zu erkunden und sich vor allem aus den Klauen der unliebsamen Gastgeber zu befreien. Sobald die Batiri nämlich besiegt sind, landet man dennoch in Gefangenschaft und muss sich hieraus mit Raffinesse im Dialog, kleinen taktischen Finten und einigen weniger prickelnden Aufträgen befreien. Man gerät recht schnell unter die Fittiche einer Händlerin, willigt in ein Zweckbündnis ein und begibt sich schließlich in die Freiheit der Insel, auf der immer wieder Gefahren und seltsame Charaktere warten – also eben genau das, was man von einem soliden RPG-Beitrag erwartet!

 

Die Geschichte wird unterdessen recht schön ausgeschmückt. Auf der Suche nach den Missetätern und den vermeintlichen Drahtziehern des Sabotageakts lernt man ständig neue Wesen kennen, erweitert sein Kollegium und nutzt in den jeweiligen Situationen natürlich die individuellen Fähigkeiten seiner Mitstreiter. Die eigene Mannschaft kann in jedem Gasthaus wieder ausgetauscht werden, so dass man situationsabhängig agieren, aber auch reagieren kann. Doch worum es in „Storm Of Zehir“ in erster Linie geht, ist die flächendeckende Erkundung des gesamten Settings. Selbst in den entlegenen Gebieten der Insel lauern Schätze und Figuren mit wichtigen Informationen, und obschon die Story im weitesten Sinne linear aufgebaut ist, werden detailverliebte Rollenspieler hier eine ganze Menge mehr entdecken können, als potenziell zur Lösung der Rätsel notwendig ist – und gerade dies übt auf Dauer einen echten Reiz aus.

Mit 15-20 Stunden ist die Spielzeit natürlich nicht die üppigste, für ein Add-On aber durchaus respektabel. Doch alleine schon die wachsenden Fähigkeiten beim Aufleveln und die neuen Spielklassen sorgen dafür, dass die Zeit gut und ansprechend gefüllt wird und innerhalb der einzelnen Missionen nie Langeweile aufkommt. Insofern: Kurz, aber schmerzlos, zielstrebig und vor allem überzeugend – inhaltlich gibt es bei „Storm Of Zehir“ nicht sonderlich viel anzulasten.

 

Technik/Grafik:

Der technische Aufbau indes ist definitiv noch verbesserungswürdig, insbesondere die Kameraführung. In vielen Perspektiven werden die wesentlichen Inhalte einer Szene einfach überdeckt, so dass der Spielfluss durch die ungünstige Sichtwahl immer wieder beeinflusst wird. Nervig ist weiterhin, dass man das Spiel mit reichlich schmückendem Zierwerk ausgemalt hat, aber wenige sichtbare Elemente auch wirklich funktional sind. Ob es nun Fässer, Kisten oder was auch immer sind: Viele Chancen, dem Spiel zusätzliches Leben einzuhauchen, wurden hier versemmelt.

Dem entgegen ist die Grafik ein echtes Highlight, zumindest im Hinblick auf die Bewegungen. Es ist Leben im Spiel, gerade bei den Kampfdarstellungen und den regelmäßigen Erkundungsgängen auf der Insel. Lediglich die Hintergrundoptik könnte noch ein bisschen detailschärfer sein, hinterlässt aber dennoch einen weitestgehend guten Eindruck.

 

Spielspaß:

Auch wenn man bedenkt, dass „Storm Of Zehir“ dem eigentlichen System von „Neverwinter Nights“ wenig Neues schenkt und auch im allgemeinen RPG-Sektor keine bahnbrechenden Zusatzelemente offenbart, wird man sich doch relativ schnell in die kleine Welt dieses Add-Ons verlieben. Die vielen versteckten Details und die permanenten Einladungen, mehr zu entdecken, als die Linearität vorgibt, sind triftige Argumente, unsere Helden bei der Arbeit zu begleiten und an ihrer Seite nach Gründen und des Rätsels Lösung zu forschen. Dennoch gilt zu bedenken, dass die Erweiterung gerade quantitativ ihre Grenzen hat. Und aufgrund der wesentlich verbesserten KI der Wegbegleiter ist der Anspruch auch merklich gesunken, vor allem in den Kämpfen, in denen man kaum mehr Sorge haben muss, dass die Kumpane sich willenlos ihren Feinden ergeben. Im Großen und Ganzen sind dies aber keine wesentlichen Gegenargumente, die den Spielspaß dauerhaft versauen könnten. Der ist nämlich auch in der Kürze der Zeit durchweg präsent!

 

 

Fazit:

“Storm Of Zehir“ ist eine größtenteils sehr gelungene Erweiterung zum teils leider etwas unterbewerteten Rollenspielsystem von „Neverwinter Nights 2“ und damit einer der wenigen reinen D&D-Titel im PC-Bereich, in dem Gameplay und Atmosphäre auf einem ordentlichen Level miteinander fusionieren.

 

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Neverwinter Nights 2 - Storm Of Zehir

System: PC

Entwickler: Obsidian

Publisher: Atari

USK-Einstufung: Freigegeben ab 12 Jahre gem. 14. JuSchG

ASIN: B001E5H8IW

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.04.2009, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50