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New Dominion Tank Police, Vol. 1

Filmkritik von Oliver Kotowski

 

Im Jahre 2010 sagt die Polizei der Stadt Newport dem Verbrechen den Kampf mit einer Einheit von schwer bewaffneten Panzern an. Die flotte Actionkomödie von 1993 basiert auf den Mangas von Masamune Shirow.

 

Was verspricht der Klappentext?

"Newport City, 2010 – ein überbevölkertes, ausuferndes Stadtgebiet, das in der Umweltverschmutzung der unkontrollierten Fabriken erstickt. In dem verzweifelten Versuch, die Stadt vor einer Flut von Gewalttaten und innerstädtischem Terrorismus zu retten, gründet die Regierung eine Sondereinsatztruppe, die Tank Police, die mit Feuerkraft gegen hoch technisierte Verbrechersyndikate vorgeht. Truppenführerin Leona Ozaki kämpft mit ihrem radikal modifizierten Panzer Bonaparte an der Seite ihrer Kollegen, um Verbrecher zur Strecke zu bringen.

 

Janpans Manga-Legende Masamune Shirow (Appleseed, Ghost in the Shell) hat persönlich die Produktion dieser aufregenden Serie überwacht, um sicherzustellen, dass der Anime auch originalgetreu nach den Mangas von 1992 produziert würde. Shirow zeigt uns eine dunkle Vision der Zukunft mit schnellen und unberechenbaren Mechas, kybernetisch verbesserten Menschen und Androiden."

 

Diesen Anspruch erhebt also der Klappentext.

Die ersten drei Episoden können ihn kaum einlösen. Die erste Episode Die Tank Police startet zeigt nicht, wie eine neue Elite-Einheit geschaffen wird (die Reihe ist eine lockere Fortsetzung von Dominion: Tank Police), sondern stellt die rowdyhaften Polizisten der Einheit vor, die gerade nach einer rücksichtslosen Verfolgungsjagd mit ihren Panzerfahrzeugen eine weitere Abmahnung erhalten und kurz vor der Auflösung stehen. Ihnen wird sogar ein mysteriöser Offizier aus der Hauptstadt zur Beobachtung zugeteilt. Es gilt für einige Zeit die Füße stillzuhalten, doch als gut ausgerüstete Verbrecher den normalen Polizeikräften das Leben schwer machen, lässt der Truppenführer Brenten (und nicht Leona) gegen den Willen des Polizeichefs ausrücken. In der zweiten Episode Charles Brenten, der Meisterdetektiv wird es ein wenig düsterer: Die Cat Sisters beobachten die Ermordung einer Frau – einer ehemaligen Kollegin von Leona. Als Leona davon erfährt, macht sie sich auf eigene Faust daran Sharons Mörder zu schnappen: Sie quittiert den Dienst, lässt sich aber noch von ihrem Partner Al auf die Spur der Schwestern setzen. In dieser Episode gibt es den einzigen Hinweis auf Umweltverschmutzung: Brenten wird von einer Frau von den Ermittlungen abgehalten, die ihn der Umweltverschmutzung bezichtigt, weil er eine Zigarettenkippe fallen gelassen hatte. Die dritte Episode Begrenzt den Tunnel befasst sich schließlich mit einem gewaltigen LKW, der mit Sprengstoff beladen auf die Innenstadt zu donnert – es scheint auf einen terroristischen Anschlag hinauszulaufen. Nach einem kurzen Zusammenstoß mit dem computergesteuerten Transporter sind Leona und Al außer Gefecht gesetzt und die Tank Police errichtet eine Barrikade am Tunnel – gelingt es nicht den LKW dort aufzuhalten, müsste die Bürgermeisterin die etwa 800.000 Bewohner der Stadt evakuieren lassen.

 

Statt düsteren Cyberpunk bekommt man eine flotte Actionkomödie im Stile der Lethal Weapon Filmreihe. Actionszenen wie Schießereien oder Verfolgungsjagden dominieren die weitgehend in sich geschlossenen Geschichten. Die ruhigeren Szenen sind häufig humorvoll; sie schwanken zwischen puren Slapstick, Albernheiten und trockenen Sprüchen. Die Figuren sind flach und sich sehr ähnlich: Die Polizisten sind entweder cholerische, impulsive Aggressionsbündel, wie der Chef, Brenten und Leona, oder stille zurückhaltende Technikfreaks, wie Al oder Jim E. Lovelock, der in der dritten Episode eine etwas größere Rolle übernimmt. Zivilisten gibt es mit Ausnahme der Bürgermeisterin nur in Statistenrollen. Die Bürgermeisterin (und die anderen Zivilisten) sind entweder hilflos und müssen von der Polizei gerettet werden oder machen den Beamten die Verbrecherjagd schwer, wenn beispielsweise die Bürgermeisterin politischen Druck auf den Chef ausübt, da die randalierenden Polizisten bei der Bevölkerung schlecht ankommen und Wahlen vor der Tür stehen. Von den Gegenspielern erfährt man sehr wenig, aber es kristallisiert sich langsam ein übergreifender Plot um eine politische Verschwörung heraus – und der Oberbösewicht fährt Mercedes.

 

Mit phantastischen Elementen wird sehr geizig umgegangen – die "schnellen und unberechenbaren Mechas" sucht man vergeblich. Tatsächlich werden nur ein oder zwei Elemente pro Folge eingeführt. Diese entstammen eher dem Cyberpunk als den Mecha-Geschichten. So wirken die gepanzerten Fahrzeuge leicht futuristisch, Laser sind Hi-Tech Waffen, es tritt ein Cyborg auf und der riesige computergesteuerte Truck fügt sich dem gut ein. Lediglich der in der ersten Episode taucht ein Hi-Tech Kampfpanzer auf, der mich irgendwie an eine Zecke erinnert. Dieser könnte mit Mechas in Verbindung gebracht werden. Eigenartig sind die Cat Sisters – sie sind Menschen mit einigen katzenhaften Zügen wie spitzen Ohren und Fangzähnen. Vielleicht ein Hinweis auf Genmanipulation?

 

Vom Setting, der Stadt Newport, selbst sieht man nicht allzu viel; es gibt ein paar große Türme, viele Straßen und viel Grünbewuchs. Es wird eher der Eindruck einer netten und sauberen modernen Kleinstadt, als der eines wild wuchernden Molochs mit schmutzigen, klaustrophobisch engen Strassen erzeugt. Die Farbgebung – viele helle Töne, wie der meist strahlend blaue Himmel – trägt das ihre dazu bei. Die vielen Standbilder unterstützen diesen Eindruck zusätzlich. Es wirkt zuweilen etwas merkwürdig, wenn nur die relevanten Figuren sich durch einige stillstehende Statisten bewegen. Die Figuren sind im klassischen Manga-Stil (Big Eyes/Small Mouth) gehalten. Bei der Darstellung der Psychologie der Figuren wird auf expressionistische Mittel zurückgegriffen: Wenn Leona zornig ist, bekommt sie Reißzähne, wenn sie ihren Kopf durchsetzt, wird ihr Gang sehr Raum einnehmend etc.

 

Der Ton der DVD ist nur in der Originalsprache Japanisch; eine deutsche Übersetzung gibt es nur im Untertitel. Als Extras gibt es nur die textliche Vorstellung der wichtigen Figuren, Trailer weiterer bei Panini Video erschienen Animes und der deutsche Abspann – nicht eben beeindruckend. Außerdem erhält man ein etwa DIN-A4 großes Poster mit einigen Bildern aus dem Anime und einer knappen Biografie von Masamune Shirow.

 

Fazit:

Eine dunkle Vision der Zukunft erhält man keineswegs, doch wer sich mit den altbackenen Stil und dem Gedanken an eine schlichte, aber dafür flotte Actionkomödie anfreunden kann, mag durchaus einen Blick auf die rasanten Abenteuer von Leonie, Al und dem Panzer Bonaparte wagen.

 

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New Dominion Tank Police, Vol. 1

Genre: Sci-Fi; Action

Zielgruppe: Teenager und Erwachsene

Bild: 4:3

Synchro: japanisch (5.1/ 2.0)

Untertitel: deutsch

Spieldauer: 60 Min.

Extra: Tank Police Files, Booklet.

1/2006 DVD

ISBN: 3-86607-231-7

EVT: 21.09.2006

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 17.10.2006, zuletzt aktualisiert: 19.11.2018 18:04