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Nick Knatterton von Manfred Schmidt

Alle aufregenden Abenteuer des berühmten Meisterdetektivs

Rezension von Christian Endres

 

 

Kombiniere: Ich bin komplett!

 

Ab 1950 erschienen die Abenteuer des Detektivs Nick Knatterton in der Illustrierten Quick. Mit dem allgemeinen Aufschwung des deutschen Wirtschaftswunders im Rücken, wollte Autor und Zeichner Manfred Schmidt (1913-1999) zunächst lediglich eine Parodie auf die bunten Bilderheftchen um Superman und Co. schaffen, deren dilettantische Erzählweise ihn zu tiefst anwiderte und missfiel. Doch der Plan ging, wie Schmidt im pointiert geschriebenen Vorwort selbst erzählt, deutlich nach hinten los: Die Deutschen wollten fortan nicht nur den satirischen und skurrilen Knatterton - auf einmal wollten sie überhaupt mehr Comics!

 

So erschienen bis 1959 dann auch unzählige Strips in insgesamt 18 längeren Storys, die sich jeweils in zehn bis vierzig wöchentliche Stripfolgen á zwei Zeilen aufteilen, die in der vorliegenden (und im Gegensatz zu früheren Editionen wieder klassisch querformatigen) Gesamtausgabe jeweils ordentlich mit einem Strip pro Seite abgedruckt wurden. In diesen Geschichten nun bekommt der kultige Klischee-Schnüffler mit der Pfeife, der Hakennase und der Karomütze es mit allerhand Gesindel und Gelichter zu tun, aber auch mit schönen, vollbusigen Frauen und noch vielen anderen skurrilen Figuren und Begebenheiten. Dabei nimmt Schmidt sich jedoch auch die Muße, das politische oder kulturelle Zeitgeschehen der turbulenten 1950er in Deutschland zu portraitieren und gelegentlich zu parodieren - die eigentliche Stärke des Knatterton.

 

Die ihm allerdings auch leicht zum Verhängnis werden kann. Denn wenn man überhaupt kein Wissen über bzw. Interesse an jener Zeit um Adenauer und das Wirtschaftswunder mitbringt, zünden manche Gags des comichaften Zeitzeugnisses einfach nicht. Auch wirkt vieles, was damals in den 1950ern vielleicht tatsächlich charmant, aufregend oder witzig war, heute einfach nur noch überholt und höchstens noch auf naive Art und Weise charmant - wenn überhaupt. Gleiches gilt natürlich für die Zeichnungen: Hier geht es dem soliden Handwerker Schmidt ein wenig wie Chester Gould, dem geistigen Vater von Dick Tracy: Das sieht alles nett aus, das ist alles zeichnerisch ganz hübsch gemacht und wirklich grundsolide. Trotzdem wirkt die Optik ebenso wie der Inhalt an vielen Stellen längst nicht mehr zeitgemäß oder lebendig.

 

Dennoch: Schönes Vorwort, üppige Aufmachung, inhaltliche Vollständigkeit - die Gesamtausgabe von Manfred Schmidts Nachkriegs-Comic-Klassiker hat bis auf die chronologische Abfolge der einzelnen Episoden eigentlich alles, was eine gute Werkausgabe braucht. Wer also schon immer ein Fan des ebenso kantigen wie scharfsinnigen Ermittlers und seiner skurrilen Fälle war, kann hier bedenkenlos zugreifen und bekommt im Gegenzug viel Knatterton für einen angemessenen Preis. Wer allerdings ganz ohne nostalgische Erinnerungen an die in der Quintessenz und aus heutiger Sicht dann leider nur noch leidlich »aufregenden Abenteuer des berühmten Meisterdetektivs« heran geht und auf spritzig-witzige, womöglich sogar zeitlose Geschichten hofft, sollte vorher vielleicht lieber zweimal hinschauen.

 

Doch ganz egal, was man über die Aktualität oder inhaltliche wie zeichnerische Finesse von Nick Knatterton letztlich auch sagen mag: Ein Stück deutsche (Comic-)Geschichte steckt allemal in den Strips.

 

Und damit auch in dieser wuchtigen Gesamtausgabe.

 

Eure Meinung:

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Comic:

Nick Knatterton

Gesamtausgabe

Autor/Zeichner: Manfred Schmidt

Lappan, Juli 2007

Hardcover Album,

Querformat, 432 Seiten

ISBN-Code: 3830331525

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 24.10.2007, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53