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Nicodemus – Der Zauberverschreiber von Blake Charlton

Rezension von Christel Scheja

 

Neben den ganzen romantischen Fantasy-Geschichten kommen kaum noch die zum Zuge, in denen es nicht in erster Linie um die amourösen Abenteuer der Helden geht, sondern um düstere Geheimnisse, große Gefahren und komplexe Magie.

Nur noch wenige Verlage halten nach den Werken Ausschau, die sich mit ungewöhnlichen Welten oder Magiesystemen beschäftigen und dabei versuchen selbst einem klassischen Plot noch eine ganz besondere Note abzugewinnen. Einer davon ist Klett Cotta.

 

Zielgerichtet hat man sich das Debüt eines jungen amerikanischen Autors heraus gepickt, der es gewagt hat, gegen den Strom zu schwimmen, denn in „Nicodemus – Der Zauberverschreiber“ geht es um düstere Prophezeiungen und ganz besondere Magie. Diese wird nicht durch besondere Zutaten gewirkt, sondern durch die Macht der Worte. In Starhaven sind eine Unzahl von magischen Sprachen bekannt – eine machtvoller als die andere. Wer sie beherrscht, kann Schutzwälle und Tarnzauber aufsprechen, Steingeschöpfe beleben, lenken und noch viel mehr.

Es gibt aber auch noch die sogenannten Kakographen. Das sind Männer und Frauen, die zwar die Gabe besitzen, die magischen Schriften zu erkennen, aber massive Rechtschreib-Lernschwächen haben – eine ganz besondere Art von Legastenikern sind.

Der Magier und Linguist Shannon betreut diese Gruppe und besonders einen von ihnen. Nicodemus ist zwar ein Kakograph, aber er zeigt Entwicklungen, die andeuten, dass er vielleicht gar nicht so unfähig ist, wie es scheint, denn er macht hin und wieder auch keine Fehler. Außerdem trägt er runenförmige Narben im Nacken.

Shannon, der viele alte Überlieferungen kennt, beobachtet Nicodemus bewusst und fördert ihn so gut er kann, denn er gehört zu den wenigen, die die Anzeichen richtig deuten, dass wieder ein Krieg der Sprachen drohen könnte.

Die Dämonen sind schon eine ganze Weile unruhig und drohen die Barrieren zu durchbrechen, die man einst errichtet hat, um sie zurück zu halten – und vielleicht ist es ihnen sogar schon gelungen. Denn eines Tages geschieht ein Mord – und alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Täter bewusst Magie „verschrieben“ hat, um die Magierin zu töten. Noch bevor sie eigene Maßnahmen ergreifen können, um die Wahrheit heraus zu finden, geraten Shannon und Nicodemus unter Verdacht. Und was sie nicht ahnen ist, dass sie längst von einer schattenhaften Gestalt beobachtet werden.

 

Blake Charlton präsentiert ein beachtenswertes Debüt. Er entwirft eine bizarre Welt, aber dennoch mittelalterlich vertraute Welt mit einem sehr komplexen und nicht leicht zu verstehenden Magiesystem, deutet an, dass der Hintergrund noch mit vielen Überraschungen aufwarten wird und lässt darin relativ glaubwürdige Figuren agieren, zumindest was den mit Selbstzweifeln und Ängsten belasteten Nicodemus und seinen Meister Shannon angeht, der auch so seine Schwächen hat.

Auf der anderen Seite merkt man aber auch, dass sein Können noch gewisse Grenzen hat und er ebenfalls nicht vor typischen Anfängerfehlern gefeit ist.

Die vielen Erklärungen und ausholenden Beschreibungen hemmen den Lesefluss gerade im langen Mittelteil immer wieder und ziehen die Handlung oft genug unnötig in die Länge und schwächen damit die Spannung.

Bis auf die Hauptfiguren bleiben die meisten Figuren eher blass und unausgearbeitet, auch wenn sie Potential hätten, so wie die anderen Kakographen, oder Druiden, die ebenfalls Interesse an Nicodemus haben.

Am Ende verliert er zudem kurzfristig die Fäden ein wenig aus der Hand, als klar werden soll, welche Rolle der junge Mann bald zu spielen haben wird. Dann wirken zu viele Zufälle und Gelegenheit, stellenweise enthüllt er auch viel zu schnell und unmotiviert die Geheimnisse, die vorher so sorgsam gehütet werden.

In diesem Moment merkt man auch, dass das ganze nur der Auftakt zu einem Zyklus ist, denn am Ende bleiben noch einige Fragen offen und es gibt genug Andeutungen, dass die Abenteuer gerade erst angefangen haben.

 

Alles in allem ist „Nicodemus – der Zauberverschreiber“ aber dennoch ein Buch, das Lust auf mehr macht, vor allem wenn man magische Geschichten schätzt, in denen die Zauberkunst nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern Lebensphilosophie und – aufgabe. Der Auftakt der Saga ist vielversprechend, es bleibt zu hoffen, dass der Autor im nächsten Buch die Anfängerfehler und –schwächen hinter sich lässt.

 

Eure Meinung:


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Nicodemus – Der Zauberverschreiber

Autor: Blake Charlton

gebunden, 414 Seiten

Klett Cotta, erschienen Februar 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Petra Knese

Titelbild von Kerem Beyit

ISBN-10: 360893877X

ISBN-13: 978-3608938777

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.04.2011, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45