Sind aller guten Dinge drei? Gleich zu Beginn von Waisenkinder gilt es einen mysteriösen Mord in Blüdhaven aufzuklären. Weil dem Opfer das Herz entfernt wurde, fällt der Verdacht natürlich auf den Serienkiller Heartless. Doch die Sache ist vertrackt – gut, dass Nightwing Hilfe von seinem ehemaligen Mentor Batman erhält. In weiteren Geschichten geht es um einen besonderen Tag für Dick Grayson, die Geschichte von dessen zeitweiliger Flamme Bea Bennet, eine Geschichte im 14. Jahrhundert und eine temporeiche Jagd.
Hauptautor der Serie bleibt glücklicherweise Tom Taylor (Gefallene Engel). Der Australier liefert nicht nur eine spannende Detektivgeschichte in zwei Kapiteln, in der er Nightwing und Batman Seite an Seite ermitteln lässt. Er spiegelt auch geschickt die Situation von Waisenkindern aus drei Generationen. So beleuchtet er die Befindlichkeit seiner Haupt- und Nebenfiguren, ohne dass das aufdringlich oder platt wirkt. Bestsellerautor Taylor nimmt seine Charaktere ernst und legt genau das richtige Tempo an den Tag. So darf es gerne weitergehen. Gezeichnet sind die ersten Kapitel von Sami Basri (Es kann nur eine Katze geben), der bereits in früheren Geschichten der Reihe bewiesen hat, dass er Nightwing packend in Szene setzen kann. Das gelingt ihm auch hier, wobei er besonders schön die Emotionen seiner Hauptfiguren ausarbeitet. Actionsequenzen verleiht der Künstler zusätzliche Intensität, indem er die klassische Panelform immer wieder variiert.
Die nächste Geschichte Sein Tag kann hier nicht ganz mithalten, hat aber dennoch ihre Berechtigung und kann das Lesepublikum emotional abholen. Die Story stammt vom Duo Tom Taylor und Marv Wolfman. Letzterer hat bekanntlich mit George Pérez die Dick-Grayson-Version von Nightwing (wieder) erfunden. Dementsprechend lässt sich die Pizzeria Marv & George’s Pizza als Hommage verstehen. George Pérez verstarb im Jahr 2022.
Die Geschichte plätschert zwar oft etwas dahin, bietet aber ein verheißungsvolles Ende. Bebildert haben sie Daniele Di Niculo und Bruno Redondo (Die sensationelle Wonder Woman), die einige ihrer Stärken aber nur andeuten können. Sehr schön ist es den Künstlern aber gelungen, Marv Wolfman in die Story zu integrieren. Auch sonst können sich die Panels sehen lassen, erreichen jedoch vor allem bei der Darstellung der Hauptfiguren nicht ganz die Klasse der Zeichnungen von Sami Basri.
Nun könnte es hier eigentlich weitergehen. Tut es aber leider nicht. Denn Autor Travis Moore (Everafter – Es war einmal) erzählt – gefühlt – fast die ganze Lebensgeschichte von Bea Bennet. In dieser Spionagestory kommt Nightwing nur am Rande und auch nur gegen Ende vor. Das Werk bietet zwar stellenweise Spannung, hat aber auch Längen und muss wegen des zu breit gewählten Ansatzes einige Szenen auslassen, die Unterhaltung versprochen hätten. Dafür sind dann aber Liebesschwüre drinnen geblieben, die ziemlich kitschig wirken. Immerhin kann Moore zeigen, dass er mehr als nur passabel zeichnen kann, auch wenn einige Hintergründe langweilig wirken.
Weniger Nightwing geht nicht in einem Nightwing-Band? Doch. Michael W. Conrad (Die Rache der Götter) erzählt nämlich anschließend eine groteske Geschichte aus dem 14. Jahrhundert. Dabei deutet er eine Verbindung zu Nightwing fast ausschließlich auf der Namensebene an. Aus Grays Sohn, der gegen einen finsteren Geistlichen bekämpft, wird dabei Grayson. Der durchgeknallte Kleriker hat zwar am Ende noch eine Überraschung parat, das rettet die Story aber nicht. Zu allem Überfluss ist auch die visuelle Umsetzung von Francesco Francavillegewöhnungsbedürftig. Der Italiener reduziert gezielt die Farbvielfalt und wählt einen eher breiten Strich.
Auch den Abschluss darf Michael W. Conrad schreiben. Allerdings geht es hier nur um eine kurze Hatz, die ohne Worte auskommt, aber leider auch ziemlich oberflächlich bleibt. Immerhin ist die visuelle Umsetzung von Howard Potter (Batman: Knight Terrors) gelungen. Die verleiht der Kurzgeschichte immerhin Dynamik.