Als Held und Gönner von Blüdhaven ist Dick Grayson steil aufgestiegen. Doch damit ist es in Der tiefe Fall bald vorbei. Schuld daran ist der Serienkiller Heartless, der den Helden nicht nur direkt attackiert, sondern ihn zudem verleumdet. Dabei hat er vielfältige Unterstützung – auch wegen eines besonders perfiden Druckmittels. Dick Grayson sieht sich zum zeitweiligen Rückzug gezwungen und versucht verzweifelt, eine tief sitzende Angst zu überwinden. Währenddessen übernimmt ein anderer Nightwing den Schutz von Blüdhaven.
Die gute Nachricht zuerst: Top-Autor Tom Taylor (Ewiger Winter) ist – anders als im Band zuvor – für die komplette Storyline verantwortlich. Dadurch wirkt alles aus einem Guss und es gibt keine Nebengeschichten, die sich eher wie Lückenfüller anfühlen. Endlich geht es gegen den interessantesten Antagonisten, Heartless, der zuletzt zu sehr in den Hintergrund geriet. Dann gelingt es Taylor auch noch, die Geschichte überzeugend mit Dick Graysons Vergangenheit und seinen Wurzeln zu verknüpfen. Dabei erzählt er eine packende Geschichte, die nicht nur durch Action, sondern auch durch Witz und eine wohldosierte Portion Emotionalität überzeugt, ohne dabei in Kitsch abzugleiten. Auch die Integration in das DC-Universum ist stimmig. Da sind kleinere Makel – etwa bezüglich der Plausibilität der Nightwing-Vertretung oder des vielleicht etwas zu schnellen Endes – verzeihlich. Ende? Ja, denn das ist die schlechte Nachricht: Mit dem vierten Band der Reihe reicht Tom Taylor den Stab der mehrfach mit dem Eisner-Award ausgezeichneten Nightwing-Reihe weiter. Immerhin tritt der Australier mit einem runden Finale ab, das seinen leider etwas kurzen Run krönt. Es wird spannend zu sehen sein, wie und ob sein Nachfolger Dan Watters die großen Fußstapfen ausfüllen kann. Fans von Tom Taylor dürften sich aber dennoch freuen. Denn der wird künftig das DC-Flaggschiff Batman übernehmen.
Auch bei der visuellen Umsetzung setzt DC dieses Mal auf Kontinuität und lässt Bruno Redondo den gesamten Band zeichnen. Das gelingt dem Spanier die meiste Zeit gut, auch weil er seine Bildsequenzen immer wieder in mitreißende Abschlusspanels im Großformat münden lässt. Auffällig ist dabei sein filmischer Stil, bei dem er etwa mit der klassischen Schuss-Gegenschuss-Technik für Dynamik sorgt oder in das Bild hinein- und herauszoomt. Auch das Figurendesign ist gelungen. Störend ist allerdings Redondos Angewohnheit, ganze Bilder oder bestimmte Partien zu rastern. Nach Betrachtung der ersten Panels könnte das noch als Stilmittel durchgehen, um die verschiedenen Zeitebenen voneinander abzugrenzen. Später sollen diese Rasterflächen aber offensichtlich auch für Stoffqualitäten stehen oder finden relativ unmotiviert Verwendung. Das wirkt jedoch eher künstlich und erschwert bei der Lektüre die Immersion.