„Neuer Autor! Neuer Zeichner! Neue Story!“ verkündet das Cover von „Nightwing – Bd. 5: Die Show geht weiter“. Das klingt nach einem heiß erwarteten Wechsel. Tatsächlich aber konnte die Nightwing-Serie unter Autor Tom Taylor und Zeichner Bruno Redondo gleich mehrfach den begehrten Eisner-Award gewinnen. Dementsprechend treten die Nachfolger Dan Watters und Dexter Soy in große Fußstapfen.
Nightwing alias Dick Grayson hätte nach seinen letzten Abenteuern eine Atempause verdient und tatsächlich scheinen sich die Gangs von Blüdhaven auf eine relativ friedliche Koexistenz verständigen zu können. Doch dann geht die Bombe hoch und der Superheld findet sich mitten in einer brutalen Auseinandersetzung, die hochgerüstete Cops eher noch verschlimmern. Was hat es mit dem geheimnisvollen Gegenspieler von Nightwing auf sich, der anscheinend aus seiner Vergangenheit als Zirkusjunge stammt?
Dan Watters (BATMAN – DETECTICE COMICS) kreiert eine mitreißende Story, indem er die bekannte Vorlage um eigene Ideen ergänzt. So spielen einerseits Dick Graysons Vergangenheit und die bereits 2021 eingeführte Figur Melinda Zuco – inzwischen Melinda Grayson-Lin – wichtige Rollen. Andererseits erdenkt der Autor interessante Verbrecherbanden und eine geheimnisvolle Organisation mit mystischem Überbau, über die er seiner Leserschaft sukzessive Details vermittelt. Am Ende deutet er für seinen Protagonisten – den er immer wieder gekonnt von seinem Mentor abgrenzt – dann auch noch eine besondere Herausforderung an, die den nächsten Band wohl sogar noch interessanter machen wird. Woran es noch hapert? Die Story ist etwas zu geradlinig erzählt, setzt eine etwas naiv agierende Person voraus und hätte insgesamt – ohne hier bereits zu viel zu verraten – mehr überraschende Wendungen vertragen können.
Dexter Soy (RED HOOD UND DIE OUTLAWS) liefert als Zeichner sehr stimmungsvolle Panels und setzt vor allem seine Hauptfigur immer wieder schön in Szene. Besonders Bewegungen gestaltet er überzeugend und deutet diese etwa dynamisch durch gezielte Unschärfen geschickt an. Sein Stil passt somit gut zum athletischen Nightwing. Gleichzeitig gelingt es Soy, Nightwings übernatürlichen (?) Gegenspieler eine Aura des Geheimnisvollen und Bedrohlichen zu verleihen. Allerdings liegt der Fokus des philippinischen Künstlers etwas zu sehr auf seinen (Haupt-)Figuren. So vernachlässigt er Architektur und Hintergründe in der Gestaltung teilweise zu stark. Teilweise schenkt er auch Nebenfiguren sichtlich weniger Aufmerksamkeit und wagt nicht so viele visuelle Experimente, wie zuvor in der Serie zu sehen waren.