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Nimmerzwerg von Christian von Aster

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung, Band 3

Rezension von Christel Scheja

 

Viele Fantasy-Autoren sehen in den Zwergen lustige und trinkfeste, aber auch leicht in Zorn zu versetzende kampfstarke Gesellen, die hinter ihrer rauen Schale einen weichen Kern verbergen und eigentlich nur das Beste wollen. Nur mögen sie es nicht, wenn man sie aufgrund ihrer geringen Größe nicht für voll nehmen will.

Diesem seit Jahrzehnten gehegten und gepflegten Bild hat der Autor Christian von Aster, den Kampf angesagt, denn in seiner Trilogie „Die große Erzferkelprophezeiung“ führt er viele lieb gewonnene Klischees und Handlungsmuster die Zwerge betreffen ad absurdum oder persifliert sie auf höchst humorvolle Weise. Der Zyklus findet nun in „Nimmerzwerg“ seinen passenden Abschluss.

 

Seit den Geschehnissen in „Zwerg und Überzwerg“ kursiert die große Erzferkelprophezeiung in den Köpfen der Zwerge – zumindest derer, die davon betroffen sind, denn die meisten anderen haben diese verwirrenden Gedanken schon wieder mit Bier ertränkt und widmen sich ihrem Tagwerk. Viele sehen nicht über die Spitze ihres Bartes hinaus und nehmen das, was man ihnen sagt, einfach hin.

So ist auch unbemerkt geblieben, dass die Handlanger und Schergen des Zwergischen Zwielichts den großen Verwalter abgesetzt und die Macht ergriffen haben. Ihr Anführer Krugh Trümmerbold hat eigene und sehr größenwahnsinnige Pläne mit seinen Volksgenossen. Nach und nach schafft er die altehrwürdigen Traditionen ab, die die Zwergenheit so lange zusammen gehalten hat.

Ehe sich die meisten Bartträger versehen, liegen sie in Ketten und müssen für das große Ziel schuften, dass sich ihrem Verständnis entzieht. Sie hinterfragen nicht, warum sie Rohre und Gestänge fertigen müssen, mit denen das Magma aus dem Erdinneren nach oben gepumpt werden soll. Ebenso wenig verstehen sie, warum sie eine seltsame Maschine bauen sollen. Sie folgen nur Trümmerbold, der sich als von den Gottzwergen Auserwählter erwiesen hat, da er mehrere Mordanschläge überlebt und sich die Wunden vor ihren Augen schließen.

Derweil kämpft der „Schicksalszwerg“, die Gemeinschaft der fünf Zwerge, die durch die Erzferkelprophezeiung aneinander geschmiedet wurden, auch wenn sie es gar nicht wollten, ums Überleben. Als Sklaven der Trolle sollen sie den Rest ihres Lebens fern der Heimat fristen, wenn es nach dem Willen der schurkischen Magmapiraten geht – aber dann kommt alles anders...

 

Im dritten und abschließenden Teil führt Christian von Aster die einzelnen Handlungsstränge wieder zusammen, ohne jedoch darauf zu verzichten die typischen Zwergenklischees detailreich und mit einem frechen Augenzwinkern auf den Kopf zu stellen und dabei nicht mit frecher Gesellschaftskritik zu sparen, denn manches von dem er anspricht kann man durchaus auch in der heutigen menschlichen Gesellschaft wieder zu finden.

Wie immer zeigt sich, dass es nur einen Demagogen braucht, dem die Masse vorbehaltlos folgen kann, um einem Volk die Identität zu rauben und dessen Vergangenheit mit Füßen zu treten. Allein durch die Einbindung von Technik hat man nun das Gefühl in einer dystopisch-futuristischen und nicht mehr in einer Fantasy-Welt zu stecken.

Auch diesmal ist die Handlung recht komplex, da nun die Kenntnis der ersten beiden Bände voraus gesetzt wird. Nun werden Intrigen aufgelöst, Verbindungen noch fester geknüpft und die letzten Geheimnisse enthüllt. Zudem bietet die Geschichte auch jetzt noch überraschende Wendungen.

Vor allem funktionieren die meisten humorvollen Einlagen und wirken nicht nur wie billige Gags. Jede Beschreibung passt, viele Bezeichnungen sind klug gewählt und lassen auch zwei Deutungen zu, so dass eine sehr intensive und eigenwillige Atmosphäre entsteht, die den Leser in den Bann schlägt. Zudem mag man die kauzigen aber sympathischen Bartträger nicht immer leiden sehen und schlägt sich schon bald auf deren Seite.

 

Mit „Nimmerzwerg“ findet „Die große Erzferkelprophezeiung“ einen gelungenen Abschluss, der noch einmal alle Ingredienzien vermischt, die seit dem ersten Roman den besonderen Zauber der Trilogie ausmachten: schräge Einfälle und die Verkehrung vieler Klischees in ihr Gegenteil und eine spannende Geschichte, die von Seitenhieben auf andere Romane oder Abenteuer der Zwerge strotzt und damit zu einer lesenswerten Parodie auf alle Romane dieser Art macht.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Nimmerzwerg

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung Band 3

Autor: Christian von Aster

Taschenbuch mit Klappbroschur, 424 Seiten

Lyx, April 2009

Titelbild: Jan Reiser

 

ISBN-10: 3802581598

ISBN-13: 978-3802581595

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.06.2009, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45