Allein schon diese ausführliche Inhaltsbeschreibung zeigt, dass »Nirvana – Die Zukunft ist ein Spiel« weit weg ist vom Hollywood-Mainstream. Er vereint in sich mehrere Handlungsstränge: Da ist einerseits der Programmierer, der von seiner Liebe zur verschwundenen Frau geplagt ist. Dann muss er sich mit dem Problem des Games »Nirvana« herumschlagen, dessen Protagonist ein Eigenleben entwickelt hat und der gelöscht werden will. Und zusätzlich steckt darin der Spiel-Protagonist, der versucht seine virtuellen Charaktere davon zu überzeugen, dass ihre Welt lediglich eine Illusion ist. Angereichert wird das alles mit einem Sprecher aus dem Off, der wie in der Kinofassung von Blade Runner oder in alten Film-Noir-Streifen das Geschehen kommentiert, allerdings nicht mit Hard-Boiled-Zitaten, sondern philosophischen Sentenzen aus dem Buddhismus. Ein ganzes Bündel an Zutaten, die es dem Regisseur nicht einfach gemacht haben, einen konsistenten Streifen zu erschaffen.
Und wenn man ehrlich ist, fällt der Handlungsstrang rund um Jimis Geliebte recht knapp aus und auch nicht jede Einstellung aus dem Spiel-Universum wirkt aus heutiger Perspektive tricktechnisch überzeugend. Doch das sind nur kleine Minuspunkte auf der Skala. Der Film hat mein Herz erobert, weil er sich traut, große Themen anzusprechen und in ein Kleid zu stecken, das mit Cyberpunk-Ästhetik und SF-Elementen plus Gaming-Aspekten eine faszinierende Mischung darstellt, die geradezu hypnotische Kraft entwickelt.
Die Darsteller tragen eine große Bedeutung hierbei. Der etwas unterkühlt spielende Christopher Lambert dabei weniger, aber sein Gefährten Joystick (Sergio Rubini) und Naima (Stefania Rocca) spielen den französischen Mimen (bekannt aus Highlander) regelmäßig an die Wand, obgleich Lambert nicht völlig untergeht, das wäre zuviel behauptet.