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Nur Drachen leben länger von John Moore

Rezension von Carina Schöning

 

Rezension:

„Nur Drachen leben länger“ ist der neueste Roman des amerikanischen Autors John Moore, der schon in seinen Funny Fantasy Romanen „Hauen und Stechen“ oder „Blödprinz Charlie“ seinen Sinn für Humor und Klamauk gezeigt hat. Statt klassischen Märchen geht es nun an die typischen Klischees und Stereotypen der ach so holden Heroic Fantasy.

 

Der aufrichtige Ritter Sir Terry tut seine Pflicht und erschlägt unter höchsten Strapazen den gemeinen und bösartigen Drachen, der dass Königreich Medulla schon seit einiger Zeit bedroht hat. Dumm nur, dass sich vor kurzem die Landesgrenzen ein klein wenig verschoben haben und Terry das fette Viech ausgerechnet auf dem Gebiet von Oblongata getötet hat. Wie es nun mal Brauch ist, bekommt der mutige Held die Hand der holden Prinzessin. In diesem Fall handelt es sich dabei aber um die „durchgeknallte Jane“, die nett gesagt etwas exzentrisch ist und auch schon mal mit dem königlichen Schweinebraten spricht. Ursprünglich wollte Terry durch diese Tat den König von Medulla beeindrucken und seine älteste Tochter Prinzessin Gloria heiraten, doch der Plan ist eindeutig daneben gegangen. Flugs wird Terrys Knappe Huggins schnell zum Ritter ernannt und für die noble Tat verantwortlich gemacht. Währenddessen reist Terry wieder zurück zum Hof des Königreiches Medulla und seiner hübschen und intelligenten Prinzessin Gloria, die ihn zwar aufrichtig liebt, aber von ihrer Mutter gewinnbringend verlobt werden soll. Ein gewöhnlicher Ritter ist schließlich unter ihrem Niveau und Geld kann man nie genug haben. Eher unfreiwillig wird sie nun überraschenderweise mit dem reichen Kaufmannssohn Roland verlobt, dessen Familie groß im Geschäft von „Geschnittenes Brot“ ist. Die Lösung für dieses Problem ist ihrer Meinung nach eigentlich recht simple: Terry muss einfach noch eine Heldentat vollbringen… und so denkt sich die vorlaute Prinzessin ihren nächsten gewieften Plan aus und inszeniert einfach ihre eigene Entführung. Terry muss einfach nur zum vereinbarten Treffpunkt kommen und sie unter neutralen Zeugen „retten“. Gesagt, getan. Während der ganze Hof plötzlich in Aufruhr ist und der verwirrte König seine stolzen Ritter auf die Suche schickt, reist Terry in die entgegen gesetzte Richtung zum Land des Mittelalten Mannes. Begleitet wird er dabei von seinem naiven Rivalen Roland, der auch unbedingt seinen Heldenmut beweisen und seine holde Verlobte retten will. Dumm nur, dass die Prinzessin durch eine Verwechslung später tatsächlich entführt wird und Terry sie wirklich retten muss…

 

„Nur Drachen leben länger“ ist eine charmante Mischung aus ernst gemeintem Fantasy-Abenteuer und humorvoller Parodie auf die klassischen Versatzstücke und Klischees des Genres. Der amerikanische Autor lässt hier auch seine Vorliebe für Screwball-Komödien durchblicken und es kommt im Laufe der Handlung zu aberwitzigen Verwechslungen und komischen Missverständnisse. Dabei sind die Figuren zwar skurril und etwas naiv überzeichnet, aber niemals ganz blöd oder lächerlich dargestellt. Die vier Helden (später kommt noch die verarmte Adelstochter Alison hinzu) könnten es so einfach haben, stehen sich aber häufig genug gegenseitig im Weg. Auf ihrem beschwerlichen Weg zum glücklichen Happy-End stehen ihnen einige Gefahren und Hindernisse bevor. Der Roman strotzt dabei vor witzigen Ideen und einigen modernen Anachronismen wie zum Beispiel die Erfindung von Toastbrot oder auch einen gefährlichen Greif in der Mauser. Das Ganze ist in einem flüssigen, eher einfach gehaltenen Stil geschrieben. Den Vergleich mit Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ -Romanen kann „Nur Drachen leben länger“ nicht ganz standhalten, der humorvolle Fantasy-Roman ist jedoch ansprechend geschrieben und bietet kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch. Besonderen Tiefgang oder philosophische Ergüsse sollte man als potenzieller Leser jedoch nicht erwarten.

 

Insgesamt ist „Nur Drachen leben länger“ ein spannendes Fantasy-Abenteuer, das sich selbst nicht ganz so ernst nimmt. Die sympathischen Figuren und ihre unglücklichen Missgeschicke und Verwechslungen bieten vergnüglichen Spaß für einen ruhigen Nachmittag.

 

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Roman:

Nur Drachen leben länger

Autor: John Moore

Deutsche Erstausgabe 2009

Amerikanische Originalausgabe 2007 „A Fate worse than Dragons“

Übersetzung: Birgit Reß-Rusch

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

Umschlagabbildung: Stephan Sacher, Berlin

Piper Verlag

Taschenbuch, 317 Seiten

ISBN 978-3-492-26662-8

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.12.2009, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45