Ox (Autor: Piers Anthony; Die Macht der Mantas Bd.3)
 
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Ox von Piers Anthony

Reihe: Die Macht der Mantas Bd.3

Rezension von Ralf Steinberg

 

1970 erfand John H. Conway ein mathematisches Spiel, mit dessen Hilfe man Leben simulieren kann. Dabei bestimmen drei einfache Regeln das Überleben, das Sterben und das Auftreten von Mustern. Von einer Grundsituation aus können sich diese Muster über viele Spielzüge hinweg verändern oder in regelmäßigen Abständen zum Ursprungskonstrukt zurückkehren, dabei ist nicht vorherzusehen, wohin sich die Muster entwickeln oder ob sie überhaupt lebensfähig sind.

1976, 6 Jahre nach „Orn“, erscheint „Ox“ als letzter Band der Manta-Trilogie und Piers Anthony hat sich inzwischen ausführlich mit dem Leben und seinen Mustern beschäftigt. So ist „Ox“ das komplexeste der drei Bücher geworden.

Es entfernt sich weit von der ursprünglichen Dreiteilung in Pflanzen-, Fleisch- und Allesfresser oder den drei Königreichen, Pflanzen- Tier- und Pilzreich. Zwar hat Piers Anthony das Konzept von Parallelwelten in „Orn“ schon benutzt, hier aber verbindet er es mit einem weiteren mathematischen Phänomen, dem Hexehexaflexagon zu einer Gesamtheit an Realitäten, die er Alterkeit nennt. Zwei neue Lebensformen tauchen auf und erweisen sich als durchdringendes Element dieser Alterkeit. Auf der einen Seite die lebenden Muster, vertreten durch Ox. Auf der anderen die intelligenten Maschinen mit Mech. Dabei kommt es nicht nur zu einer Verbindung der ursprünglichen Figurengruppe Veg, Cal und Aquilon, sondern auch zu einer Allianz der hypothetischen Leben, den Nachkommen. Bab, Ornet und Dec sind es, die die Kontakt zu Mech und Ox herstellen und die Vereinbarung schließen, einen Pakt für alle Lebensformen in allen Realitäten. Piers Anthony verwendet dabei den Vorgängerband, um geschickt alternative Realitäten in die bereits veröffentlichte Handlung einzuarbeiten. Der Weg durch die Struktur, ein festes Muster, ein spezielles Hexehexaflexagon, hinter dessen Vorhandensein ausgerechnet der Muskel kommt, nämlich Veg, erscheint wie ein überkomplexes System von Möglichkeiten und Tendenzen. Je mehr Möglichkeiten sich ergeben, umso unmöglicher wird es, eine Lösung daraus zu finden. Erst die Summe der fünf verschiedenen Intellekte, der Manta mit dem Sinn für Kommunikation, der Vogel als Speicher der Erinnerungen, der Mensch mit seiner Emotionalität, das Muster mit der Durchdringung aller Ebenen und die Maschine mit der rationalen Koordinationsfähigkeit, sie ergeben die Antwort auf das Chaos. Jedes Teil ist intelligent und hochlebensfähig, aber erst im Zusammenschluss bewirken sie das Überleben aller.

„Ox“ ist kein beliebiger SF-Roman mit geradliniger Handlung. Er fordert neben einem gewissen mathematischen Verständnis auch eine intellektuelle Bemühung. Die menschliche Gesellschaft, von der Piers Anthony berichtet, befindet sich nicht in einem moralischen Idealzustand. Dennoch ist „Ox“ keine Distopie. Der Mensch ist für Piers Anthony nun nicht mehr nur der brutale Omnivor, er wurde mehr. Vom ersten Band bis zum Finale scheint sich auch in der Weltanschauung des Autors etwas getan zu haben. Selbst die menschlichen Agenten mit ihren Superkräften beginnen daran zu scheitern, zu wenig Mensch zu sein, wird es für die Agentin Tamme überlebenswichtig, zu sich selbst zurückzufinden. Das dient natürlich auch dazu, die besondere Stellung des Menschen innerhalb der fünf Spezies darzustellen, stellt die Liebe und ihre emotionale Kraft doch eine wesentliche Stärke da.

Der Roman funktioniert als Einzelroman nur bedingt. Die Entwicklung zwischen den verschiedenen Teilen ist ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis der Handlungsweisen der Akteure. Zwar bindet Piers Anthony die Schlüsselszenen aus „Orn“ ein, dennoch liegt gerade in der intensiven Beschreibung der Dinosaurier-Enklave die Tiefe, die es erklärt, warum das Schicksal Paläos die Verbindung der fünf Rassen überhaupt erst möglich macht. Hier wird Bab gezeugt und Ornet durch einen Mensch gerettet. Dass Piers Anthony in „Ox“ die Geschichte dupliziert und nun einen Vogel den Säugling retten lässt, macht die Wichtigkeit nur noch deutlicher.

Selbst der ferne schmale Eröffnungsband „Omnivor“ gewinnt im Rückblick einige Bedeutung mehr. In seiner grundlegenden Darstellung der Erdgesellschaft liefert er das Gerüst für das moralische Verbessern dieser Gesellschaft in „Ox“. Das Agentenprogramm wird durch ihre Kapitalgeber eingestellt, nachdem sie ihr Bedrohungspotential erkannt haben. Damit beweist Piers Anthony einen hohen Grad an Idealismus, der ein starker Kontrast zum Zynismus des ersten Bandes ist.

Der Titel „Die Macht der Mantas“ für die Trilogie ist irreführend. Die Mantas sind nur ein Aspekt, zwar ein faszinierender, aber nicht der wichtigste. Wahrscheinlich würde jeder Titel ein Gefühl von Ungleichheit aufkommen lassen.

Omnivor, Orn und Ox sind drei sehr gute Science Fiction Romane. Sie zwingen zum Denken und das mit Phantasie.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024042323235559dcaf7a
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Buch:

Titel: Ox

Reihe: Die Macht der Mantas Bd.3

Autor: Piers Anthony

Verlag: Bastei/Lübbe (1991),

670 Seiten, Paperback,

ISBN 3-404-23119-8

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 29.04.2005, zuletzt aktualisiert: 05.09.2020 15:12, 165