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Paranormal Activity

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Es war im Spätsommer, des Jahres 1999, als ein kleiner, geradezu mikroskopisch winziger Streifen für weltweite Furore sorgte. Ausgestattet mit einem lächerlichen Budget von gerade Mal 60.000 Dollar, ohne nennenswert bekannte Schauspieler und noch dazu komplett in Schwarz-Weiß gehalten, besaß The Blair Witch Project eigentlich alle Voraussetzungen, um komplett ignoriert zu werden. Eigentlich. Doch die Suche dreier Studenten nach dem Ursprung einer legendären Hexe in den Wäldern von Maryland schlug ein wie eine Bombe und bescherte den Machern sagenhafte Gesamteinnahmen von 248 Millionen Dollar, während gestandene Kinogänger überall auf dem Globus vor Angst das große Zittern bekamen. Kein Wunder, gelang es dem Film doch, mit simplen Mitteln Urängste bei den Zuschauern wachzurütteln wie es nur sehr wenigen Streifen zuvor gelungen war. Wer danach jedoch davon überzeugt war, dass sich die Nachahmer in Schwärmen zusammenfinden würden, wurde erstaunlicherweise eines Besseren belehrt. Stattdessen verfolgte die amerikanische Filmindustrie weiterhin das Ziel, alles noch Größer und Teurer zu machen; allerdings nicht immer mit der sagenhaften Rentabilität des „Blair Witch Projects.“ Erst 2007 beziehungsweise 2008 erinnerten sich Lost-Schöpfer J.J. Abrams mit Cloverfield und der Spanier Jaume Balagueró mit [REC] an die vergangenen Großtaten mittels grobkörniger Aufnahmen und wackeliger Handkamera. Auch sie konnten überzeugen.

Komplettiert wurde dieses Trio schließlich im Herbst 2009, als ein ähnlich gearteter Streifen förmlich durch die Decke schoss und großmundig als der „unheimlichste Schocker der letzten zehn Jahre“ angepriesen wurde: Paranormal Activity. Diesmal stand Regisseur Oren Peli ein sogar noch kleineres Budget zur Verfügung, nämlich 15.000 Dollar. Wobei man aus obigen Beispielen eindrucksvoll demonstriert bekommen hat, das Geld nicht immer alles ist …

Dreh- und Angelpunkt des Films ist ein sympathisches, junges Pärchen, das mit Stolz unlängst ihr erstes kleines Häuschen in einer Ecke von San Diego erworben hat. Allerdings die traute Zweisamkeit von Katie (Katie Featherston) und Micah (Micah Sloat) des nächstens durch sonderbare Vorgänge und unheimliche Geräusche gestört. Einbrecher? Jugendliche Rabauken? Wenn die Lösung doch nur so einfach wäre! Doch ganz so leicht will sich Micah nicht geschlagen geben und organisiert aus diesem Grunde eine Kamera, um die Vorfälle dokumentieren zu können. Und tatsächlich – irgendetwas ist da. Jedoch kein Er, keine Sie, sondern ein körperloses Es, das sich für die Angriffe verantwortlich zeichnet.

Die anfängliche Faszination für die zweifellos übernatürlichen Ereignisse weichen schon kurz darauf in blanken Terror, als die Attacken der Entität immer weiter ausarten. Entgegen der Widersprüche ihres Freundes, beschließt Katie schließlich, einen Fachmann zu konsultieren – mit niederschmetternden Konsequenzen. Ausgerechnet ihr Haus ist es, welches von einem Dämon heimgesucht wurde; einem ziemlich mächtigen obendrein. Doch während Katie die erschütternden Konsequenzen für bare Münze hält, bleibt Micah weiterhin skeptisch und vertraut lieber seiner Kamera. Bis Katie eines Nachts aus völlig unerklärlichen Gründen aus dem Bett aufsteht und zu schlafwandeln beginnt …

Wie schon „Blair Witch“ versucht auch „Paranormal Activity“ authentisch wie nur möglich zu sein. Und das gelingt dem Film auch. Die Beziehung zwischen Katie und Micah wird keineswegs überzogen dargestellt; auch nicht, wenn die heimische Bedrohung einen Keil zwischen die beiden treibt und der Umgangston miteinander etwas rauer wird. Selbst die von vielen Kritikern – zu Recht! – bemängelte Tatsache, dass sich das junge Pärchen standhaft weigert, ihr Häuschen zu verlassen, fällt da gar nicht mal so sehr ins Gewicht. Die frappanten Längen, ganz besonders während des zweiten Aktes, dagegen schon. Wo vorher sehr zielgenau eine immer sich immer stärker aufbauende Stimmung der Bedrohung aufgebaut wird, fällt diese gegen Mitte des Films in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Erst das Finale und ein wirklich, WIRKLICH schockierendes Ende wiegen diesen eklatanten Fauxpas wieder auf – wenn auch nicht vollkommen.

 

Fazit:

Eines der aufregendsten Filmerlebnisse der letzten Jahre? Nicht wirklich. Trotz des furiosen Finales und der, trotz unglaublicher Einschränkungen, soliden Inszenierung ist „Paranormal Activity“ nichts weiter als „nur“ ein sehenswerter Horrorstreifen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Eure Meinung:

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DVD:

Paranormal Activity

USA 2007

Originaltitel: Paranormal Activity

Regie: Oren Peli

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 16

Universum, 30. April 2010

Spieldauer: 84 Minuten

 

ASIN: B0036977N0

 

Erhältlich bei Amazon

DarstellerInnen:

Katie Featherston

Micah Sloat

Mark Fredrichs

Amber Armstrong

Ashley Palmer

Eintrag in der PhilmDB:


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Erstellt: 24.05.2010, zuletzt aktualisiert: 15.12.2019 11:48