Der Pfad der Seelen von Anna Kendall

Rezension von Christel Scheja

 

Bis zu ihren zwölften Lebensjahr verbrachte Anna Kendall ihr Leben in Irland, dann erst siedelte die Familie in die USA über. Nachdem sie viele Jahre als Lehrerin gearbeitet hat, folgte sie ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und wurde zur Autorin. „Der Pfad der Seelen“ ist ihr Debütroman.

 

Im Mittelpunkt steht der halbwüchsige Roger Kilbourne, der schon früh seine Eltern verloren hat, so dass seine Kindheit unter den Fahrenden eher freudlos und voller Schmerzen war. Sein Onkel nutzt jede Gelegenheit um ihn zu quälen und niederzumachen, die schwache Tante wehrt sich nicht dagegen. Der einzige Grund, warum der Junge noch nicht tot ist, ist seine Gabe. Er vermag in das Land der Toten zu reisen und dort mit den Verstorbenen zu sprechen. Das wird weidlich ausgenutzt, um den Menschen, das Geld aus der Tasche zu ziehen und ihnen weis zu machen, dass man einfach so mit ihnen sprechen könnte.

Die Zeit bei seinen Verwandten hat ein Ende, als diese sich an einem Strandraub beteiligen, aber dabei erwischt werden. Nur mit viel Glück überlebt Roger und erhält durch eine wohlmeinende Witwe die Möglichkeit eine neue Stellung zu finden – am Hof der Königinnen.

Dort steigt er nach Anfangsschwierigkeiten rasch in eine Position auf, die ihn nah an eine Herrscherin bringt. Sie macht zwar den anderen weis, dass er nur ihr Hofnarr sei, kennt aber Rogers besondere Gabe und will diese für sich nutzbar machen.

Der Junge genießt zunächst das Leben in relativem Wohlstand, muss dann aber auch erkennen, dass er mitten in mörderische Intrigen geraten ist, und seine Fähigkeiten anderen schaden können – vor allem als er sie für sich selbst einsetzt, um dem goldenen Käfig zu entkommen.

 

„Der Pfad der Seelen“ hat einen vielversprechenden Auftakt. Anna Kendall siedelt ihre Geschichte in einer Welt an, die kulturell etwa dem 17. und frühen 18. Jahrhundert in England gleicht. Magie ist nicht gerne gesehen, und der Verdacht, eine Hexe zu sein, kann schnell an den Galgen führen, dennoch vertrauen die Leute auf manchen Aberglauben.

Die Einführung ist sehr lebendig gemacht – da Roger ein recht normaler Jugendlicher ist, und auch mit seiner Gabe hadert. Zudem fühlt man mit ihm, wenn er wieder einmal bis zum Hals in Schwierigkeiten gerät. Aber das ist es leider schon, denn der gute Eindruck verfliegt bald wieder.

Mit den Szenen am Hofe verliert Anna Kendall zunehmend die Fäden aus den Fingern, da sie nicht mehr so recht weiß, worauf sie eigentlich hinaus will. Nach und nach entdeckt Roger zwar, dass er weitaus mehr mit seiner Gabe anfangen kann, als er dachte, aber er nutzt dies weniger, um seinen Freunden und Verbündeten zu helfen oder das Mädchen zu retten, in das er sich verliebt hat.

Selbst als ihm bewusst wird, dass er auch Tote wieder in das Reich der Lebenden holen kann, so geschieht dies ohne Sinn, Verstand und Hintergrund.

Man mag noch nachsehen, dass die Kultur eher schwammig bleibt und mehr oder weniger ein Schattenleben führt, nicht aber, dass auch die meisten Figuren nicht ausgearbeitet werden. Selbst Roger bleibt auf wenige Gefühlsregungen reduziert.

Alles in allem ist man am Ende doch enttäuscht über den Ausgang der Geschichte, da man sich durch den Auftakt und das Thema mehr erwartet hat, als die Autorin bietet. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich in einer Fortsetzung steigert und somit Figuren wie auch Thema ein wenig mehr Tiefe gibt.

 

Alles in allem biete „Der Pfad der Seelen“ zwar ein interessantes Szenario, die Autorin begeht aber die typischen Anfängerfehler und verschenkt so viele Möglichkeiten, die sie sich eigentlich durch den Auftakt geschaffen hatte.

 

 

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Buch:

Der Pfad der Seelen

Autorin: Anna Kendall

Blanvalet, erschienen Juli 2011

broschiert, 384 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Simone Heller

Titelbild von Isabelle Hirtz

ISBN-10: 3442267927

ISBN-13: 978-3442267927

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Kindle-Edition

ASIN: B005CN2T2C

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zuletzt aktualisiert: 30.10.2018 20:21 | Users Online
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