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Poppy braucht dich von Kate Cann

Rezension von Tamara Nahm

 

Zusammenfassung:

Amber hat es getan! Endlich hat sie es geschafft, allen Mut zusammen zu kratzen um von ihrer labilen Mutter und tyrannischen Schwester zu fliehen. Weit weg will das 18- jährige Mädchen. Nach Cornwall, in eine WG. Alles ist geplant, doch ihre Mutter kennt die Wahrheit über ihren „Urlaub“ noch nicht nicht. Nie hätte sie sie gehen lassen. Sie rechnet noch fest damit, dass Amber nach ein paar Wochen wieder zurück kehrt und ihr mit Poppy hilft. Ambers Mutter ist nicht in der Lage, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern, so „sensibel“ ist Poppy.

Als Amber sich schließlich nach einer Mandelentzündung im Krankenhaus wiederfindet, ist ihre Familie plötzlich wieder da. Mutter und Schwester sind sogar in das alte Haus eingezogen, in dem Amber ihr neues, freies Leben begonnen hatte. Im Handumdrehen schafft es die charismatische Poppy, Ambers Mitbewohner um die Finger zu wickeln. Doch die Idylle hält nicht lange. Amber ist am Verzweifeln, als Poppy sich auch noch an Marty, ihren Arbeitskollegen und heimlichen Schwarm heran wirft. Kaum ist Ambers Mutter wieder zu Hause, um sich von Poppy zu erholen, fällt diese in ihre alten Verhaltensmuster zurück. Sie wird gar noch seltsamer als zuvor. Sie trägt nur noch die alten Kleider der ehemaligen Hausbesitzerin, die sie in der Dachkammer gefunden hat, in welcher sie eingezogen ist. Am Tag schließt sie sich dort ein und wenn alle anderen aus dem Haus sind, stöbert sie mit Hilfe der ebenfalls gefundenen Türschlüssel in Ambers Zimmer herum. Hat wirklich der Geist der Ivy Skinner von ihr Besitz ergriffen, so wie es die Nachbarin, die alte Frau aus Nummer Elf, behauptet?

 

 

Inhalt:

Mit quälendem Gewissen findet sich Amber nach vielen Jahren der seelischen Zerrissenheit in einem Zug nach Cornwall wieder. Zwar freut sie sich, in einer Studenten-WG ein neues zu Hause gefunden zu haben, doch sorgt sie sich um ihre zurückgelassene Mutter, die sich nun, da die große, tapfere Tochter in die ‚Ferien’ gefahren ist, allein um das Sorgenkind Poppy kümmern muss. Vor jedem, der abendlichen Anrufe nimmt sich das Mädchen fest vor, ihrer Mutter zu beichten, dass ihr ‚Urlaub’ nicht nach zwei Wochen zu Ende sein wird, so wie sie es ihr versprochen hatte. Vielmehr baut sich Amber in Cornwall ihr neues Leben auf. Sie versteht sich mit Ben, Kaz, Chrissie und Rory, Kaz´ Schwarm, ihren Mitbewohnern, von Tag zu Tag besser, Bert, Chef der Albatros, hat sie als Küchenhilfe eingestellt, wo sie Marty, ihre erste große Liebe, der gerade mit seiner Freundin Schluss gemacht hat, kennen lernen wird und selbst die unheimlichen Schattenspiele so wie die mysteriösen Geräusche im Haus können Amber die gute Laune nicht verderben. Lediglich das permanent klappernde Schlafzimmerfenster, unheimliche Geräusche von dem unbewohnten, als Rumpelkammer der alten Besitzerin genutzten Dachboden und die scheinbar verwirrte alte Dame aus Haus Nummer Elf sorgen für etwas ungewollte Aufregung. Schließlich gelingt es der inzwischen gesundheitlich angeschlagenen Amber auch, ihrer Mutter zu sagen, dass sie nicht so schnell wieder kommen wird. Von ihrer ältesten Tochter enttäuscht macht sie Amber Vorwürfe, doch der Entschluss der jungen Frau steht nach wie vor fest: Sie bleibt in Cornwall.

Für den Abend hat Amber ihre Mitbewohner und Marty zum Essen in das alte Haus eingeladen. Alle haben freudig zugesagt und das Kochen hilft Amber, sich von den Gedanken an ihre Mutter, die nun alleine mit den Gefühlsausbrüchen Poppy´s zu Recht kommen muss, ab zu lenken.

Das Dinner ist ein voller Erfolg und gerade, als Rory sich von der Gesellschaft verabschiedet, reißen er und die temperamentvolle Kaz aus Unachtsamkeit eines der alten Sofakissen auf, das, wie fast alle Möbel, noch von den Vormietern übernommen wurde. Unter all den Federn kommt schauriges zum Vorschein: Menschenhaare, an die Milchzähne gebunden worden waren. Als Kaz den anderen mitteilt, dass sie – genau wie Amber auch - oft eine Silhouette eines Menschen auf der Treppe zum Dachboden gesehen hat und Geräusche von eben jenem gehört hat, wird es zu viel für die zart besaitete Amber. Sie bricht zusammen und wacht erst im Krankenhaus wieder auf. Was sie nicht wusste: Ihre Mandeln waren entzündet und mussten ihr entfernt werden. Eigentlich wäre jetzt wieder alles gut, wenn nicht Ambers Mutter und Poppy gekommen wären, um ihr bei zu stehen. Doch nicht nur das: Die beiden sind mit in das Haus eingezogen. Zuerst sagen sie, sie wollen nur so lange bleiben, bis Amber wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden würde, doch die Tage vergehen, ohne dass die beiden Anstalten machen, wieder ab zu reisen. Poppy hat es sich in einer der mit Gerümpel voll gestellten eingerichtet und ihre Mum schläft in Kaz´ Zimmer. Doch die bürgerliche Fassade hält nicht lange. Unter der Oberfläche brodelt es in den beiden Geschwistern. Und nicht nur das. Auch die Sensible Kaz fühlt sich in dem alten Haus immer unsicherer. Die Dame aus Nummer Elf, die immer wieder an zu treffen ist und komische Dinge über die als grausam bekannte Frau, die einst in dem Haus gelebt hatte, macht die Situation auch nicht besser.

Schließlich schafft es Ambers Mutter, sie davon zu überzeugen, dass Poppy in Cornwall besser aufgehoben wäre – alle seien nett zu ihr, sie fühle sich in ihrer Dachkammer wohl, zwischen all den alten Sachen und in ihrer Schule zu Hause würde man das Mädchen wieso nur hänseln. Warum also solle sie nicht für eine Weile bei ihrer Schwester bleiben, wo es ihr dort doch so viel besser ginge. Sie habe noch keinen ihrer gefürchteten Aggressionsanfälle gehabt, die letzten Endes nur bewiesen, wer das Sagen hat: Nämlich Poppy. In der Vergangenheit hat Amber das Spiel mitgespielt, sie musste, ihrer Mutter wegen, die sie doch immer für das Verhalten ihrer kleinen Schwester verantwortlich gemacht hatte. Mit den Worten, Poppy sei einfach sensibler und habe es nicht leicht in der Schule, hat sie ihrer jüngsten Tochter stets alles durchgehen lassen.

So kommt es, dass Ambers Mutter abreist, ohne Poppy wieder mit zu nehmen. Amber weiß, dass die Wochen, mit denen sie mit Poppy alleine war, der reiste Horror für sie gewesen sein musste. Ihr zu Liebe nimmt sie das Angebot an und alle WG-Bewohner sind mit der Entscheidung einverstanden.

Doch wie von Amber vorhergesehen, fängt ihre kleine Schwester an, sich zu verändern. Es ist ihr unheimlich, wie sie seit neuestem nur noch die alten, abgewetzten Kleider anzieht, die sie gefunden hat. Die 16-Jährige hütet alle Schlüssel des Hauses, schließt sich in ihrer Kammer ein und macht sich sowohl an Rory als auch an Marty heran. Marty redet zu ihrer großen Erleichterung mit ihr über ihre Schwester. Auch ihm ist es nicht geheuer, wie sie sich aufführt. Doch Rory - ganz ein Weiberheld – lässt sich auf Poppy ein. Aber auch er ist abgeschreckt von dem, was sich unter der Puppenhaften Maske verbirgt. Die Zeit vergeht, Poppy wird immer unbeliebter und eines Morgens steht der Entschluss fest: Poppy muss wieder ausziehen! Doch wie soll Amber das ihr, und erst Recht ihrer Mutter erklären?

Amber wird klar, dass die böse Ausstrahlung des Hauses, die sie früher schon gespürt hatte, wenn auch nicht so deutlich und bedrohlich wie jetzt, etwas mit der früheren Besitzerin zu Tun haben muss. Schließlich überwindet sie ihren inneren Schweinehund und sucht Mrs Bartlett, die alte Frau, die ihr sonst immer nur unheimlich war, auf. Sie weiß etwas, was die anderen nicht wissen. Und was die Dame Amber zu berichten hat, klingt mehr als Bedrückend. In dem Haus spukt es. Zwar ist es nicht so, dass weiße Gespenster mit klirrenden Ketten durch die nächtlichen Gänge ziehen würden, doch der Geist der einstigen Besitzerin, Ivy Skinner, lebt noch immer dort und hat in der kleinen Poppy eine Verbündete gefunden.

Während die mysteriösen Ereignisse sich häufen, für die niemand anderes als der Geist der zu ihren Lebzeiten als grausam bekannten Ivy Skinner verantwortlich sein kann, überlegt Amber zusammen mit Marty, wie sie sowohl Schwester als auch Geist wieder los werden können. Sie überreden Rory, noch einmal mit der geisterhaften Poppy aus zu gehen, verkaufen, während die Kleine weg ist, jedes einzelne Skinners antiker Möbelstücke und überreden Ambers Mutter unter Tränen, ihre Tochter endlich wieder zu sich zu nehmen.

Ivy Skinner ist ihrer Macht beraubt. Amber ist mir Marty zusammen und es kann endlich wieder der normale Alltag einkehren.

 

 

Zitat:

Teil 1; Kapitel 13: Seite 82:

Als sie dann endlich einschlief, träumte sie einen ihrer Schuld-Träume. Die hatte sie oft, sie handelten immer davon, dass sie von Poppy weglief, dass sie Poppy irgendwo zurückließ, von wo aus sie nicht mehr nach Hause kam, und Amber rannte und rannte, taub für Poppys Schreie… Manchmal waren diese Träume gewalttätig und verzweifelt, dann stieß sie Poppy eine steile Treppe hinunter, über ein Geländer ins Nichts… Sie endeten alle gleich: mit dem traurigen, lieben Gesicht ihrer weinenden Mutter. Am nächsten Tag war Amber immer ganz elend vor lauter Schuldgefühlen.

 

 

Kritik:

Von Poppy einmal abgesehen, handelt es sich bei den Charakteren ausschließlich um Alltagspersonen. Sie tun nichts besonderes, sind nicht berühmt und verhalten sich so, wie man es von jungen Studenten erwartet. Doch leider sind die Charaktere auch ebenso durchschnittlich und unseriös von Cann erschaffen worden. Nebenpersonen wie Bert, Küchenchef des Albartos, Ben und Chrissie, zwei von Ambers Mitbewohnern oder auch ihre Mutter wirken partweise etwas hölzern. Keine Person besitzt einen herausragenden Erinnerungswert, was schade ist, denn aus die Grundeigenschaften der Menschen, die unsichere und doch fest in ihren Grundfesten verankerte Amber, die fast schon terrorisierende Poppy und Kaz, die etwas charismatische, selbstsichere Frau, die im Innern doch sehr sensibel ist, hätte man leicht mehr machen können.

 

Kate Canns Schreibstil wirkt im Allgemeinen sehr rund und ausgeglichen. Ein Grund dafür ist wohl, dass sie schon seit längerem vor Allem Jugendbücher schreibt und daher diesbezüglich schon einige Erfahrungen sammeln konnte. Allerdings sticht für mich der Mystery- Aspekt des Buches schreibtechnisch nicht genug ins Auge. Immerhin geht es ab dem letzten Drittel des Werkes fast nur noch um den zurückgebliebenen Geist der Ivy Skinner und der fast schon besessenen Poppy, was sie nicht so recht umgesetzt hat.

Sprachlich gesehen habe ich in dem Text zwei Fehler entdeckt. Zum einen handelt es sich bei der Beschreibung einer Strecke um die Aussage „Auf dem raschen Weg“ und zum Anderen ein Satz, unter dem ich mir nichts vorstellen konnte: „Alles ließ sich gut an.“ Ob es sich bei Ersterem tatsächlich um einen Fehler handelt oder mir der Begriff nur nicht bekannt ist, konnte ich bis Dato noch nicht feststellen. In diesem Falle bitte ich, meinen Irrtum zu entschuldigen.

 

Während sich der Handlungsstrang der ersten 100 Seiten fast ausschließlich den Familen-Problemen Ambers widmet, kommen auf einen Schlag zwei neue Aspekte in die Geschichte: nämlich Poppy, die in das Haus einzieht und das allgemeine Unwohlsein aufgrund des Fundes der präparierten Milchzähne im Sofakissen. In Anbetracht der Tatsache, dass vorher die Handlung gemächlich vor sich hin getröpfelt ist, wird der Leser schon fast überfallmäßig mit neuen Geschehnissen überrumpelt. Zwar ist es nicht zu verwirrend, da Cann so gut wie keine anderen Nebenhandlungen zeitgleich stattfinden lässt, doch im ersten Moment wirkt so viel Action doch etwas fehl am Platz, wenn man den Anfang der Geschichte betrachtet..

Ansonsten finden sich in dem Buch keine großen Überraschungen, ist trotzdem jedoch lesenswert.

 

 

Fazit:

Die Bezeichnung „Thriller“ auf dem Cover des Buches ist nicht passend. Viel mehr handelt es sich bei Kate Canns Werk eher um eine Mischung aus Jugendbuch und Mystery. Es scheint mir sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet, da sowohl Handlung als auch Stil zwar einfach, aber nicht anspruchslos gehalten sind. Mir viel es schwer, mich in die Situation der Charaktere hinein zu versetzen, was eindeutig ein Manko darstellt.

Das Ende ist ein typisches Hollywood – Happyend. Mir sagt das gar nicht zu, es ist viel zu viel Kitsch im Spiel, doch auch diese Lösung hat natürlich seine Daseinsberechtigung.

Verglichen mit anderen Mystery- Werken ist vorliegender nicht sehr tiefsinnig, da man ihn schlecht auf die eigene Situation übertragen kann. Tiefere Philosophische Gedanken sucht man also vergebens.

Im Ganzen betrachtet bietet „Poppy braucht dich“ eine abwechslungsreiche Kost, bei der mir nach dem Lesen jedoch der berühmte Nachgeschmack fehlt, der das Buch einzigartig machen würde.

 

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Poppy braucht dich

Autor: Kate Cann

Übersetzerin: Nina Schindler

Lektorat: Stefanie Rahnfeld

Originaltitel: Leaving Poppy

Originalverlag: Scholastic Children´s Books, London

380 Seiten, broschiert

cbt, Mai 2008

ISBN-13: 978-3-570-30429-7

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2008, zuletzt aktualisiert: 15.11.2019 09:07