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Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence

Reihe: The Broken Empire Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Der Autor Mark Lawrence lebt mit seiner Frau und vier Kindern in England und ist im Brotberuf eigentlich ein Wissenschaftler, der sich hauptsächlich mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz beschäftigt. Zum Ausgleich schreibt er nun offensichtlich Fantasy-Romane. „Prinz der Dunkelheit“ ist sein Debüt.

 

Kurz bevor er zehn Jahre alt wurde, musste Kronprinz Jorg von Ankrath mit ansehen, wie Schergen des schurkischen Barons Renar seine Mutter, seinen Bruder und ihn überfielen und grausam umbrachten. Er selbst hing für viele Stunden in einem Dornengestrüpp fest und verlor einiges an Blut. Auch wenn man ihn retten konnte, lag der Junge über Monate im Fieber. Als er wieder gesund wurde, war er verändert.

Durch den Vorfall ist in Jorg einiges zerbrochen. Mit vierzehn zieht er mit einer Bande von Halsabschneidern und Halunken durch die Gegend. Er brandschatzt, foltert und mordet, weil er versucht auf diese Weise an den Baron und seine Verbündeten heran zu kommen - indem er sie genug provoziert. Die einzige Erinnerung an seine Vergangenheit ist der Hauptmann der Leibgarde, der immer noch über ihn wacht.

Jorg will nicht nur Rache, er hat es sich nur zum Ziel gemacht, spätestens mit fünfzehn selbst eine Krone zu tragen. Dabei ist es ihm egal, mit welchen Mitteln er das erreicht, denn Gewalt und Grausamkeit gehören längst zu seinem Wesen, wie ein Priester, der ihn noch als Kind kennt, merken muss, dem er das Leben schenkt.

Um auszuloten, wie es inzwischen mit seinem Vater aussieht, kehrt Jorg nach Hause zurück und muss feststellen, dass sein Vater längst nicht mehr daran denkt, ihn als Erben bei zu behalten. Denn inzwischen hat er sich eine neue Frau genommen, die bereits guter Hoffnung ist. Und der junge Mann wird nur noch geduldet und gefürchtet. Dennoch harrt er aus, hat er in der Bibliothek doch Werke entdeckt, die ihn in seinem Ziel weiter bringen könnten.

 

„Prinz der Dunkelheit“ ist ein seltsames Buch. Auch wenn man sich zunächst fragt, wie es funktionieren kann, dass die Hauptfigur absolut unsympathisch ist - ein Antiheld, wie er im Buche steht, so zeigt sich doch in Rückblenden, wie und warum Jorg so und nicht anders geworden ist.

Betrachtet man nur die vordergründigen Ereignisse, ist die Geschichte eher simpel - ein Junge zerbricht an der Gewalt seiner Umgebung und kennt später keine anderen Mittel mehr, um sich durchzusetzen und folgt so konsequent dem Weg des Bösen. Doch blickt man ein wenig zwischen die Zeilen merkt man, dass da viel mehr vor sich geht.

Auch hebt sich die Tatsache, dass Lawrence durch die konsequente Schilderung der harten und grausamen Welt, in der nur Stärke und Skrupellosigkeit zu zählen scheint, kein Blatt vor den Mund nimmt, wohltuend von der Masse anderer Fantasy-Romane ab.

Die einzelnen Puzzleteile fügen sich über das Buch verteilt nämlich zu einem interessanten Hintergrund zusammen, der alles logisch und nachvollziehbar begründet. Dadurch entsteht Spannung, weniger durch die Actionszenen, die über einen guten Standard nicht hinaus kommen.

Auch das Setting ist nicht einfach nur archaisch frühmittelalterlich, denn vage Andeutungen höherer Technik und Materialien, die eher für das 20 Jh. typisch sind, aber auch eine Einbindung von typisch irdischem Kulturgut vermitteln den Eindruck, dass sich das ganze in einer postapokalyptischen Welt abspielt, deren Bewohner die Vergangenheit längst vergessen oder mythisch verbrämt haben.

Alles in allem endet das Buch zwar in sich geschlossen, lässt sich aber gerade durch letzteres eine große Hintertür für Fortsetzungen offen.

 

Alles in allem ist „Prinz der Dunkelheit“ nicht nur ein actionreiches Abenteuer mit einem coolen Helden, sondern bietet gerade wenn man zwischen den Zeilen liest, überraschende Sichtweisen und Erkenntnisse, die weit über normale Action-Fantasy hinausgehen.

 

Eure Meinung:

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Buch:

Prinz der Dunkelheit

Reihe: The Broken Empire Band 1

Autor: Mark Lawrence

Original: Prince of Thorns, 201

Taschenbuch, 380 Seiten

Heyne, Juni 2011

Übersetzer: Andreas Brandhorst

 

ISBN-10: 3453528255

ISBN-13: 978-3453528253

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.07.2011, zuletzt aktualisiert: 05.10.2019 18:58