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Puls von Stephen King

Rezension von Martin Weber

 

In den letzten Jahren ist es en vogue geworden, auf den Veteranen Stephen King einzuprügeln, sei es aus Prinzip („nach dem Hype und dem immensen Erfolg hat er es einfach verdient“), sei es, weil seine letzten Veröffentlichungen tatsächlich schwächer ausgefallen sind (siehe „Der Buick“ oder „Colorado Kid“). Wie dem auch sei, jedenfalls hat der gute Mann im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere ohne Zweifel einige Klassiker in die Tasten gehauen und mit „Puls“ beweist er, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

 

WORUM GEHT´S?

Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag in Boston. Der Comiczeichner Clay Riddell ist ein glücklicher Mann, denn nach einer längeren Durststrecke hat er es endlich geschafft, eines seiner Werke an den Verleger zu bringen. Doch seine Zufriedenheit währt nicht lange, denn die rosa Wölkchen, auf denen er schwebt, werden vom Sturm der Apokalypse hinweggefegt. Und diese Apokalypse kommt aus dem Handy, dringt mitten ins Gehirn der Telefonierenden und bringt diese dazu, jeden in ihrer Umgebung zu massakrieren. Mit Hilfe von Tom McCourt, eines zufällig Vorbeikommenden, überlebt Clay die ersten mörderischen Stunden. Die beiden bleiben zusammen und werden noch durch die junge Alice verstärkt. Gemeinsam schlägt sich die Dreier-Gruppe durch und versucht, in einer aus den Fugen geratenen Welt zurechtzukommen.

Clay hat dabei ein klares Ziel vor Augen: er will zu seiner Frau und seinem Sohn zurückkehren. Aber der Weg zu ihnen ist lang, viele Gefahren lauern und die „Phonies“ (die durch ihr Handy mutierten Menschen) bleiben nicht hirnlos tobende Zombies, sondern entwickeln sich weiter, erlangen paranormale Fähigkeiten und bauen eine Schwarmmentalität auf. Als Clay und seine Freunde beschließen, mit Gewalt gegen die Phonies vorzugehen, erklärt sie der Schwarm zu Feinden ersten Ranges und hat etwas ganz besonderes mit ihnen vor …

 

KOMMENTAR

Stephen King erzählt eine lineare Geschichte über das Ende der (us-amerikanischen) Zivilisation. Der gewählte Blickwinkel ist der eines kleinen Grüppchens, deren Mitglieder aus Überlebensnotwendigkeit zusammenbleiben und zusammenwachsen und gemeinsam dem Schrecken die Stirn bieten. Dem Autor gelingt es exzellent, die Ängste, die Verzweiflung und die Hoffnungen dieser Personen darzustellen. Wie auch sonst sind es Alltagsmenschen, die King in eine Extremsituation stellt und über sich hinauswachsen lässt; dabei schimmert stets sein im Grunde positives Menschenbild durch, demgemäß in jedem von uns trotz aller Schwächen das Zeug zum Helden steckt.

 

Die meiste Zeit fiebert man mit den Hauptfiguren mit, bangt um ihre Sicherheit, schreckt wegen der Gewaltausbrüche zurück … doch gelegentlich schleichen sich auf den 530 Romanseiten auch einige Passagen ein, bei denen der Gedanke aufkommt, dass sich die Handlung ruhig ein wenig flotter entwickeln könnte. Im Gegensatz zur generellen Ausführlichkeit kommt dann das Ende etwas abrupt und lässt eine Menge Fragen offen. Gleiches gilt für den Hintergrund des Geschehens: weil Stephen King ein Horror-Schriftsteller und keiner dieser Wissenschaftsthriller-Autoren ist, kann er es sich leisten, keine halbwegs realistischen (pseudo)wissenschaftlichen Erklärungen für den Puls zu liefern, sondern es bei sehr vagen Hinweisen zu belassen und einige schon sehr phantastische Elemente wie Levitation und Telepathie einzubauen. Anderseits passt dieser Ansatz wieder zur gewählten Perspektive – die Leser wissen halt so viel/wenig wie die Romanfiguren.

 

Die Idee vom menschlichen Schwarm ist an sich nicht neu (siehe z.B. F.P. Wilsons „Todesfrequenz“ oder Stephen Baxters „Der Orden“), aber durch die Verbindung mit dem apokalyptischen Zombie-Szenario und der Handy-Connection ergibt sich dann doch ein frischer Ansatz, der tragfähig genug für ein ganzes Buch ist.

 

FAZIT

„Puls“ ist ein starkes Lebenszeichen vom Altmeister des Horrors, das zwar nicht ganz an vergangene Großtaten anschließen kann, aber allemal spannend-gruselige Unterhaltung garantiert. Wenn King auch weiterhin auf diesem Niveau schreibt, dann lässt der angekündigte Ruhestand hoffentlich noch einige Jährchen auf sich warten.

 

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Puls

Autor: Stephen King

Gebundene Ausgabe - 430 Seiten - Heyne

Erscheinungsdatum: 1. März 2006

ISBN: 3453028600

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 04.04.2006, zuletzt aktualisiert: 13.05.2019 16:10