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Rage 2

Rezension von Cron

 

Ich heize um die Kurve des Ödlands und stehe urplötzlich vor einer Straßensperre, direkt vor der Canyon-Brücke, und werde von oben beschossen. Ein Bandit hat sich auf dem Turm neben der Sperre verschanzt und nimmt mich von dort ins Fadenkreuz.

Urplötzlich taucht ein zweiter, weiblicher Gangster auf, schreit wild und rennt über die Brücke nach rechts zum zweiten Turm, wo ein Geschütz installiert ist.

Ich springe aus dem Wagen und gehe neben ihm in Deckung. Über Kimme und Korn schieße ich auf die Frau, will sie aufhalten, ehe sie das Geschütz erreicht. Aber es misslingt. Das Feuer des Typen lässt mich nicht exakt zielen.

Verfluchte Axt!

Ich krieche um das Auto hinten herum und sprinte zum Canyon-Abhang. Dort erreiche ich per Doppel-Sprung die höhere Ebene des rechten Turms und bin mit einem Schlag im Rücken der Banditin. Sie ist sehr überrascht, mich zu sehen. Aber ihre Freude hält sich in Grenzen. Nicht so bei mir. Mit einem gezielten Schlag setze ich sie außer Gefecht.

Dann ist der Typ dort drüben dran!

Ich renne in luftiger Höhe über die Streben der Straßensperre-Brücke und schieße immerfort in Richtung des Gegners. Dieser verschanzt sich hinter einer Eisenplatte, doch die Deckung ist nicht von Dauer. Meine Salven stanzen Löcher hinein, schließlich fliegt sie in die Ecke und meine Geschosse mähen den Typen nieder. Nun kann ich das Eisenrad drehen und damit die Straßensperre öffnen.

Freie Fahrt für freie Bürger!

Mit einem schiefen Grinsen springe ich hinunter zu meinem Buggy, werfe mich in den Sitz und lasse die Reifen durchdrehen. Ich habe noch viel zu tun, als letzter der Wasteland-Ranger. Das Ödland braucht mich!

 

Rage 2 ist der heiß erwartete Nachfolger des Spiels von id-Software aus dem Jahre 2013. Diesmal hat allerdings nicht id-Software die Hauptentwicklung übernommen, sondern Avalanche Studios, die Macher hinter der Just Cause-Reihe.

Inwiefern sich das im Gameplay bemerkbar macht und wie gelungen der Shooter geworden ist, soll der nachfolgende Test aufzeigen.

 

Hintergrund:

Im ersten »Rage« von 2011, das von id-Software im Alleingang entwickelt wurde, erwachte man als Überlebender in einer Arche in einer Welt, die nach einem Meteoriten-Einschlag in ein Mad-Max-Endzeit-Szenario gewechselt hatte: Die Zivilisation war weitgehend untergegangen und die Menschen rotteten sich als Clans zusammen mit Warlords als Oberhäuptern oder siedelten in kleinen notdürftig zusammengebauten Wohneinheiten.

Dieses Szenario hat Avalanche übernommen und ausgebaut.

Nun ist man allerdings als Ranger namens Walker unterwegs, der den Angriff der »Obrigkeit«-Bösewichter überlebt und nun für Ordnung sorgen soll, indem er den Obermotz dieser Gegnerfraktion erledigen soll.

Die Story ist klar in Böse und Gut aufgeteilt und steckt voller Klischees. Graustufen-Charaktere sucht man hier vergeblich. Schade, dass die Avalanche-Entwickler sich so sehr auf ihre Gameplay-Formeln verlassen. Dennoch versprüht die Story von »Rage 2« – gerade durch ihre Schwarz/Weiß-Kontraste – ein gehöriges Maß an B-Movie-Charme. Dazu tragen auch die herrlich durchgeknallten Charaktere bei, wie beispielsweise Dr. Kvasir, der auf einem selbstentwickelten riesenhaften Gen-Mutantenbaby reitet.

Ab und an findet man Log-Nachrichten, welche weitere Aspekte der Welt von »Rage 2« aufzeigen. Wer tiefer eintauchen möchte, kann dies also tun. Allerdings ist auch das kaum mehr als ein Gimmick. Auch die Nebenaufgaben wiederholen sich und haben kaum Tiefgang hinsichtlich der Story. Was allerdings »Rage 2« hervorragend macht, das sind die Shooter-Mechaniken.

 

Gameplay:

Wo id-Software mitmischt, da knallt’s. Diese einfache Formel kann man auf »Rage 2« auch anwenden. Die Geschwindigkeit, das Trefferfeedback, die Waffensounds, die Animationen allgemein – alles fühlt sich befriedigend an und ist somit sehr gut gelungen.

Die Shootouts in »Rage 2« machen Spaß, keine Frage.

Dazu tragen auch die Nanotriten-Fähigkeiten bei. Diese Superkräfte lassen den Helden oder die Heldin (anfangs hat man die Wahl zwischen beiden Geschlechtern) durch die Luft springen wie Neo im Film The Matrix oder ermöglichen ihm superschnelle Ausweichmanöver. Diese Fähigkeiten muss der Spieler aber erst einmal durch das Aufsuchen von Archen erlangen. Im Spielverlauf können diese Fähigkeiten weiter ausgebaut werden, indem man beispielsweise in Kisten versteckte Archen-Kerne findet.

Dieses Aufleveln geschieht auch mit den Waffen. Dazu muss man Waffenmods freischalten, wozu man u. a. Nanotriten (das Material aus dem abgestürzten Meteoriten) benötigt.

Die Waffen selbst haben z. T. mehrere Modi. Beispielsweise können Spieler mit der Schrotflinte über Kimme und Korn schießen und dadurch die Feinde fortschleudern. Oder sie haben eine Pistole, welche die Feinde in Brand setzt. Oder man benutzt die aus dem Vorgänger bekannten Wingsticks, und so weiter. Wie man sieht, ist das Gunplay von »Rage 2« sehr vielfältig und es entsteht ein hervorragender Flow.

 

Die Openworld sieht mit ihren unterschiedlichen Klimazonen hervorragend aus und lädt zum Erkunden ein. Doch schon bald muss der Spieler feststellen, dass die Welt mehr Schein als Sein darstellt. Hinter den Kulissen, die wunderbar aussehen und gelungen in Szene gesetzt sind, ist kaum etwas Spannendes versteckt: Eine Kiste mit Geld hier, eine Nanotriten-Kiste da. Ab und an bekriegen sich Mutanten-Gangs oder ein Supermutant stapft durch die Gegend. Diese sind zwar kaum mehr als Bullet-Sponges, aber immerhin sorgen sie für Abwechslung. Aber dennoch reizt das Eye-Candy der Open-World zumindest anfangs, sich auf das Buggy zu setzen und loszudüsen.

Die Fahrzeuge selbst sind vielfältig und reichen vom »Phoenix«-Geländewagen, über einfache Buggys bin hin zu schwer gepanzerten und schwerfälligen Wägen. Diese können alle ebenfalls aufgerüstet werden, was wiederum für einige Spielernaturen interessant sein dürfte. In den Handelsstädten kann man jederzeit den »Phoenix« vorfinden. Die anderen stehen am Straßenrand herum oder werden durch den Spielfortschritt freigeschaltet.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »Rage 2« ist sehr gelungen. Unter der Haube des Spiels arbeitet die Vulkan-Engine von id-Software. Die Texturen sind hochaufgelöst, die Animationen butterweich. Vor allem kann die Beleuchtung überzeugen. Die Lichtstimmung ist superb. Explosionen sehen grandios aus, farbige Lichter setzen Akzente in den Levels und auch in den Katakomben unter Tage ist die Beleuchtung durch verschiedene Lichtquellen in spektakulärer Weise gesichert.

Auch der Sound kann vollauf überzeugen. Die Waffen krachen ordentlich, die Explosionen sind fetzig und die Sprachsamples der Charaktere sind gelungen »endzeitlich« durch die Flüche und Soundeffekte, die darübergelegt wurden.

 

Fazit:

»Rage 2« macht als Shooter richtig viel Spaß! Die Gunplay-Mechaniken sind wunderbar flüssig und greifen nahtlos ineinander durch die Nanotriten-Fähigkeiten. Es entsteht bei den Kämpfen ein tolles Flow-Gefühl.

Anders sieht es mit der Open-World aus. Hier ist viel Eye-Candy angesagt. Die Welt sieht toll aus, bietet aber nur optische Abwechslung. Dahinter ist wenig, was ein Erkunden rechtfertigt.

Das führt direkt zum Story-Aspekt. Hier ist B-Movie-Charme angesagt. Es gibt lediglich eine Gut-Böse-Narration, ohne Graustufen. Die Story reicht aus, um weiterzuspielen, aber sie wird nicht in die Spielgeschichte eingehen. Dafür ist sie nicht tief genug.

Wer darüber hinwegsehen kann, ist mit »Rage 2« gut bedient, denn er bekommt einen Shooter, der in seinen Grundzügen hervorragend funktioniert.

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Eure Meinung:

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PC-Game:

Rage 2

Avalanche Studios / id Software / Bethesda, 14. Mai 2019

USK: 18

 

Erhältlich bei: steam


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Erstellt: 02.06.2019, zuletzt aktualisiert: 18.09.2019 18:57