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Rango

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Gore Verbinski, der Regisseur der „Fluch der Karibik“-Filme scheint wie sein Hauptdarsteller Johnny Depp das Skurrile und Verrückte zu lieben. So sind auch beide an „Rango“ beteiligt, einem Animationsfilm, der zwar von Nickelodeon Movies produziert wurde, aber nicht nur für Kinder gedacht ist. Der erste hat wieder die Regie unter sich, der andere spricht die Hauptfigur, so dass dessen Mimik auch auf ihn abgestimmt ist.

 

Bisher kannte Rango nur die kleine Welt seines Terrariums und konnte nur von der großen weiten Welt träumen, nur in seinen Gedanken der strahlende Held und Abenteurer sein. Dann aber wird sein Zuhause bei einem Beinahe-Unfall aus dem Wagen der Besitzer geschleudert. Rango findet sich mutterseelenallein auf der Straße inmitten der Mojave-Wüste wieder. Auch ein Gürteltier kann ihm nicht weiter helfen.

Nach einer aufregenden Flucht vor einem Habicht trifft er auf die schöne Bohne, die ihn mit in die nächste Stadt nimmt. Doch auch in „Dirt“ herrscht Depression und Trostlosigkeit, denn das Wasser geht zur Neige. Immer mehr Farmer verlassen ihre Heimat, weil sie nicht mehr überleben können. Einzig die junge Eidechse hält tapfer durch und lehnt es ab, ihr Land auch noch zu verkaufen.

Rango gewinnt indessen die Achtung der Stadtbewohner weniger durch seine Prahlereien als den verzweifelten Mut, den er an den Tag legt, als der Habicht wieder auftaucht. Der Bürgermeister ernennt ihn sogar zum Sheriff.

Voller Stolz plustert sich Rango noch mehr auf und begeht in seiner Überheblichkeit eine Menge Fehler, bis er erkennt, dass er viel zu lange den Falschen vertraut hat und damit der Stadt noch mehr Schaden zugefügt hat. Er läuft zunächst davon, muss aber dann erkennen, dass der von ihm vielbeschworene „Geist des Wilden Westens“ etwas anderes von ihm erwartet: Ein wahrer Held muss umkehren und sich seinen Fehlern stellen, denn nur so kann er sie wieder gut machen.

 

Nur auf den ersten Blick erscheint Rango wie eine verrückte und abgedrehte Westernparodie in der sich die Gags munter aneinander reihen und die kleinen Verrücktheiten vor allem jüngere Kinder ansprechen. Die Geschichte ist auch einfach genug gestrickt, so dass sie ihre elementaren Aussagen verstehen können: Das Gute und die Gerechtigkeit siegen immer, das Böse wird bestraft.

Allerdings ist es den Machern gelungen den Figuren und dem Thema mehr Tiefe zu verleihen als vermutet. Es steckt mehr dahinter als nur eine augenzwinkernde und oberflächliche Hommage an das große amerikanische Genre und seine Helden, an die vielbeschworenen Werte von Recht und Gerechtigkeit, Heldentum und Zusammenhalt. Sie wissen auch die Visionen und Traumsequenzen besser zu deuten, denen sich der Held manchmal stellen muss, da so psychedelische Bilder nicht ganz unbekannt sind.

Gerade in den Figuren erkennt man so manchen Archetypus aus denen Geschichten wieder, mit denen man aufgewachsen ist und empfindet eine gewisse Melancholie, denn sie werden vielschichtiger dargestellt als vermutet, so wie in den Spätwestern. Zudem beschäftigt sie sich mit den Lebewesen der Moyave-Wüste und spielt auf den Schaden am Ökosystem an, den die Menschen durch die Schaffung von künstlichen Oasen geschaffen haben, weil sie das Grundwasser abziehen und damit anderen die Lebensgrundlage entziehen.

In Rango erkennt sich der moderne Zivilisationsmensch sehr schnell wieder, denn das Chamäleon ist nicht nur unfähig und prahlerisch, sondern auch rücksichtslos, und muss erst durch das Vertrauen der anderen erkennen, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen. Er reift durch das Einsehen seiner Fehler schließlich zu einem wirklichen Helden heran und wird die Legende, von der er immer geträumt hat.

Alles in allem ist der Humor stellenweise sehr gewöhnungsbedürftig, da er etwas brachial daher kommt und dürfte den ein oder anderen erwachsenen Zuschauer eher abschrecken. Nimmt man sich aber die Zeit und Geduld, kann man sich wie Kinder ab dem Grundschulalter gut unterhalten lassen und kann dann auch erkennen, wie böse und sarkastisch manche Aussagen sind.

Polyband bietet die DVD in guter Qualität, das Bild ist klar, die Farben sind satt und differenziert. Das trifft auch auf den Ton zu. An Extras gibt es einige entfallene Szenen und eine interessante Dokumentation zu den Tieren, die den Animatoren als Vorlage dienten.

 

 

Fazit:

 

Alles in allem ist „Rango“ ein Film für die ganze Familie. Kinder können den anarchistischen Westernspaß in skurriler Kulisse genießen, während ihre Eltern auch genüsslich zwischen den Zeilen lesen können und so manchen bösen Kommentar mitbekommen. Allen gemeinsam dürfte jedoch die gelungene Atmosphäre der liebenswerte Hommage an das Westerngenre gefallen.

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DVD:

Rango

Rango, USA 2010/11

Regisseur(e): Gore Verbinski

Format: Dolby, PAL, Widescreen, RC 2

Sprache: Deutsch, Türkisch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.40:1

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Studio: Paramount Home Entertainment

Erscheinungstermin: 19. August 2011

Produktionsjahr: 2011

Spieldauer: 104 Minuten

ASIN: B004Z02AAO

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Extras

10 entfernte Szenen

Doku „Die echten Kreaturen aus Dirt“

 


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Erstellt: 22.08.2011, zuletzt aktualisiert: 27.11.2017 19:32