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Rappelkiste, Folge 1-28

Filmkritik von Cronn

 

Bis in die sechziger Jahre herrschte in der Bundesrepublik Deutschland das Ideal der autoritären Kindererziehung. Kinder als eigenständige Persönlichkeiten zu sehen, auf deren Wünsche verstärkt einzugehen und ihnen Freiheiten zu lassen, das überstieg bei vielen Eltern ihr Verständnis von Erziehung.

Im Fernsehen überwogen pädagogisch autoritäre Formate, wobei Erziehung als Privatsache angesehen war – verständlicherweise nach den Exzessen der Nationalsozialisten mit ihrer Indoktrinierung der Kinder in »Bund deutscher Mädel« und »Hitlerjugend« und ähnlicher Organisationen – und es dementsprechend wenig TV-Formate für Kinder gab.

Das änderte sich erst mit der Studentenrevolte und der nachfolgenden pädagogischen Revolution. Von autoritärer hin zu antiautoritärer Erziehung hieß die Forderung, welche auch sich im Fernsehen niederschlug.

Im Jahr 1973 wurde eine Reihe von Fernsehfolgen produziert, welche sich dieser neuen pädagogischen Richtung verschrieben. Kinder sollten als Persönlichkeiten ernst genommen werden. Die Realität in den Städten wurde gezeigt, mit trostlosen Hinterhöfen, einem Mangel an Spielplätzen und einem Übermaß an Verboten (z. B. »Rasen betreten verboten«, »Spielen im Hausflur verboten«).

Somit war das TV-Format Rappelkiste geboren, welche eine ganze Generation von jungen Fernsehzuschauern prägte.

Nun sind diese Kinder von damals im Alter von ca. 40 Jahren und können sich die Folgen der »Rappelkiste« auf DVD ansehen. Die Edel Company bringt in mehreren Boxen die TV-Serie heraus.

 

Verlagsinfo:

Die Rappelkiste gehört zu den Klassikern des deutschen Kinderfernsehens. Ratz und Rübe zählen zu den Kultfiguren, und den Abzählreim »Ene mene miste, es rappelt in der Kiste« kennt auch heute noch jedes große und jedes kleine Kind. Jeden Sonntag zur Mittagszeit erreichte die Rappelkiste in den 70er Jahren ein Millionenpublikum und fegte damals den Muff der Bewahrpädagogik aus den Kinderzimmern. Die Rappelkiste erzählte Geschichten aus dem Alltag der Kinder, bei denen kein Thema tabu war. In fast jeder Sendung gab es die grotesken Figuren Oswin und Nickel, die Bauklötze, die Ompis als Knetfiguren, zwei kurze Realfilme mit fünfjährigen Hauptdarstellern und natürlich »die Stars« Ratz und Rübe, die mit einem Lied das Thema zusammenfassten. Jede DVD enthält 4 Episoden dieser unvergesslichen Serie.

 

Der offizielle Klappentext bringt die wichtigsten Infos ausführlich zusammen und leistet somit vollauf den Informationsauftrag. Daher kann gleich zur Kritik übergegangen werden.

 

Kritik:

Erstaunlich, was ein erneutes Sichten alter Kinderfilme und Kinderserien so alles ans Tageslicht bringt. Das naive Sehen als Kind übersah (im wahrsten Wortsinn) all den pädagogischen Überbau, der sich durch alle Folgen der »Rappelkiste« zieht.

Reformpädagogische Ansätze finden sich überall, was damals neuartig war. Beispielsweise wird die Kinderzimmergestaltung thematisiert. Hier werden konservative gegen progressive Eltern in einer Zeichentricksequenz in dieser Hinsicht gegenübergestellt und es wird klar, dass ein Kinderzimmer eine Art »Spielzimmer« sein sollte.

Daneben gibt es mit den Figuren »Ratz« und »Rübe« zwei Puppen, welche freche, »unverfälschte« Kinder darstellen sollen und in Darstellung die Sesamstraße und Muppets vorwegnahmen.

Der anarchische Witz von Oswin und Nickel, sowie die Knet-Tricksequenzen waren wegweisend und sind auch heute noch sehenswert.

 

Fazit:

Auch wenn der reformpädagogische Ansatz heute überzogen wirkt, so ist der Rest der »Rappelkiste«-Folgen auch heute noch mit Spaß anzuschauen.

Wer die Serie damals nicht gesehen hat, sollte mal probehalber reinschauen. Aber für Kinder von damals ist die »Rappelkiste« ein Pflichtkauf!

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Eure Meinung:

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DVD:

Rappelkiste, Folge 1-28

BRD, 1973

Darsteller: Michael Habeck und Eberhard Peikert

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Region: Alle Regionen

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

Umfang: 4 DVDs

Studio Hamburg /Edel, 29. Juli 2016

Laufzeit: 840 Minuten

 

ASIN: B01G23743E

 

Erhältlich bei: Amazon

Episoden:

  • 01 Vom Wohnen und vom besser Wohnen
  • 02 Vom Verbieten, Befehlen und Nachdenken
  • 03 Von Jungs und Mädchen
  • 04 Von dem, was Spaß macht
  • 05 Von Leuten, die arbeiten müssen und davon müde werden
  • 06 Vom Saubermachen und vom Dreckigmachen
  • 07 Vom Schlafengehen Müssen
  • 08 Von Großen und Kleinen
  • 09 Von dem, was jeden Abend passiert
  • 10 Vom Andersmachen und vom Bessermachen
  • 11 Vom Suchen und Fragen
  • 12 Von Leuten, die anders sind
  • 13 Vom Reden und Handeln
  • 14 Von guten und schlechten Gewohnheiten
  • 15 Von dem, was man im Fernsehen sieht
  • 16 Vom Siegen und Verlieren
  • 17 Vom Anderswerden und so Bleiben
  • 18 Von Großen und Kleinen
  • 19 Von listigen Kindern
  • 20 Vom Streiten und Sichvertragen
  • 21 Von großen und kleinen Geschwistern
  • 22 Von kleinen Großen und von großen Kleinen
  • 23 Vom Arbeiten
  • 24 Von alten Leuten
  • 25 Unsere Stadt
  • 26 Vom Bauen und Wohnen
  • 27 Vom Ordnungmachen
  • 28 Vom Angstmachen

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Erstellt: 18.08.2016, zuletzt aktualisiert: 27.11.2017 19:32