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Ravinia von Thilo Corzilius

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1986 geborene Thilo Corzilius studiert derzeit noch in Göttingen Evangelische Theologie, liebt es aber auch ins Kino zu gehen, in verschiedenen Bands zu spielen und nicht zuletzt in Länder mit rauerem Klima zu reisen, so wie Schottland. Zudem schreibt er, seit er denken kann und hat es nun mit Hilfe einer Agentur geschafft, seinen Erstling „Ravinia“ bei Piper zu veröffentlichen, der am ehesten in den Bereich der Urban Fantasy zu rechnen ist.

 

Lara bekommt an ihrem sechzehnten Geburtstag neben einem MP-3-Player auch noch einen seltsamen Schlüssel geschenkt, der die Aufschrift „Victoria Street, Edinburgh“ trägt. Was dahinter steckt, erfährt sie erst, als sie das richtige Schloss findet und zu ihrem Erstaunen hinter einer Wohnungstür im Obergeschoss eines Hauses nicht nur Zimmer, sondern eine ganze Straße vorfindet. Als sie einen Schritt hinein wagt, muss sie feststellen, dass sie sich in einer anderen Welt befindet.

Die „Viktoria Street“ ist eine Straße voller kleiner Geschäfte und Handwerkerläden, deren Bewohner sie freundlich empfangen, vor allem ein Schlüsselmacher und sein trickreicher Lehrling Tom.

Sie führen sie nach und nach in die Welt Ravinia ein, in der nicht nur begabte Künstler und geschickte Handwerker mit magischen Talenten leben, sondern auch regelrechte Traumtänzer, die die Welt aus den Angeln heben könnten, wenn man sie nur ließe.

Allerdings ist nicht alles so positiv und friedvoll utopisch in Ravinia wie es scheint – denn auch dort lauert das Böse und hat bereits großen Schaden angerichtet. Und ausgerechnet Lara ist eine Schlüsselfigur in dem nun kommenden Konflikt. Doch um ihre Rolle zu verstehen, muss sie erst ihre eigene Vergangenheit ergründen, was nicht gerade einfach ist...

 

Thilo Corzilius steht in der Tradition von Christoph Marzi und Ralf Isau. Das liegt nicht nur an der Rahmenhandlung, in der wieder einmal eine Jugendliche unserer Realität mit einer magischen Welt in Berührung kommt, sondern auch an der märchenhaft-verspielten Atmosphäre, die die Geschichte ausstrahlt.

Die Geschehnisse werden nicht nüchtern und sachlich betrachtet, sie wirken stattdessen alle ein wenig unwirklich und fremdartig. Auch die Figuren sind sehr archetypisch – das fängt mit dem jungen Mädchen an und hört mit den Feinden auf. Gerade bei letzterem hat man das Gefühl, dass ein wenig das Bild, das J. K. Rowling mit Lord Voldemort geschaffen hat, mit hineinspielt, auch wenn Lara natürlich nicht sonderlich mit dem Fiesling verbunden ist.

Die Ideen sind sehr liebevoll und lebhaft umgesetzt, allerdings merkt man dem Autor noch ein wenig seine Unerfahrenheit an, was den Roten Faden angeht. Das Buch ist eher mäßig spannend, da der große Konflikt schon früh voraus zu ahnen ist und die Handlung selbst zu sehr in die Länge gezogen wird.

So gibt es nur wenige Überraschungen, die Szenen reihen sich mehr oder weniger aneinander – bauen aber nicht unbedingt aufeinander auf. Auch die Figuren sind noch recht blass und unausgereift – gerade die Motive des Bösewichts bleiben im Dunklen. Zu Lara und ihren Freunden kann man auch nicht recht eine Bindung aufbauen, da sie auf wenige Eigenschaften reduziert bleiben

 

Alles in allem überzeugt „Ravinia“ in erster Linie durch seine liebevoll ausgearbeiteten und ungewöhnlichen Ideen, die für die passende Atmosphäre sorgen. Die Spannung bleibt eher auf einem niedrigen Niveau und auch die Figuren könnten noch ein wenig Ausarbeitung vertragen – aber insgesamt ist der Roman das beachtenswerte Debüt eines Autoren, den man durchaus im Auge behalten kann.

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Roman:

Ravinia

Autor: Thilo Corzilius

Paperback, 400 Seiten

Piper, erschienen Februar 2010

Titelbild von n. n.

ISBN-10: 3492267610

ISBN-13: 978-3492267618

erhältlich über: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.03.2011, zuletzt aktualisiert: 11.11.2019 13:33