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Remember von Roland Jungbluth

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1970 geborene Roland Jungbluth studierte Kunstgeschichte und arbeitete in verschiedenen Bereichen, ehe er sich dem Schreiben zuwandte. „Remember“ ist sein Debütroman.

 

Annabel wacht eines Morgens voller Angst in einem karg ausgestatteten weißen Raum auf und weiß zunächst nicht, wo sie ist. Sie erfährt aber sehr schnell, dass sie sich in einer psychiatrischen Klinik befindet, weil sie sich am gestrigen Tag plötzlich an nichts mehr erinnern konnte und auch ihre Eltern nicht mehr erkannt hat. Tatsächlich weiß sie auch jetzt nichts über sich – so als sei ihre Vergangenheit ein unbeschriebenes Blatt. Und sie will immer noch nicht glauben, dass der Mann und die Frau, die sie besuchen wirklich Vater und Mutter sein sollen.

Mit der Zeit entdeckt sie, das in der Anstalt etwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht. Pfleger und Ärzte verschweigen ihr etwas, eine Patientin, die noch schlechter dran ist als sie, weckt ihr Misstrauen durch kryptische Andeutungen.

Allerdings geht es ihr nicht alleine so. Drei Jungen aus der Klinik sind, George, Eric und Michael fühlen sich genau so wie sie, auch sie spüren, dass man sie belügt. Aus diesem Grund tun sich die vier Jugendlichen zusammen und wagen schließlich die Flucht nach vorne.

Denn etwas haben sie alle gemeinsam: Sie erinnern sich an ein Haus an einem See und ahnen, dass sie nur dort Antworten auf die Frage finden werden, wer sie eigentlich sind und was sie in diese Lage gebracht hat. Denn die ganze Zeit leiden sie auch immer wieder unter intensiven Alpträumen, die mit ihrer echten Vergangenheit zu tun haben könnten ...

 

„Remember“ beginnt als Psycho-Thriller. Man erfährt nicht mehr als die Protagonistin selbst und sieht die Welt nur aus ihrer Sicht. Später kommen einige Kapitel hinzu, die auch zu den Jungen überblenden. Vieles passt nicht zusammen – die Jugendlichen verhalten sich anders, als man es von Teenagern der späten sechziger Jahre erwartet, und auch andere Elemente wirken einfach zu modern.

So weiß man, dass vieles aus gutem Grund nicht zusammenpasst und der Zufall gewollt ist. Spätestens durch die Kapitel, die wie ein Interview aufgebaut sind, ist klar, dass er hier mit einem Szenario zu tun hat, dass in der nahen Zukunft angesiedelt ist und mit Weiterentwicklungen der Wissenschaft zu tun hat.

Doch wie genau alles zusammenhängt, löst sich tatsächlich erst am Ende auf. Bis dahin darf man selbst rätseln und vermuten – die immer wieder aufblitzende Paranoia und das Spiel mit Wirklichkeit und Wahnsinn deutet auf eine böse Dystopie hin – und sich dabei auf falsche Fährten laufen lassen.

Aus diesem Grund fordert das Buch gerade im Mittelteil, in dem die Handlung nur dahin zu plätschern scheint und vieles dem Zufall überlassen scheint, auch viel Geduld. Am Ende wird man aber mit einer gelungenen Zusammenführung der Handlungsfäden und einer netten Auflösung belohnt, die nach dem ganzen Hin und Her sehr zufrieden stellt.

Die Jugendlichen wirken sehr lebendig, sie haben ihre Ecken und Kanten, machen Fehler und handeln konsequent – auch am Ende. Das dürfte vor allem erfahrenen Lesern gefallen, die gerne zwischen den Zeilen lesen und unerwartete Wendungen genießen.

 

Alles in allem ist „Remember“ ein interessanter Near-Future-Thriller mit „Science Fiction“-Elementen, die sich erst allmählich erschließen und zu einem zufriedenstellenden Gesamtbild zusammenfügen, so dass die Spannung von Anfang bis Ende erhalten bleibt und zeigt, dass der Autor seine komplexe Geschichte fest in der Hand hat. Allerdings muss man dafür auch etwas Geduld aufbringen, denn zunächst scheint nicht jede Entwicklung die Handlung weiterzuführen. Doch am Ende weiß man, das alles seinen Sinn hatte und den Roman letztendlich doch abrundet.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Remember

Autor: Roland Jungbluth

Arena-Verlag, erschienen Juli 2012

gebunden, 380 Seiten

Titelbildgestaltung: Frauke Schneider

ISBN-10: 3401067575

ISBN-13: 978-3401067575

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-Edition

ASIN: B00AAT6BM2

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 14.12.2012, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54