RHoN ist ein Pen und Paper Rollenspiel, das bewusst einen spätmittelalterlichen Hintergrund mit Nachkriegswirren und düsteren Horrorelementen, vor allem aus dem Volksglauben nutzt. Einige Spieler und Autoren haben sich nun zusammengefunden, um mit ihren insgesamt elf Geschichten genau diese Stimmung in der Folkhorror-Anthologie »RHoN« einzufangen.
Die Inquisitorin Gertrud Walser sucht mit ihrer Schar das abgelegene Dorf Walburgsacker auf. Dort soll, den Gerüchten zufolge das Böse sein Unwesen treiben. Dorfbewohner verstecken sich in einer Fliehburg, aber sind sie wirklich in Sicherheit dort?
Ein Fischer begegnet einer unheimlichen, aber verführerisch schönen Frau, Nordleute überfallen einen Hof, doch eine Mutter beschützt ihr Kind bis zum Letzten. Aber auch eine hartgesottene Söldnertruppe lernt das Grauen kennen.
Nette kleine Fantasy-Abenteuer wie sonst in Rollenspiel-Anthologien üblich, sollte der Leser hier nicht erwarten, denn der Untertitel der Sammlung ist Programm. Tatsächlich bewegen sich die Geschichten nicht nur in einem düsteren Umfeld, sie spiegeln auch die entsprechende Stimmung wieder, denn Überleben ist in dieser Welt nicht immer einfach?
Vor allem wenn Fremde glauben, sich ohne Rücksicht auf Verluste alles nehmen zu können oder das Böse wirklich Gestalt annimmt und unter den Menschen wandelt, dann nur durch neue Grausamkeit enttarnt werden kann.
Daneben gibt es kleine zwischenmenschliche Dramen, Momente der Freude, dann wieder knallharten Horror und Okkultismus, gespickt mit den Abgründen menschlicher Leidenschaften.
Dadurch bekommt man aber auch eine gute Vorstellung von der Welt, die stellenweise an die von Krieg geschüttelten Landschaften Mitteleuropas mit ihren marodierenden Landsknechthorden und den grausamen Inquisitoren im dreißigjährigen Krieg erinnert.
Die Geschichten sind zwar kurz, strahlen aber eine intensive Atmosphäre aus. Vielleicht ist die ein oder andere Story nicht immer stilistisch perfekt, aber gerade diese Mischung zwischen Neulingen und erfahrenen Autoren bringt frischen Wind in die Sammlung.