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Rsiko Deluxe

Rezension von Björn Backes

 

Sondereditionen gibt es zum klassischen „Risiko“-Spiel mittlerweile viele, wirkliche Neuerungen im Spielkonzept allerdings immer nur sporadisch. Zwar hat jede themenbezogene Variante ihre eigenen Tücken und Regelerweiterungen, doch wesentliche Neuerungen brachten zumindest die deutschen Fassungen des Taktik und Eroberungs-Klassikers nicht. Ganz anders sah es in den vergangenen Jahren hingegen mit den ausgefeilten Fassungen aus dem Hause Avalon Hill aus. Insbesondere „Risk Godstorm“ etablierte ein viel facettenreicheres System und bleibt bis heute unerreicht. Aber auch „Risk Ops“ geriet zu einem Schlager innerhalb der Serie, wurde aber ebenso wie die Götteredition nie für den europäischen Markt übersetzt – warum auch immer.

Nun jedoch hat der deutsche Publisher Parker/Hasbro reagiert: Mit einer Neuauflage der Deluxe-Version kontert man nach jahrelanger Ruhe um den klassischen „Risiko“-Vertreter und bietet dem hiesigen Publikum das längst überfällige, überarbeitete Regelwerk. Und auch wenn die AH-Publikationen definitiv unerreicht bleiben: So interessant wie hier war dieses Spiel seit langer, langer Zeit nicht mehr!

 

Spielidee:

Das Spielziel hat sich unterdessen kaum verändert: In „Risiko“ geht es nach wie vor darum, bestimmte Gebiete auf der Weltkarte mit seinen Armeen zu erobern, Kontinente in seinen Besitz zu nehmen oder im Extremfall auch die ganze Welt zu erobern. Die Neuauflage bietet hier gleich drei unterschiedliche Spielvarianten für Einsteiger, Fortgeschrittene und geduldige Profis, die sich vor allem darin unterscheiden, in welcher Quantität die zu erobernden Gebiete vorliegen. So gibt man einerseits die Möglichkeit, das allgemeine Spielprinzip in einer kurzen Runde zu verinnerlichen, andererseits aber auch, die totale Schlacht bis zum letzten Staat auszutragen. Grundsätzliche Veränderungen gibt es zunächst nicht – und dennoch wird der Mechanismus durch einige konzentrierte Details gehörig umgemogelt.

 

Ausstattung:

Das Spielmaterial macht optisch inzwischen eine ganze Menge mehr her als die wirklichen simplen Symbole, die damals der Erstauflage beilagen. Die Truppeneinheiten wurden noch einmal verstärkt, Hauptstädte kommen ins Spiel, und auch auf dem Spielplan sind einige optische Ausbesserungen zu verzeichnen. Damit die Spielübersicht jederzeit gewährleistet ist, gibt es einen ganzen Satz Bögen, in denen von der Truppenanordnung über die Missionsaufbauten bis hin zu den kleinen Feinheiten des Regelwerks noch einmal alles im Großformat erläutert wird. Während des Spiels sollten daher auch keine Fragen offen bleiben!

Übersicht ist dementsprechend auch die größte Stärke der Ausstattung; nur ein Manko bleibt: Es gibt keine Behältnisse für die Truppen, so wie man es aus älteren Editionen gewohnt ist. Ansonsten bleibt alles im grünen Bereich!

 

Spielregel:

Leider ist die Spielregel nicht ganz so doll geglückt; gerade bei der Differenzierung der Spielvarianten. Speziell die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Einsteigerspiel „Grundausbildung“ und dem Fortgeschrittenen-Typus „Kommandozentrale“ werden nur oberflächlich herausgearbeitet, zumal die Zielvorgaben hier sehr ähnlich sind. Generell existiert kein obligatorisches Regelheft, sondern der Aufmachung entsprechend ein Set von Registerkarten, welches man durcharbeiten muss, um die Modifikationen herauszufiltern. Das ist zwar nun keine besonders anspruchsvolle Aufgabe, aufgrund der mangelnden Übersicht (die ausgerechnet im Spielablauf noch perfekt ist) aber nicht so gut gelöst.

 

Die Spielvarianten:

 

1. Grundausbildung

Das nicht ganz so umfangreiche Basisspiel eignet sich perfekt, um die Grundmechanismen des „Risiko“-Spiels kennen zu lernen und vor allem auch den Zugablauf zu verinnerlichen. Die eigentliche Spielidee unterscheidet sich dabei nicht von der bereits bekannten Variante, wenngleich das Spielziel etwas leichter zu erreichen ist, in der standesgemäßen, epischeren Variante. Es geht darum, drei der ausliegenden Missionen zu erfüllen und gleichzeitig seine Hauptstadt in Besitz zu halten. Wem dies als erstem gelingt, der hat dieses Basisspiel gewonnen. Ein zwei Partien mehr – das gilt nun für unerfahrene Spieler – und schon hat man sich für die professionellere Variante qualifiziert!

 

2. Kommandozentrale

Im Prinzip differiert dieser Spielmodus kaum von der „Grundausbildung“. Das Spielziel bleibt unverändert, allerdings sind die Zugmöglichkeiten eine Spur komplexer. Wer erfolgreich erobert, darf sich über Belohnungen freuen, so dass das Spiel grundsätzlich sehr offensiv ausgerichtet ist. Außerdem ist der Startaufbau ein bisschen aufwendiger und schon ein Kernteil der späteren Strategie. Von einer Erweiterung zu sprechen, fällt bei unveränderter Zielvorgabe zwar schwer; doch da das Ziel auf ganz anderen, längeren Wegen erreicht wird, ist die Herausforderung ungleich größer. Auch wenn der Glücksfaktor – man erobert nach wie vor mit Würfelsummen – sich natürlich nicht abschalten lässt; zuletzt ist es auch noch taktischer!

 

3. Eroberung der Welt

Die wohl umfangreichste, nicht immer ganz empfehlenswerte Spielvariante ist schließlich die „Eroberung der Welt“, deren Titel eigentlich schon alles sagt. Erst dann, wenn alle Gebiete von einer Fraktion in Besitz genommen werden, ist das Spiel zu Ende, wobei in diesem Mechanismus auch erste die modifizierten Inhalte so richtig greifen. Erfüllte Missionen der Gegner können bei einem fatalen Eroberungszug übernommen werden. Es kommt dadurch schneller zu konzentrierten Angriffen auf eine Person, da die Auslöschung noch attraktiver ist und man jeglichen Bonus des hilflosen Verteidigers abgreifen kann, sobald er eliminiert ist. Aber natürlich ist dies auch heute nicht einfacher als in den vorherigen Versionen. Zweckbündnisse sind also nicht immer das beste Mittel bei der Siegstrategie.

 

Spielspaß:

Was genau ist aber jetzt neu an der frischen Auflage von „Risiko Deluxe“? Nun, zu aller erst ist die Spielübersicht eine ganz andere. Man agiert nicht mehr verdeckt und kann die Aufträge und Missionen der Gegner jederzeit einsehen. Das ändert natürlich auch den Spielfluss, da man nicht mehr so gezielt darauf achtet, zu viel von seinem Spielziel preiszugeben, und stattdessen bereits darauf ausgerichtet ist, intuitiv die nächsten Schritte der anderen Spieler vorherzusehen. Das steigert den Strategie-Faktor der Neufassung überraschend deutlich.

Außerdem ist die Regel beim Auslöschen der Gegner interessant; man kann den gesamten Besitz eines Kontrahenten übernehmen und sein Vorgehen ganz dahingehend lenken. Dies birgt zwar ein gewisses Risiko – Nomen est Omen – da man womöglich die eigenen Missionen aus den Augen verliert, aber als lukrativer Umweg ist das Ganze durchaus interessant.

Zuletzt sind natürlich die drei Spielvarianten eine wichtige Neuerung und gestalten das Spiel noch einen ganzen Tick abwechslungsreicher. Zwar ist das Prinzip überall gleich geblieben, allerdings kommen mit den Regeländerungen interessante Faktoren ins Spiel, die alle drei Partien – je nach Fortgeschrittenen-Level – zu einem echten Genuss machen. Zu sagen, der Spielspaß war noch in keiner hiesigen „Risiko“-Auflage so groß, ist also nicht mehr als konsequent!

 

Fazit:

Egal wie man es drehen und wenden mag: „Risiko“ ist in grundsätzlich allen Variationen ein berechtigter Brettspiel-Klassiker und wird es immer bleiben. Schön ist allerdings, dass sich die Spielentwickler immer noch ernsthafte Gedanken darüber machen, wie sie den Titel verbessern können, und diese Ideen auch umsetzen. Mit der rundum überarbeiteten Fassung von „Risiko Deluxe“ kommt nun ein sinnvoll modifizierter, prächtiger Ableger in die Regale, der den Titel bestes deutsches „Risiko“-Spiel mit Würde trägt.

(anklicken zum vergrößern)

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Eure Meinung:


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Risiko Deluxe (Neuauflage)

Verlag: Parker/Hasbro

Spielerzahl: 3-5

Spieldauer: abhängig von der Variante 30-180 Minuten

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

ASIN: B001AAIDTE

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 20.11.2008, zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40