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Robert Angelo Masciantonio's Neighbor (BR; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Robert A. wer? Masciantonio. Aha. Nie von dem Herrn gehört. Scheint aber ´ne große Nummer zu sein. Immerhin prangert sein voll ausgeschriebener Name im Titel. Möglicherweise hat der Mann aber auch einfach eine ordentliche Portion Selbstvertrauen intus. Und das muss man auch haben, wenn man sich auf das dünne Eis des vermeintlichen Torture-Porn-Subgenres begibt; eine Spielart des Horrors, die dank Elaboraten wie Hostel (2005) oder der umtriebigen Saw-Reihe (2004-2010) erzürnte Elternverbände und Zensoren gleichermaßen auf die Barrikaden brachte. Nicht völlig zu unrecht, wie man eingestehen muss. Obwohl deren Macher mit Sicherheit keine gemeinen Sadisten sind, sondern vielmehr den schmutzig-radikalen Vorbildern aus den Bahnhofskinos der 70er Jahre Tribut zollten. Und, ganz ehrlich: Was gibt es dagegen einzuwenden; inmitten des nicht enden wollenden Wulstes von beliebig austauschbaren Remakes und lächerlichen Halbherzigkeiten?

 

Dabei ist die Story von Neighbor simpel und rasch erzählt: Irgendwo in der Nachbarschaft treibt ein Killer sein Unwesen. Verzeihung, eine KillerIN. Mit zuckersüßem Charme, dem Einsatz ihrer weiblichen Attribute und nicht zuletzt einem gerüttelt’ Maß an Verschlagenheit lullt die namenlose Schönheit (America Olivio) zunächst ihre vermeintlichen Opfer ein, um danach umso drastischer zuzuschlagen. Wobei es der mysteriösen Brünetten weniger um Geld oder andere wertvollen Besitztümer geht, sondern einzig und allein um das Ausleben ihrer zweifellos und deutlich ausgeprägten, sadistischen Neigungen. Doch was für die Opfer unglaubliches Leid bedeutet, stellt für die Brünette das Wiederherstellen der heilen Welt dar – zumindest in ihren Augen.

Von all dem weiß der gescheiterte Musiker Don Carpenter (Christian Campbell) nichts. Ihn plagen andere Sorgen. Die On-Off-Beziehung zu Elizabeth (Lauren Rooney) etwa. Oder die Veröffentlichung einer neuen, im heimischen Keller produzierten CD im Rahmen einer groß angelegten Party. Doch die Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis weicht binnen kürzester Zeit dem absoluten Grauen und der Hilflosigkeit, als sich Don in seinem Keller wiederfindet; gefesselt und geknebelt und einer irren Psychopathin ausgeliefert. Und jene Verrückte macht auch keine Gefangenen. Ohne große Plänkeleien kommt sie direkt zum Grund ihres Überraschungsbesuchs. Doch leider sind die Intentionen weder von sexueller noch von bedürftiger Natur. Stattdessen lässt sie Don zu einem Versuchsobjekt ihrer entarteten Passionen werden; gefolgt von Elizabeth und schließlich seinen nichts ahnenden Kumpeln …

 

»Neighbor« ist klein, schmutzig und bitterböse. Generell gibt es daran auch nicht viel auszusetzen, besonders, wenn im Grunde (fast) alles richtig gemacht wird. Zugegeben, mit dem reichlich überschaubaren Plot wird Masciantonio sicherlich keinen Preis gewinnen. Was den Film dann aber wiederum deutlich aus der Masse ähnlich gearteter Machwerke herausragen lässt, ist die superbe Besetzung der namenlosen Hauptdarstellerin. America Olivio verpasst ihrem durchgeknallten Alter Ego durchgehend eine Leinwandpräsenz, in der sich die physischen Vorzüge der hübschen Dame mit rabenschwarzem, bitterbösem Humor ergänzen. Dadurch wirkt der Film gleich nicht ganz so bierernst, lässt aber gleichermaßen die Leiden ihrer Opfer umso intensiver wirken. Apropos: Was das Quälen und Verstümmeln anbelangt, so wird hier ziemlich kreativ umgesprungen. Improvisation lautet das Motto. Und in diesem Falle bedeutet dass unter anderem den ungewöhnlichen Einsatz von Haushaltsgeräten wie einer Bohrmaschine oder einem Pizzaschneider. Zimperlich ist anders.

Könnte man zumindest annehmen. Doch allerspätestens nach der zweiten Abblende oder dem x-ten, widersinnig vollzogenem Schnitt, machen sich Zweifel breit. Sollen wir die Resultate der Foltermethoden in unserem Kopf zusammenfügen? Ist dem Regisseur das Geld knapp geworden? Was ist hier los?

Ein Blick auf die immer wieder informative Seite Schnittberichte.com liefert schließlich Antworten. »Neighbor« ist geschnitten – und zwar um mehr als vier Minuten und größtenteils so dermaßen rabiat, dass es wehtut. Kein Wunder also, wenn ganze Passagen – vor allem eine Traumsequenz im Mittelteil – völlig sinnlos erscheinen! Was manch einer sicherlich auch über den kompletten Film denken mag, doch will »Neighbor« auch kein auf Hochglanz getrimmtes Massenprodukt sein. Vielmehr ein hundsgemeiner, kleiner Streifen, bei dem sich auch der eine oder andere Gorehound schaudernd abwenden soll. Teilweise gelingt dies dem Film sogar. Mehr noch: aufgrund der wirklich effektiven Regie und dem gestochen scharfen Bild der Blu Ray wächst »Neighbor« stellenweise sogar über sich hinaus – bis zum ersten kruden Schnitt. Ab da beginnt der Ärger. Und wird größer. Bis man schließlich frustriert die Scheibe aus dem Player nimmt.

 

Fazit:

»Neigbor« besitzt trotz der simplen Story sehr viel Potenzial. Dank der stringenten Story, dem schwarzen Humor und einer gleichermaßen attraktiven wie gut aufgelegten Hauptdarstellerin wird praktisch alles richtig gemacht – bis die unüberschaubare Anzahl willentlicher und besonders schlecht ausgeführter Schnitte den vermeintlichen Kracher auf Knallerbsengröße reduziert und jeglicher Kontext flöten geht. Das sich sämtliche geschnittenen Szenen zudem in dem gelungenen Making-of wieder finden, wirkt daher umso ironischer.

Eure Meinung:


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BR:

Robert Angelo Masciantonio's Neighbor

Originaltitel: Neighbor

USA 2009

Regie: Robert A. Masciantonio

Format: Widescreen

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

FSK: 18

Umfang: 1 BR

Slendid, 28. Januar 2011

Spieldauer: 82 Minuten

 

ASIN: B0044DX1IC

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

America Olivio

Christian Campbell

Pete Postiglione

Joe Aniska

Sarah McCarron

Mink Stole


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Erstellt: 24.02.2011, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23