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Rom und seine großen Herrscher

Filmkritik von Christel Scheja

 

In den letzten zehn Jahren sind BBC-Dokumentationen vor allem dadurch bekannt geworden, dass sie auf wenig aufdringliche Weise Information und Unterhaltung miteinander verbinden und dem Zuschauer präsentieren.

Diese geschickte Mischung von aufwändig gestalteten Spielszenen und dokumentarischem Bericht findet sich seither in allen Produktionen, egal ob die Sendungen oder Serien nun geschichtliche, biologische, paläontologische oder geologische andere Themen behandeln. Die Dokumentationen nutzen die Weiterentwicklung der Computertechnik zu ihren Gunsten und lassen vergangene Zivilisationen oder ausgestorbene Wesen wieder zu neuem Leben erstehen.

 

So auch in der Reihe „Rom und seine großen Herrscher“. Sechs berühmte Männer, Feldherren wie auch Politiker, Reformer und Tyrannen stehen im Mittelpunkt der einzelnen Folgen.

 

Episode 1: Caesars Spiel um die Macht

Der Aufstieg und jähe Fall von Gajus Julius Caesar zum mächtigsten Manne Roms um das Jahr 50 v. u. Z. kündete aber noch andere Veränderungen in der Struktur der Weltmacht aus. Mit dem Untergang der Republik begann die Herrschaft einzelner Männer mit der Unterstützung der Armee.

 

Episode 2: Neros Wahn

Viel ist über den verrückten Künstlerkaiser gesagt worden, und die Geschichte Roms lastete ihm lange Zeit den Brand Roms im Jahre 64 u. Z. an. Doch stimmen wirklich alle Behauptungen und hat er neben seinen Grausamkeiten nicht auch noch Gutes im Sinn gehabt und vielleicht auch bewirkt?

 

Episode 3: Kampf des Tiberius

Auch in den Zeiten der Republik gab es bereits Korruption und Tyrannei in Rom, unter der vor allem die unteren Bevölkerungsschichten zu leiden hatten. Der junge Patrizier Tiberius Graccus versuchte in der Mitte des 2. Jh. v. u. Zeit massiv dagegen anzugehen.

 

Episode 4: Aufstand der Juden

Habgierige und korrupte Statthalter machen die Provinz Palästina immer wieder zu einem gärenden Pulverfass, so dass es schließlich um 70 n. Chr. zu einem blutigen Aufstand kommt. Rom statuiert ein grausames Exempel und ebnet zwei Feldherren, Vespasian und Titus, mit diesem Auftrag den Weg zum Kaiserthron.

 

Episode 5: Konstantins Flammenkreuz

Im vierten Jahrhundert u. Z. liegt die Macht nicht mehr nur in den Händen eines Kaisers. Der junge Konstantin nutzt die erstarkende Bedeutung des Christentum, um seine politische Macht zu stärken und erhebt es schließlich zur Staatsreligion.

 

Episode 6: Der Untergang

Auch wenn das römische Reich längst zerfallen ist und sich fremde Völker in seinem Gebiet breit gemacht haben, so klammert sich der letzte Kaiser doch immer noch an die Macht. Zum entscheidenden Zünglein ander Waage aber wird der Gotenkönig Alarich.

 

Bonus-DVD: Collosseum

Im Schatten eines noch heute bekannten und berühmten Bauwerks spielten sich im Altertum viele kleine Schicksale ab. Die Dokumentation ist den Gladiatoren gewidmet, die in der Arena zum Vergnügen der Massen kämpften und starben. Sie geht ihrem Leben, ihren Chancen und Möglichkeiten ohne Pathos und Verklärung nach.

 

„Rom und seine großen Herrscher“ lebt vor allem von seinen hervorragend gestalteten Spielszenen, die die Geschichte lebendig werden lassen. Man verzichtetet weitestgehend darauf, die Stätten der Handlung in ihrem heutigen Zustand zu zeigen und Archäologen zu Wort kommen zu lassen. Stattdessen erklären verschiedene Historiker die Hintergründe und schlagen so Brücken zu den einzelnen Szenarien, die sich vor allem auf die Menschen hinter den großen Namen konzentrieren.

Welche Charakterzüge zeichneten Caesar, Tiberius Graccus oder Nero aus? Inwieweit wurden sie durch Erlebnisse in der Kindheit und Jugend und ihr Umfeld beeinflusst und geprägt? Welche Macht übten andere Personen auf sie aus?

Wie wurden sie durch die Macht, die man ihnen in die Hände legte, oder ihre Erfolge korrumpiert und verändert? Wie erging es anderen historischen Persönlichkeiten in ihrem Umfeld und wie erlebten sie ihre Zeitgenossen?

Die Beantwortung dieser Fragen nimmt mehr Raum ein als die ausführliche Schilderung ihrer Taten. Es ist nicht wichtig, was sie getan haben, sondern wie und warum die großen Männer Roms so gehandelt haben und was sie aus den Ergebnissen machten.

Heraus kommen überraschende Erkenntnisse und Schilderungen, die manchmal sehr stark von dem abweichen, was man bisher aus der Schule oder anderen Dokumentationen erfahren hat und einen nachdenklich machen. Das ein oder andere Vorurteil - gerade was Nero betrifft - wird ausgeräumt. Und so sympathisch einem der ein oder andere Mann in der Episode dann auch werden mag - die Schattenseiten der entsprechenden Persönlichkeit wie Machtgier oder Skrupellosigkeit werden nicht verschwiegen.

 

Man sollte sich zwar immer vor Augen halten, dass die Dokumentation selbst auch nicht unbedingt objektiv ist, da sie die Meinung der Drehbuchautoren und beratenden Historiker wiedergibt, interessant ist aber ihre Umsetzung. Durch die Spielszenen wird eine Nähe geschaffen, die man sonst nicht hat. Man merkt dass nicht mehr länger nur Laiendarsteller sonder richtige Schauspieler eingesetzt werden, die den Szenarien wirkliches Leben verleihen und auf Fernsehfilmniveau bringen.

Ähnliches lässt sich zu der Bonus-DVD sagen, allerdings ist der Dokumentation „Colosseum“ durchaus anzumerken, dass sie noch ein paar Jahre älter und ganz offensichtlich eines der ersten in diesem Stil gedrehten Infoprogramme. So wirken die Schauspieler gerade in den ruhigeren Szenen noch etwas steif und man bringt auch noch mehr Filmaufnahmen der Ruinen ein.

Die Bild und Tonqualität der drei DVDs lässt nichts zu wünschen übrig, allerdings ist es bedauerlich, dass nur die deutsche Tonspur zu finden ist und nicht auch noch die englische und ansonsten an Extras eher gespart wurde. Die Aufmachung der Box ist sehr Edel, der aufklappbare Papptray befindet sich in einem schön gestalteten Schuber.

 

Interessant ist „Rom und seine großen Herrscher“ für alle an Geschichte Interessierten oder die es werden wollen. Die Doku-Serie beweist, dass man selbst trockene historische Fakten spannend aufbereiten und die Menschen hinter den reinen Daten lebendig machen kann.

Die einzelnen Folgen sind sehr kurzweilig und vermitteln viele Informationen in einer angenehmen und einprägsamen Form. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Blick in die Serie zu wagen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051823096d535841
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DVD:

Rom und seine großen Herrscher

Regisseure: Nick Murphy, Nick Green, Chris Spencer, Andrew Grieve, Tim Dunn

Darsteller: Sean Pertwee, John Shrapnel, Peter Firth, James D’Arcy, Geraldine James

Bildformat: 16:9

Synchro: dt. (2.0), Untertitel: dt.für Hörgeschädigte

Spieldauer: 270 Min. (6 x 45 min), Extras: BBC-Doku „Colloseum“ (50 min), 3 DVD

FSK: Ohne Altersbeschränkung da Infoprogramm

Polyband & Toppic Video/WVG, erschienen 28. September 2007

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 12.10.2007, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01