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Ruf der Dämmerung von Riana O´Donnell

Rezension von Christel Scheja

 

Auch heute fasziniert die irische Sagenwelt immer noch Leser und Leserinnen aus aller Welt, denn die Elfen und Feenwesen haben immer noch nichts von ihrer Faszination verloren. Das mag daran liegen, dass sie auch dem etwas düstereren Geschmack der heutigen Zeit entgegen kommen, denn nur wenige von den Bewohnern der Anderswelt sind den Menschen freundlich gesonnen.

So spinnen immer wieder neue Autoren ihr Garn und richten sich dabei gerade an die jungen Leser. So wie die Autorin Riana O’Donnell, hinter der sicherlich keine gebürtige Irin steckt sondern eher eine deutsche Autorin, die heute mit ihrer Familie in Spanien lebt. Sie präsentiert nun „Ruf der Dämmerung“.

 

Weil ihre Mutter für einige Monate im Ausland weilt, wird vereinbart, dass Viola für ein Jahr Deutschland verlässt und zu der neuen Familie ihres Vaters geht. Dieser hat sie vor ein paar Jahren verlassen und lebt nun mit seiner Jugendliebe und zweiten Frau auf einem Campingplatz in einer der malerischsten Regionen Irlands.

Das Mädchen kommt mit gemischten Gefühlen in das ihr fremde Land, freundet sich aber schon bald mit ein paar Studenten an, die auf dem Platz jobben. Sie versucht sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, die nicht ganz so komfortabel ausgestattet ist wie ihr Zuhause in Braunschweig. Denn vor allem das Internet will zunächst einmal nicht funktionieren, durch das sie mit der Mutter und der besten Freundin kommunizieren kann.

Die anderen versuchen sie eher dazu zu ermuntern, die schöne Landschaft zu genießen und die restliche Ferienwoche auszunutzen, um im Stall zu helfen und zu reiten – aber das ist etwas, zu dem Viola überhaupt keinen Bezug hat.

So geht sie immer wieder ganz gerne am Ufer des nahegelegenen Bergsees spazieren und begegnet dabei eines Tages einem Jungen mit fahlblonden Haar und dunkelblauen Augen, zudem sie sich seltsam hingezogen fühlt. Schon bald bekommt sie heraus, dass er ein Kelpie ist, ein Geisterpferd aus der keltisch-irischen Mythologie.

Genau wie die anderen seines Volkes muss er sich von der Lebenskraft der Menschen ernähren, die dadurch ihr Leben verlieren. Aber dennoch hält sie engen Kontakt zu ihm. Denn Ahi ist anders als die anderen Kelpies, denn er will eigentlich die Sterblichen nicht umbringen und hat sich zudem in Viola verliebt. Doch kann eine solche Liebe zwischen den Welten Bestand haben, wenn auch andere Umstände dagegen sind?

 

Zunächst einmal liest sich „Ruf der Dämmerung“ wie in typischer Mädchenroman. Die fünfzehnjährige Viola muss sich nicht nur in einer fremdartigen Umgebung zurecht finden, sondern auch an die neue Familie des Vaters gewöhnen, die sich stellenweise recht launisch zeigt – vor allem die hochschwangere zweite Frau. Man erfährt ein wenig über das Leben in Irland, die typischen Gebräuche und Gewohnheiten der Menschen. Angenehm ist, dass die Autorin nicht den Klischees folgt und Viola die Liebe zu den Pferden entdecken, sondern sie weiterhin wie ein Stadtkind handeln lässt. Erst ganz langsam fließen die phantastischen Elemente in die Geschichte ein – sie bleiben aber auch den Rest des Buches über verhalten. Lange bleibt Ahi geheimnisvoll, erst nach und nach werden die Rätsel um ihn gelöst, da er immer wieder ungewöhnliche Kenntnisse und Fähigkeiten zeigt. Ansonsten entspricht er den gängigen Klischees. Er sieht gut aus, ist liebevoll und freundlich und den anderen Jungs in dem überlegen, auf das es ankommt – seiner Ausstrahlung gegenüber den Mädchen,

Das Buch ist insgesamt sehr stimmungsvoll geschrieben, aber es geschieht über weite Strecken hin nichts wirklich aufregendes oder dramatisches. Das hebt sie sich für den Höhepunkt auf, als die Kelpies überraschend von Außen bedroht werden.

 

„Ruf der Dämmerung“ erweist sich damit als ein leidlich spannendes Buch um die ganz alltäglichen Abenteuer in einem fremden Land, das ganz anders als die alte Heimat ist, ein mythisches Geheimnis aus der Sagenwelt Irlands und nicht zuletzt um die erste große Liebe, die hier immerhin nicht auf rosaroten Wolken schwebt, sondern eher nüchtern geschildert wird und bald schon einen bitteren Beigeschmack bekommt. Es wendet sich an alle Mädchen zwischen zwölf und fünfzehn Jahren, die es nicht ganz so kitschig sondern lieber ein wenig düsterer mögen.

 

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Ruf der Dämmerung

Autorin: Riana O´Donnell

gebunden, 414 Seiten

Boje, erschienen April 2009

Einbandgestaltung von Kathrin Schüler

ISBN-10: 3414822083

ISBN-13: 978-3414822086

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.05.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53