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Ruf des Mondes von Patricia Briggs

Reihe: Mercy Thompson, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

In den letzten zwanzig Jahren scheint es in der amerikanischen Phantastik zum Trend geworden zu sein, mythische Wesen wie Elfen, Vampire oder Werwölfe mitten unter den Menschen leben zu lassen.

Nicht mehr länger sind sie nur bösartige Feenwesen oder blutrünstige Monster, die von den Helden vernichtet werden müssen, sondern „Menschen“ wie du und ich, die zwar ein Doppelleben führen, aber genau so in Sozialstrukturen eingebunden sind, wie jeder andere auch. Das merkt man auch an „Der Ruf des Mondes“ von Patricia Briggs, mit dem ihre Reihe um die Gestaltwandlerin „Mercy Thompson“ beginnt.

 

Sie ist dank ihres indianischen Vaters eine „Walkerin“, ein Mensch, der sich seit seiner Geburt in einen Kojoten verwandeln kann. Da keine anderen ihrer Art in der Nähe waren, wurde sie kurzerhand von einem Werwolfrudel aufgezogen, mit dem sie auch heute noch immer freundschaftlich verbunden ist.

Inzwischen besitzt sie eine kleine Autowerkstatt und schlägt sich mit Reparaturarbeiten durchs Leben. Eines Tages jedoch taucht ein junger Mann in abgerissenen Kleidern bei ihr auf. Sie spürt gleich, dass mit „Mac“ etwas nicht stimmt, nimmt ihn aber trotzdem bei sich auf, auch wenn das Ärger bedeuten könnte.

Ihr Verdacht wird bestätigt. Schon wenige Tage später ermorden unbekannte den jungen Fremden auf bestialische Art und Weise. Nach dem ersten Schock wendet sich Mercy an Adam, den Anführer des Wolfsrudels und zieht ihn zu Rate. Sehr schnell finden die beiden heraus, das wesentlich mehr als nur ein Racheakt hinter allem zu stecken scheint, denn „Mac“ starb nicht nur durch den Angriff, sondern wurde auch schon vorher durch Silbernitrat vergiftet.

Als die Unbekannten heraus bekommen, dass ihnen jemand nachspürt, gehen sie zum Angriff über und bringen Mercy und Adam - wie auch deren Rudel - in tödliche Gefahr. Denn je näher die beiden ihrem Geheimnis kommen, desto mehr sind sie bereit, auch über Leichen zu gehen...

 

Romane die so konzipiert sind wie „Ruf des Mondes“ erinnern sehr oft auch vergleichbare Kriminalromane. Zunächst werden die Personen in ihrem normalen Lebensumfeld und Gefüge von Beziehungen vorgestellt, erst dann kommt die Figur ins Spiel, die alles auf den Kopf stellt und die Gegebenheiten verändert. Interessanterweise wird Mac, dafür, dass er wieder so schnell aus der Handlung verschwindet, doch sehr ausführlich vorgestellt.

Erst dann geht es richtig zur Sache.

Die Ermittler wider Willen geraten immer mehr in das Schussfeld ihrer noch unbekannten Gegner. Zusammen mit ihren Freunden müssen sie heraus finden, was los ist, bevor ihnen die Zeit wegläuft. Zwar gelingt das in „Ruf des Mondes“ recht gut, aber da nicht alle Spuren zu einem Ergebnis führen, kann man durchaus davon ausgehen, das diese Handlungsfäden auch in kommenden Romanen wieder aufgegriffen werden.

Zwar wirken Patricia Briggs‘ Figuren sehr lebendig und man wird vor allem mit Mercy Thompson recht schnell warm, eine Charakterentwicklung findet jedoch nicht statt. Immerhin versucht Patricia Briggs immer wieder auf die Natur ihrer Protagonisten einzugehen und ihre tierische Seite nicht zu vergessen - letztendlich bleibt sie dort aber auch verhaltener als sie müsste.

Die wenigen Informationen die zu den Werwesen eingestreut werden, werden dem eigentlichen Abenteuer untergeordnet, und die Autorin bedient auch so manches Klischee - sei es nun, dass die eigentlich recht selbstbewusste Mery sich doch schon einmal ganz gerne an den starken Adam anlehnt oder die Gegenspieler in der Wahl ihrer Methoden und ihres Vorgehens nicht gerade einfallsreich sind und wie normale Kriminelle wirken.

Das ist gleichzeitig die größte Stärke aber auch Schwäche des Romans: Einerseits weiß man so lange nicht, ob die Gegner normale Menschen oder ebenfalls Werwesen sind, andererseits lässt die Handlung auf weiten Strecken auch jeden phantastischen Touch vermissen und liest sich eher wie ein ganz normaler Thriller.

 

„Ruf des Mondes“ bietet zwar solide Unterhaltung mit sehr starken Thrillerelementen, man sollte allerdings nicht zu viele übersinnlichen Momente erwarten und Spaß an den Schilderungen amerikanischen Alltagslebens haben.

 

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Ruf des Mondes

Reihe: Mercy Thompson, Bd. 1

Autorin: Patricia Briggs

brischiert, 384 Seiten

Heyne, erschienen November 2007

ISBN 978-3-453-52373-9

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Regina Winter

Titelbildgestaltung von Animagic

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 09.11.2007, zuletzt aktualisiert: 11.11.2019 13:33