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Running Scared (DVD)

Rezension von Sebastian Hogrebe

 

Joey Gazelle bekommt von seinem Boss Tommy Perello, dem Sohn des örtlichen Paten, den Auftrag drei Pistolen verschwinden zu lassen. Der Grund: mit diesen Pistolen wurden gerade zwei Polizisten erschossen. Nachdem Joey das aber vermasselt beginnt eine wahre Nacht der Herzinfarkte für den Mafiosi, der den Rest der Nacht durch die Stadt hetzt, um sein Leben zu retten.

Eigentlich hat Joey im Keller ein gutes Versteck für die Waffen. Doch sein Sohn und dessen Freund, der Sohn der russischen Nachbarn, Oleg, beobachten ihn dabei, wie er die Waffen versteckt. Als Joey dann mit seiner Familie beim Abendessen sitzt wird im Nachbarhaus plötzlich geschossen und als sich der Rauch legt findet Joey heraus, dass Oleg die besonders auffällige Waffe von Tommy aus dem Versteckt gestohlen hat, um damit seinen Vater zu erschießen. Von da an gibt es für Joey nur noch selten Gelegenheit zu verschnaufen.

 

Die Geschichte des Films ist verschachtelt und jede der Schachteln enthält etwas Unerwartetes. Auch wenn man mit ein wenig Aufmerksamkeit meist sehr schnell im Voraus erkennt welche Überraschung als nächstes präsentiert wird. Es gibt wohl nur eine einzige Überraschung am Schluss des Films, die tatsächlich überrascht. Schaut man den Film noch einmal, sieht man allerdings auch auf diese Wendung viele Hinweise. Weiter wirkt die Geschichte in einigen Bereichen wie an den Haaren herbei gezogen oder viel zu überfrachtet. Als ob Kramer möglichst jede Form des Bösen in der einfachen (amerikanischen) Gesellschaft zeigen will. Es wird jedoch nur präsentiert, was man in der einen oder anderen Form schon als Klischees oder Fakt kennen dürfte.

Nach einem blutigen und actionreichen Anfang bekommt der Zuschauer erst einmal Gelegenheit Atem zu holen, während ihm das Familienleben einer Durchschnittsfamilie präsentiert wird. Und dies wirkt durchaus realistisch, da Wäsche gewaschen, das Abendessen gekocht und dem Vater getrotzt wird. Als dann aber eine Kugel durch das Essen fliegt beginnt der eigentliche Film. Nun beherrscht Tempo oder drohende Gefahr die Szenen und Atmosphäre.

Es gibt viele kleine Ideen in dem Film, die die Klischees und überflüssig wirkenden Teile des Films dennoch sehenswert machen und es schaffen den Zuschauer zu fesseln. Zudem wirkt die Geschichte, bis auf das Ende des Films, immer sehr natürlich, auch wenn dies vielleicht von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Kultig ist die Prise schwarzen Humors, die immer wieder aufblitzt und sich nicht vor Tarantino oder Rodriguez verstecken muss. So wird John Wayne, der eigentlich eine Nebenrolle hat, in diesem Film dreimal erschossen, wenn auch nur einmal in Person. Und eine bekannte Werbung wird mit bestem Sarkasmus verulkt.

Sehr gut gelungen sind die Charaktere, die in der Geschichte vorkommen, ob sie nun zu viel des Guten oder zu sehr Klischee sind. Sie verhelfen diesem Film zu seinem eigenen Stil und es macht Spaß sie zu betrachten. Sie sind aber leicht zu durchschauen, falls sie sich mehr oder weniger kunstvoll tarnen, auch und gerade wie sie in die Geschichte eingeführt werden. Positiv ist auch zu bewerten, dass die Kriminellen in diesem Film weder glorifiziert noch verharmlost werden. Am Schluss des Films wird sehr deutlich was für Tiere das eigentlich sind.

 

Die Leistung der Darsteller ist fast perfekt. Die Nebendarsteller verkörpern ihre Charaktere überzeugend, die Darsteller der Hauptfiguren liefern eine grandiose Vorstellung ab. Die Kinder müssen zwar nicht viel leisten, machen aber zumindest nichts falsch. Alex Neuberger liefert von den beiden sicherlich die bessere Leistung. Palminteri mimt sehr überzeugend den skrupellosen und korrupten Polizisten, Vera Farmiga die am Ende ziemlich mitgenommene Ganovenfrau. Auch die Ganoven, russische wie italienische, werden von den Akteuren mit Leben erfüllt.

Und wer kleine oder größere Bedenken hatte was den Hauptdarsteller angeht, der wird sehr positiv überrascht sein. Paul Walker, der sonst so typisch amerikanische Sonnenscheinjunge, überzeugt in fast jeder Hinsicht und sieht sogar aus wie ein kleiner mieser Ganove. Er zeigt, dass er wirklich schauspielern kann.

 

Bild und Ton sind eine beeindruckende und passende Komposition. Mit düsteren Farben, schnellen Schnitten, vielen Nahaufnahmen oder Ausschnitten (oder beiden in einem) wird eine dichte und bedrohlich düstere Stimmung geschaffen und eine fast unheimliche Nähe erzeugt. Die Spezialeffekte verbinden Elemente aus Matrix, der Referenz für Actionfilme, und CSI, der Hochglanzserie über die Spurensuche der amerikanischen Polizei, zu einem stimmigen Mix. Nur in einer Szene am Schluss, in der Joey mit einem Eishockeypuck malträtiert wird, sind sie nicht gelungen.

Der größte Teil des Films ist frei von Gewalt und Blut, wenn man Beschimpfungen und Drohungen nicht zählt, aber wenn es zur Sache geht, dann brechen alle Dämme. Einige Szenen könnten sogar aus einem Splatterfilmes sein. Trotzdem wird auch an diesen Stellen nichts wirklich Unmögliches präsentiert.

Da die vorliegende Version des Films auf DVD ein Presse-Muster mit, laut Hersteller, reduzierter Qualität aufwartet, kann über Bild und Ton kein Urteil abgegeben werden. Allerdings weiß auch die abgespeckte Version zu beeindrucken und so manche DVD mit „bester“ Qualität weist ähnliche Sprünge in der Lautstärke ohne ein schlechteres Bild auf.

Da auf der DVD nur die deutsche Tonspule vorhanden ist konnte sie nicht mit dem Original verglichen werden. Die deutschen Stimmen wirken aber kraftvoll und passen gut zu den Darstellern.

 

Zusammenfassend kann man aber den Film sagen, dass er mindestens so kultig wie ein Tarantinostreifen daher kommt, wobei er den Vorteil einer ernst gemeinten und an der Realität angelehnten Geschichte hat. Ein wirklich guter Streifen, bei dem die Leistung von Walker viele kleine Punktabzüge aufwiegt. Nur das völlig überfrachtete und viel zu gefühlsduselige Ende verhindert die Auszeichnung zu einem der besten Filme aller Zeiten.

Eure Meinung:


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Film:

<i>&copy; e-m-s</i>

Running Scared

VÖ: 13.07.06 (Verleih)

31.08.06 (Kauf-DVD)

FSK: ab 16

Genre: Thriller

Länge: ca. 117 Min.

Land: USA

Jahr: 2006

ASIN: B000GJ0IPC

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Paul Walker (Joey), Vera Farmiga (Teresa), Chazz Palminteri (Rydell), Cameron Bright (Oleg), Alex Neuberger (Nicky Gazelle), Karell Roden, Ivana Milicevic (Mila), Arthur Nascarella (Perello), Bruce Altman (Dez), Elizabeth Mitchell, Shawn Hatosy, Wayne Brady, Michael Rappaport, Jacqueline Obradors, John Messner

 

Regie/Drehbuch:

Wayne Kramer

 

Vertrieb:

e-m-s

Weitere Infos:

Website: www.runningscaredthemovie.com

 

Es wurde ein Pressemuster rezensiert. Daher können leider keine Aussagen über das Cover, Bonusmaterial, Bild- und Soundqualität gemacht werden.


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Erstellt: 28.07.2006, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01