Sanctum von Markus Heitz

Rezension von Goswin

 

Im September 2006 erschien im Knaur-Verlag der Roman "Sanctum" von Markus Heitz. "Sanctum" ist die Fortsetzung des im April 2006 erschienenen Romans Ritus. Wie Teil eins ist auch dieser Roman zu einem Preis von 12.95€ zu haben.

Die Aufmachung ist wieder sehr gut gelungen. Das in schwarz gehaltene Cover zeigt in grünen, erhabenen Buchstaben den Titel, der Hintergrund zeigt geschwungene Ornamente, wobei ein Teil des Covers verspiegelt ist. Wieder setzt sich das Design im Innern fort. Jede Seite auf der ein neues Kapitel beginnt, zeigt den Schatten des Coverbildes.

Der Titel ist diesmal weitaus besser gewählt, ohne große Gedankensprünge machen zu müssen, ist ein deutlicher Bezug zum Inhalt gegeben, ohne dass der Titel dabei einem potentiellen Käufer zuviel verrät.

Im Anhang des Buches gibt es einen kurzen Kommentar des Autors, in dem er aber nur auf einen kleinen Teilaspekt der Handlung eingeht und weitere Romane dieser Art verspricht bzw. androht.

 

Während es ein großer Makel des ersten Teils war, dass dieser nicht als Teil einer Reihe gekennzeichnet war, so finden sich auf dem Buchrücken dieses Romans ein entsprechender Hinweis und ein kleines Bild des "Ritus"-Covers. Damit hat es sich dann aber auch, kein Rückblick, keine Zusammenfassung oder sonstige Hinweise auf den Inhalt des ersten Teils. Zwar ist die Lücke zwischen den Erscheinungsterminen nicht gerade groß, aber trotzdem hätte man dem Leser eine Erinnerungshilfe gönnen können.

 

Inhalt:

In den Jahren 1767-77 jagt der französische Jäger Jean Chastel noch immer die Bestien. Doch nicht mehr auf eigene Faust. Äbtissin Gregoria und mächtige Verbündete unterstützen die Jagd, während ebenfalls mächtige Gegner eigene Pläne haben…

 

Auch Eric Kastell jagt in der Gegenwart noch immer Werwesen. Doch wird die Jagd zunehmend komplizierter. Mehrere Gruppierungen mischen sich in die Jagd ein. Bald verliert Eric den Überblick, wer Freund und wer Feind ist…

 

Hintergrund:

Die "Bestie von Gévaudan" um die sich die Romanhandlung des ersten Romans "Ritus" im alten Frankreich dreht, hat es tatsächlich gegeben. Auch wenn bis heute nicht geklärt ist, wer oder was die Bestie war, so sind zumindest deren Taten und die Versuche, sie zu stellen, belegt. Auch einige der Figuren aus der Romanhandlung hat es wirklich gegeben. Wer mehr dazu erfahren will, kann sich im Internet sehr leicht darüber informieren.

Die Handlung von "Sanctum" spielt jedoch zum großen Teil in Rom und hat somit weniger mit der eigentlichen Legende zu tun.

 

Rezension:

Schnell stellt der Leser fest, dass sich der Autor des gleichen Stilmittels wie in "Ritus" bedient hat. Er wechselt kapitelweise zwischen den beiden Zeitebenen und deren Akteuren.

Nahtlos schließt sich die Handlung an Teil 1 an. Liest man beide Bücher direkt hintereinander merkt man auf den ersten Blick keine Unterbrechung.

Doch diese Kontinuität bleibt nicht erhalten. Nach den relativ gradlinigen Handlungen in Teil eins fügt der Autor in "Sanctum" zahlreiche neue Figuren und Gruppierungen ein. Allerdings gelingt es ihm nicht, diese neuen ungleich komplexeren Strukturen für den Leser in einem Gleichgewicht zu halten, welches einerseits so komplex ist, dass der Leser nicht sofort alles versteht, andererseits aber auch interessant bleibt und nicht die Lust am Weiterlesen nimmt.

So ist der Leser gezwungen, den ebenfalls oft verständnislosen Protagonisten auf ihrer häufig planlosen Suche zu folgen.

 

Der Autor baut in Teil zwei darauf, dass er seine Figuren in Teil eins ausreichend charakterisiert hat, denn hier verzichtet er auf entsprechende Szenen. Würde man die Figuren nur ihrem Auftreten in "Sanctum" beurteilen, stünden sie ganz anders da, meist weitaus schlechter.

 

Auch die Veranschaulichung der beiden Zeitebenen ist dem Autor weit weniger gut gelungen. Vor allem die Darstellung Roms vor gut 200 Jahren ist blass ausgefallen. Schnell wird deutlich, dass dem Autor eine ausreichende historische Vorlage fehlt, an die er seine Geschichte binden könnte. War es im ersten Teil die gut dokumentierte Legende von der Bestie, so soll dies hier eine Randnotiz aus der langen Geschichte der Päpste sein. Doch diese ist für die Romanhandlung eigentlich belanglos und so stolpert gerade die historische Handlung unrealistisch vorwärts.

Die aktuelle Handlung bleibt auf dem Niveau des Vorgängers, actionreich und zuweilen ein wenig unglaubwürdig.

 

Während in Teil eins viele Handlungsfäden offen und viele Dinge unerklärt blieben und damit seltsam erschienen, hat der Autor dies nun behoben. Alle Handlungsfäden werden im Laufe von "Sanctum" gelöst und fast alle Merkwürdigkeiten der Handlung erklärt.

Trotzdem bleibt die Handlung weit hinter dem zurück, was man nach dem Lesen von Teil eins erwartet hatte. Die Handlung des zweiten Teils wird viel komplexer, ohne dass es besonders viel Sinn macht. Die Protagonisten verstehen nicht und damit bleibt auch dem Leser, der ja an deren Wissen teilnimmt, keine Chance. So folgt man den unwissenden Figuren bis zum beinahe vorhersehbaren Ende.

 

Das Finale bzw. die beiden Finale sind gleichermaßen erwartet und wenig überraschend. Zwar kann man als Leser nicht voraussehen, wie genau die Handlung ausgehen wird, aber letztlich geht es ohne große Überraschungen ab.

 

Trotz all der Makel, die "Sanctum" aufweist, ist das Buch doch wie auch "Ritus", sehr spannend geschrieben und ungeachtet der über 600 Seiten schnell gelesen. Wiederum benutzt der Autor die Wechsel zwischen den Zeitebenen, um Spannung aufrecht zu erhalten. Aber auch sein Schreibstil und viele actiongeladene Szenen tragen dazu bei.

 

Wie "Ritus" schmückt sich "Sanctum" mit einigen Gewaltszenen. Allerdings gehen diese nicht über jene aus dem ersten Teil hinaus, sind also erträglich.

 

Fazit:

Wer "Ritus" gern gelesen hat, wird wohl gezwungen sein, auch "Sanctum" zu lesen. Allerdings reicht diese Fortsetzung nicht an die vorgelegten Qualitäten heran. Der Autor hätte besser daran getan, seine Version der Legende der "Bestie von Gévaudan" mit "Ritus" zu beenden, statt die Story eher schlecht als recht zu verlängern.

Wer "Ritus" nicht kennt, sollte dann auch besser die Finger von beiden Romanen lassen.

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Sanctum

Autor: Markus Heitz

Broschiert, 500 Seiten

Droemer/Knaur, September 2006

ISBN: 3426631318

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18 | Users Online
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