Im Mittelpunkt der ersten Story Der Preis des Lebens steht der mit seiner Existenz nicht besonders zufriedene Teenager Sexton. Doch dann erlebt er einen Tag mit ganz besonderen Begegnungen. Die merkwürdigste davon ist nicht einmal eine alte Frau, die behauptet, über 250 Jahre alt zu sein und zudem ihr Herz sucht. Eine andere hält sich nämlich sogar für den Tod und bringt ihn in Lebensgefahr.
Der Plot könnte treuen Fans der Netflix-Serie Sandman bekannt vorkommen. Allerdings gibt es auch einige Unterschiede. Neil Gaiman zeigt sich hier als gewohnt großartiger Geschichtenerzähler. Dabei liefert er genau die richtige Mischung aus Tragik, Komik, Fantasie und düsterer Poesie, wegen der seine Werke bei vielen Fans so beliebt sind.
Die zweite Story Die Zeit deines Lebens rückt mit Foxgloves eine Nebenfigur aus »Der Preis des Lebens« ins Zentrum. Die Karriere der Musikerin läuft zwar blendend. Dafür muss sie der Öffentlichkeit aber etwas vorspielen. Und dann schlägt der Tod zu und erfordert eine folgenschwere Entscheidung.
Der Anfang von Story zwei zieht sich etwas in die Länge. Das liegt auch daran, dass es (zu) lange dauert, bis Death auftritt. Aber das Dranbleiben lohnt sich. Denn im letzten Drittel schafft es Gaiman, die Handlung spannender zu gestalten und mit einigen universellen philosophischen Themen zu würzen.
Ist es erforderlich, den Sandman-Kosmos zu kennen, um Death verstehen zu können? Nicht unbedingt. Zwar gibt es vereinzelte Anspielungen – etwa wenn Death über ihre Geschwister redet – oder bekannte Figuren wie Mad Hettie. Hier vertieft eine etwaige Vertrautheit aber nur noch etwas das Lektüreerlebnis.
Für die Bebilderung von Gaimans erzählerischer Vision sind mit Chris Bachalo und Mark Buckingham zwei alte Hasen verantwortlich. Ein visuelles Highlight ist das gleichermaßen gelungene wie stimmige Design der Hauptfigur. In den besten Panels gelingt es den erfahrenen Künstlern zudem, atmosphärisch dichte und teilweise auch schön detaillierte Zeichnungen zu kreieren. Manche ihrer Bilder sind hingegen etwas zu einfach gestrickt und könnten mehr Abwechslung bieten. Insgesamt wirkt die erste Geschichte visuell ein wenig gelungener. Das liegt aber auch daran, dass die Panels vor allem bei Story Nummer zwei teilweise sehr klein werden. Bei einem Softcoverband im klassischen Format sind (bis zu) 16 Panels pro Seite ziemlich viel.