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Schachmatt von Malorie Blackman

Rezension von Christel Scheja

 

Malorie Blackman lockte den Leser in ihren Romanen „Himmel und Hölle“ sowie „Asche und Glut“ in eine Welt, in der die Diskriminierung durch die Hautfarbe in der Gesellschaft üblich ist. Seit langem haben die dunkelhäutigen Alphas die Macht inne, während die hellhäutigeren Zeros auch nach der Befreiung aus der Sklaverei nur als Menschen zweiter Klasse angesehen werden.

Durch die Umkehr dessen, was auf der Erde selbst in einigen westlichen Ländern gang und gebe ist, will sie zeigen, dass es letztendlich nicht darauf ankommt, wie jemand aussieht, sondern dass es einfach nur einen Grund geben muss, einen Teil der Gesellschaft auszugrenzen.

 

In dieser Welt sind Sephie und Callum aufgewachsen und haben sich gefunden, als es Callum erlaubt wurde, auf eine weiterführende Schule zu gehen, die sonst nur für die Alpha bestimmt waren. Doch eine unglückliche Verkettung von Umständen sorgt dafür, dass Callum schließlich zu einem erbitterten Befreiungskämpfer wider Willen wird und sterben muss. Sephie bleibt nicht nur mit gebrochenem Herzen zurück, sondern erwartet auch ein Kind. Angefeindet von ihrer eigenen Familie, Jonathan, dem älteren Bruder von Callum, und der Gesellschaft, die Mischlinge verachtet, kämpft sie nach der Geburt ihrer kleinen Callie-Rose über viele Jahre um ihr Glück, auch wenn es ihr selbst dabei sehr schlecht geht und sie sich ohne es zu wollen dem Kind entfremdet. In dieser Zeit stehen ihr nur ihre eigene Mutter Jasmin und Callums Mutter Maggie bei.

„Schachmatt“ setzte einige Jahre später ein. Callie Rose ist inzwischen sechzehn Jahre alt und weiß seit etwa acht Jahren, was es bedeutet, zwischen den Welten der Alphas und Zeros zu stehen. Als Achtjährige scheinen die Klassengrenzen noch nicht für sie zu existieren, aber sie wird erstmals damit konfrontiert, als sich eine Freundin nach dem Besuch bei ihr zu Hause einfach von ihr abwendet. Und das ist nur der Anfang. Es ist nicht so, dass sie keine Freunde hätte, denen es egal ist, was sie eigentlich ist – aber die Zahl der Menschen wird größer, die sie wegen ihres Mischlingsblutes verleugnen.

In den folgenden Jahren merkt sie immer mehr, dass so einiges nicht stimmt. Die Konflikte mit ihrer Mutter, die sie irgendwie nicht zu lieben scheint, verschärfen sich immer mehr, vor allem wenn sie Fragen nach ihrem Vater stellt. Dann sperrt sich Sephie ganz ihren Fragen und wird sogar aggressiv.

Als kleines Kind nimmt Callie das noch hin und stellt sich ihren ganz eigenen Vater vor, später geht das nicht mehr. Eines Tages wird sie unerwartet in der Schule mit der bitteren Wahrheit über den Tod ihres Vaters konfrontiert.

Dies ist der Moment, auf den Jonathan nur gewartet hat. Er ist mittlerweile ein gesuchter Mörder und ein wichtiger Mann in der Befreiungsfront und beschließt die Wut und Verzweiflung des jungen Mädchens für seine ganz eigenen Rachegelüste auszunutzen.

 

In „Schachmatt“ spinnt Majorie Blackman die Geschichte um Calumn, Sephie und ihre Tochter weiter. Zwar hat sich in den letzten sechzehn Jahren einiges verändert, aber vieles ist immer noch gleich geblieben – sowohl unter den Alphas als auch unter den Zeros. Denn beide Seiten haben Vorurteile, die sie an denen ausleben, die zwischen den Fronten stehen, wie etwa Callie Rose.

Die Autorin erzählt die Geschichte wieder mit schonungsloser Nüchternheit. Schlaglichtartig wirft sie einen Blick auf die Entwicklung, die zu den Szenen geführt haben, die den Mittelpunkt des Buches bilden. Jasmine lockt ihre Tochter Sephie und Callie nämlich in ihr Haus und sperrt beide im Keller ein. Dann begibt sie sich in ein herunter gekommenes Motel – mit der Jacke, voller Sprengstoff, die sie dem jungen Mädchen abgenommen hat, um ein letztes Mal mit Jonathan zu sprechen. Denn sie will nicht, dass der vor Hass zerfressene Bruder des Geliebten ihrer Tochter den falschen Mann zum Märtyrer macht.

Interessant ist, wie sie hier quasi Rassendiskriminierung, wie wir sie aus den USA und Südafrika kennen mit dem Verhalten der Befreiungsfront in Nordirland verbindet. Gerade britische Leser werden einige sehr vertraute Elemente wieder finden.

Erneut ist die Autorin sehr konsequent in ihren Schilderungen, auch wenn sie am Ende einiges offen lässt.. Wie schon beim letzten Mal gibt es kein wirkliches Happy End, aber zumindest eine Annäherung zwischen einigen Personen. Der Roman endet erstaunlich offen und könnte fortgesetzt werden – aber vielleicht verzichtet die Autorin auch darauf, um den Denkprozess der Leser, der nach der Lektüre eingesetzt hat, nicht zu unterbrechen.

Wieder wirken die Figuren sehr lebendig, auch wenn gerade die Frauen sehr mitgenommen sind, da sie sich meistens mit Schuldgefühlen und Verzweiflung herumschlagen, doch im passenden Moment auch überraschende Stärke entwickeln, so wie Jasmine, die dadurch einiges an Tiefe gewinnt. Wirklich negativ besetzt ist hier eigentlich nur Jonathan, der sich vom Hass hat blenden lassen und bereit ist, über das Leben Unschuldiger zu gehen.

Alles in allem werden die offenen Fäden gelungen zusammen geführt und der Zyklus findet einen interessanten Abschluss, der viele Spekulationen ermöglicht. Doch es bleibt abzuwarten, ob die Autorin eine Antwort auf die noch offenen Fragen gibt, oder dies lieber den Lesern überlässt. Letzteres würde passen, da sie immer sehr darauf gesetzt hat, möglichst nahe am wirklichen Leben zu bleiben.

 

„Schachmatt“ ist zwar auf den ersten Blick so wenig phantastisch wie seine Vorgänger, aber dennoch eine interessante Utopie, die durchaus Facetten unserer eigenen Welt aufgreift und kritisch widerspiegelt.

Das Thema ist auch heute noch brandaktuell, da gesetzlich zwar Schranken gefallen sein mögen, im Kopf der Leute aber noch nicht. Zudem weiß es durch die Nähe zu den Figuren und der Realität zu berühren und regt deutlich zum Nachdenken an, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken.

Gerade gesellschaftskritisch interessierte Jugendliche und Erwachsene dürften sich daher von dem Roman und der Reihe angesprochen fühlen.

 

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

FantasyFan01
Sonntag, 10. Oktober 2010 09:52 Uhr
Wunderbares Buch!

Obwohl man teilweise erraten kann, was passiert hält Nina Blazon doch noch viele Überraschngen parat, die den Roman nie langweilig erscheinen lassen.

Die Liebesgeschichte wird zwar wichtig, aber nicht so präsent wie in anderen Büchern, was der Hadlug nur hilft.

Wenn auch das Ende sehr überraschend und plötzlich eintritt ist das gesamte Buch doch auf jeden Fall lesenswert!

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Buch:

Schachmatt

Autorin: Malorie Blackman

Gebunden, 604 Seiten

Boje, August 2010

Übersetzer: Christa Prummer- Lehmair und Katharina Förs

 

ISBN-10: 3414821885

ISBN-13: 978-3414821881

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.10.2010, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54