Schatten aus der Sonnenwelt (Herausgeber: Hephaestion Demetrios Christopoulos)
 
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Schatten aus der Sonnenwelt hrsg. von Hephaestion Demetrios Christopoulos

Spekulative Fiktion aus Griechenland

 

Rezension von Cronn

 

Denkt man an Griechenland, fällt einem sofort Sonne, Strand und alte Tempel ein. Aus dem Geschichtsunterricht hat man eventuell noch die Ideen einiger Philosophen wie Sokrates, Platon und Aristoteles mitgenommen, sowie die Anfänge des Theaters in Athen und die Kriegergesellschaft der Spartaner.

Doch Griechenland bietet noch viel mehr als der Geschichtsunterricht und die Tourismusindustrie hergeben. Es existiert eine kreative Landschaft der Phantastik in Griechenland, von der wir hier nur wenig wissen. Diese Wissenslücke zu schließen, hat sich Hephaestion Demetrios Christopoulos auf die Fahnen geschrieben. Als Herausgeber hat er eine Vielzahl an Autorinnen und Autoren in dem Band Schatten aus der Sonnenwelt – Spekulative Fiktion aus Griechenland versammelt, die den Beweis antreten, wie unterschiedlich die Phantastik in Griechenland ist. Der Verlag Torsten Low hat bereits in der Vergangenheit den verlegerischen Mut gehabt, Phantastik aus anderen Ländern hierzulande aufzulegen.

Aber lohnt sich der Blick über den Tellerrand?

Inhalt und Kritik

Den Reigen beginnt Victor Pseftakis mit Leviathans Ruf. Dem Autor gelingt es von Beginn an eine dichte Atmosphäre zu kreieren. Allerdings lässt er zuviel Leerstellen, sodass der Leser am Ende nicht alle auflösen kann und spekulierend allein gelassen wird. Schade.

 

43 Minuten von Yannis Papadopoulos zeigt eine Dystopie, in der mithilfe von Drogen die letzten 43 Minuten ausgelöscht werden können. Das erinnert an Cyberpunk-Ideen und ist auch reizvoll umgesetzt.

 

Eleftherios Keramidas verbindet in Toxic auf interessante Weise Magie und Technik, indem er seine Hauptfigur ein magisches Buch mithilfe von technischen Mitteln öffnet und ausliest. Doch am Ende wartet eine Überraschung. Sehr gelungene Ideen, sprachlich kunstvoll ausgeführt.

 

Streuner von Vasso Christou entführt den Leser in eine Welt mit magischen Figuren, die sehr dunkel gehalten ist. Dabei kommt Action nicht zu kurz, doch am Ende zeigen sich Längen. Eine Kürzung hätte der Geschichte gut getan.

 

Anthony Paschos bringt bei Stellreflex apokalyptische Science-Fiction mit einem moralischen Dilemma zusammen. Gut geschrieben mit einem leichten Hang zu Übererklärung in der Mitte.

 

Der Honig der Welt und die Krähenkönigin von Dimitra Nikolaidou ist ein Titel, der sofort inspirierend wirkt und neugierig auf die Geschichte macht. Allerdings beginnt sie recht profan mit einer Ausgangslage wie aus einem Comedy-Programm, nämlich im Wartesaal zur Hölle. Leider kann auch der Rest der Geschichte nicht überzeugen.

 

Mit Silberne Glöckchen ertönen überall auf der Welt von Efthymia E. Despotaki beginnt mit einem ersten Abschnitt, der neugierig macht und sprachlich elegant konstruiert ist. Auch der Rest der Geschichte ist interessant gestaltet. Hier verbleibt – wie auch in der ersten Story des Bandes – vieles im Unklaren. Aber hier ist es durch die Bank mysteriös und der Leser hat genügend Denkanstöße, um sich ein eigenes Bild zu erschaffen. Kurz und prägnant, sprachlich souverän. Eine sehr gelungene Geschichte.

 

Kinderly von Atalanti Evripidou ist da anders gestrickt. Hier wird etwas langatmig eine Rettungsgeschichte erzählt, in der es auch um Gestaltwandlung und eine Liebe geht. Im Ansatz ein guter Gedanke, aber zu lang konstruiert. Gegen Ende geht der Story die Puste aus.

 

Kostas Charitos hat mit Das Mädchen und der Schoßgeborene eine Geschichte gesponnen, die im Kern den Zusammenprall verschiedener Charaktere und ihrer Welterwartung trägt. Ein philosophischer Ansatz mit gelungenen Bildern, bei dem jedes Subkapitel einzelne Überschriften trägt, welche den zugrundeliegenden Konstrukten gewidmet sind. Interessant, etwas kopflastig konstruiert, dennoch reizvoll.

 

In Das Pendel von Karthago von Hephaestion Christopoulos wird eine Welt konstruiert, in der es mit der Verkünderin und ihrem Gefolge eine Möglichkeit gibt, mit Toten zu sprechen. Doch was die Toten erzählen, ist für die Hinterbliebenen nicht immer tröstend. Außerdem macht diese Gabe etwas mit denjenigen, welche sie haben. Die Geschichte ist tiefgründiger, als man beim ersten Mal lesen glauben möchte. Auch die Beziehungen innerhalb des Gefolges und zur Verkünderin werden gezeigt. Damit gelingt eine Geschichte, die trotz der Länge bis zum Schluss interessant und gleichzeitig anspruchsvoll bleibt.

Fazit

»Schatten aus der Sonnenwelt« ist eine Anthologie, die beeindruckt. Zugegebenermaßen zündet nicht jede Story gleichermaßen, aber so ist das bei jeder Anthologie. Man sollte als Leser sich diese Art der Zusammenstellung stets als ein Blumenstrauß vorstellen, bei der manche Blume weniger, manche mehr gefällt. Am Ende aber ist das Gesamtwerk zu betrachten und hier im Falle von »Schatten aus der Sonnenwelt« ist ein ansprechender Blumenstrauß zusammengekommen, der einen guten Einblick in die griechische Phantastikszene bietet und lesenswert ist. Ein Lob gebührt dem Verlag Torsten Low, der uns deutschen Lesern dies ermöglicht.

Inhalt

Leviathans Ruf – Victor Pseftakis

43 Minuten – Yannis Papadopoulos

Toxic – Eleftherios Keramidas

Streuner – Vasso Christou

Stellreflex – Anthony Paschos

Der Honig der Welt und die Krähenkönigin – Dimitra Nikolaidou

Silberne Glöckchen ertönen überall auf der Welt – Efthymia E. Despotaki

Kinderly – Atalanti Evripidou

Das Mädchen und der Schoßgeborene – Kostas Charitos

Das Pendel von Karthago – Hephaestion Christopoulos

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Buch:

Schatten aus der Sonnenwelt

Spekulative Fiktion aus Griechenland

Herausgeber: Hephaestion Demetrios Christopoulos

Taschenbuch, 220 Seiten

Verlag Torsten Low, 9. Dezember 2024

 

ISBN-10: 3966290448

ISBN-13: 9783966290449

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.06.2025, zuletzt aktualisiert: 25.05.2026 13:37, 24721