Den Reigen beginnt Victor Pseftakis mit Leviathans Ruf. Dem Autor gelingt es von Beginn an eine dichte Atmosphäre zu kreieren. Allerdings lässt er zuviel Leerstellen, sodass der Leser am Ende nicht alle auflösen kann und spekulierend allein gelassen wird. Schade.
43 Minuten von Yannis Papadopoulos zeigt eine Dystopie, in der mithilfe von Drogen die letzten 43 Minuten ausgelöscht werden können. Das erinnert an Cyberpunk-Ideen und ist auch reizvoll umgesetzt.
Eleftherios Keramidas verbindet in Toxic auf interessante Weise Magie und Technik, indem er seine Hauptfigur ein magisches Buch mithilfe von technischen Mitteln öffnet und ausliest. Doch am Ende wartet eine Überraschung. Sehr gelungene Ideen, sprachlich kunstvoll ausgeführt.
Streuner von Vasso Christou entführt den Leser in eine Welt mit magischen Figuren, die sehr dunkel gehalten ist. Dabei kommt Action nicht zu kurz, doch am Ende zeigen sich Längen. Eine Kürzung hätte der Geschichte gut getan.
Anthony Paschos bringt bei Stellreflex apokalyptische Science-Fiction mit einem moralischen Dilemma zusammen. Gut geschrieben mit einem leichten Hang zu Übererklärung in der Mitte.
Der Honig der Welt und die Krähenkönigin von Dimitra Nikolaidou ist ein Titel, der sofort inspirierend wirkt und neugierig auf die Geschichte macht. Allerdings beginnt sie recht profan mit einer Ausgangslage wie aus einem Comedy-Programm, nämlich im Wartesaal zur Hölle. Leider kann auch der Rest der Geschichte nicht überzeugen.
Mit Silberne Glöckchen ertönen überall auf der Welt von Efthymia E. Despotaki beginnt mit einem ersten Abschnitt, der neugierig macht und sprachlich elegant konstruiert ist. Auch der Rest der Geschichte ist interessant gestaltet. Hier verbleibt – wie auch in der ersten Story des Bandes – vieles im Unklaren. Aber hier ist es durch die Bank mysteriös und der Leser hat genügend Denkanstöße, um sich ein eigenes Bild zu erschaffen. Kurz und prägnant, sprachlich souverän. Eine sehr gelungene Geschichte.
Kinderly von Atalanti Evripidou ist da anders gestrickt. Hier wird etwas langatmig eine Rettungsgeschichte erzählt, in der es auch um Gestaltwandlung und eine Liebe geht. Im Ansatz ein guter Gedanke, aber zu lang konstruiert. Gegen Ende geht der Story die Puste aus.
Kostas Charitos hat mit Das Mädchen und der Schoßgeborene eine Geschichte gesponnen, die im Kern den Zusammenprall verschiedener Charaktere und ihrer Welterwartung trägt. Ein philosophischer Ansatz mit gelungenen Bildern, bei dem jedes Subkapitel einzelne Überschriften trägt, welche den zugrundeliegenden Konstrukten gewidmet sind. Interessant, etwas kopflastig konstruiert, dennoch reizvoll.
In Das Pendel von Karthago von Hephaestion Christopoulos wird eine Welt konstruiert, in der es mit der Verkünderin und ihrem Gefolge eine Möglichkeit gibt, mit Toten zu sprechen. Doch was die Toten erzählen, ist für die Hinterbliebenen nicht immer tröstend. Außerdem macht diese Gabe etwas mit denjenigen, welche sie haben. Die Geschichte ist tiefgründiger, als man beim ersten Mal lesen glauben möchte. Auch die Beziehungen innerhalb des Gefolges und zur Verkünderin werden gezeigt. Damit gelingt eine Geschichte, die trotz der Länge bis zum Schluss interessant und gleichzeitig anspruchsvoll bleibt.