Schatten im Nordosten von Peter Schwanemann

Rezension von Christel Scheja

 

Da die großen Publikumsverlage heute nur noch auf mögliche Erfolge setzen, müssen gerade im Bereich der Fantasy immer mehr junge Autoren auf kleine Nischenverlage oder gar Eigenpublikationen zurückgreifen. So kann der interessierte Fan also durchaus noch das ein oder andere ambitionierte Projekt für sich entdecken. Dazu gehört auch „Schatten im Nordosten“, der erste Band der „Chronica Telib“.

 

Seine besondere Stellung zur Sonne teilt den Planeten Telib i zwei Hälften – die nördliche Hemisphäre ist sonnendurchflutet und die dort lebenden Menschen sehen ihr Himmelsgestirn niemals untergehen. Die andere Hälfte der Welt liegt in ewigen Schatten, nur erhellt durch das Licht der Sterne und der beiden Mond.

Immer wieder kommt es zu erbitterten Schlachten, wenn die Bewohner der Dunkelheit in Richtung des Lichts streben und umgekehrt. Das letzte Aufeinandertreffen zwischen Gut und Böse, Gol Dorms Fall, liegt erst knapp zwei Jahrzehnte zurück. Doch die Wunden dieses letzten Krieges sind noch immer nicht verheilt. Die Menschen leiden Not und sind noch immer furchtsam, einige wenige versuchen aus dem Chaos ihren Nutzen zu ziehen.

In dieser Zeit erfährt der neunzehnjährige Nomade Fin, dass er niemals zu dem Stamm gehören wird, in dem er aufgewachsen ist, denn er wurde vor siebzehn Jahren von einem namenlosen Fremden zu den Wüstenbewohnern gebracht.

Nur mit den guten Wünschen des Stammes und wenigen Hinweisen auf seine Herkunft ausgestattet, macht sich Fin auf die lange Reise, um mehr über sich und seine Vergangenheit heraus zu finden und vielleicht auch den Ort zu entdecken, an den er eigentlich gehört.

Aus seinem Weg schließen sich ihm mehrere Gefährten an, teils, um ihm zu helfen, aber auch weil sie eigene Interessen haben. Und ehe sie sich verstehen geraten sie in Konflikte und Intrigen, die seit dem Krieg unter der Oberfläche schwelen, und neue Auseinandersetzungen vorbereiten.

 

Der erfahrene Fantasy-Leser weiß sehr schnell, dass er es mit einer klassischen Weltenrettungs-Saga zu tun hat, die auch noch die gängigen Figurenkonstellationen bieten – einen jungen Helden, der nach seiner Vergangenheit sucht, die mit Sicherheit etwas mit dem Konflikt zu tun haben, Magierlehrlinge, die ihre Lehr- und Gesellenzeit ableisten und durch das Abenteuer reifen, starke Krieger, die für die Sicherheit der Gruppe sorgen. Der Autor spart sich nur das Mädchen, dass die ganze Zeit einen der Helden anhimmeln darf.

So verläuft die Geschichte auch sehr vorhersehbar. Die Gruppe trudelt von einem Hinweis zum anderen, erlebt viele Begegnungen und darf sich hin und wieder auch einmal einer Gefahr stellen. Die einzelnen Helden reflektieren sehr viel, anstatt zu handeln.

Letztendlich hat man das Gefühl, dass der Autor nicht wirklich weiß, wohin er in diesem Band kommen will, sondern lieber erst einmal die Welt mitsamt ihren Völkern vorstellen will, wie man an ausführlichen Beschreibungen merkt.

Die Figuren selbst gewinnen zwar durch die vielen Gedanken etwas an Tiefe, dennoch wird man nicht wirklich mit ihnen warm, da sie zu lange auf der selben Stelle verharren und einem irgendwann eher auf die Nerven gehen als leid tun.

Alles in allem schreibt Peter Schwanemann zwar sehr flüssig, aber die Geschichte ist durch die vielen Abschweifungen und den fehlenden Roten Faden nur mäßig spannend. Zudem schafft er es nicht ganz, sich von den gängigen Klischees zu lösen – seine jungen und älteren Helden entsprechen all zu sehr den klassischen Heldentypen und haben keine wirklich überraschenden Charakterzüge.

 

So ist „Schatten in Nordosten“ zwar der erste Band eines ambitionierten Projekts, erfüllt aber leider nur wenige Wünsche, die Fantasy-Leser an ihre Lektüre haben dürften. Gerade was die Spannung angeht, schwächelt das Buch gehörig, da ein konkretes Ziel fehlt und die Handlung zu langsam voran kommt. Gute und interessante Ideen sind zwar vorhanden, werden aber leider oft nicht ausgenutzt.

 

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Buch:

Schatten im Nordosten

Reihe: Chronica Telib, Bd. 1

Autor: Peter Schwanemann

broschiert, 380 Seiten

Lavori Verlag, erschienen Dezember 2011

ISBN-10: 3935737173

ISBN-13: 978-3935737173

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 21.05.2019 18:01 | Users Online
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