Der 1964 geborene Ralf Thiesen interessiert sich seit über dreißig Jahren für die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, was man auch seinen Kriminalromanen über den jüdischen Kommissar Aaron Singer anmerkt, der in den »Roaring Twenties« lebt und so manchen Mordfall aufzuklären hat, wie auch in Schatten über Königsberg.
Die Leiche eines Mannes liegt im Schilf und sein Boot wird im Haff treibend gefunden, deshalb ruft man Aaron Singer und seinen Kollegen Heinrich Puschkat an die Ostsee, wenn auch etwas abseits der Seebäder und den Villen der Reichen. Bei dem Toten handelt es sich um einen Unternehmer.
Schnell finden sie heraus, dass er sich den Zorn der örtlichen Fischergemeinschaft zugezogen hat. Aber ein weiterer Mord lässt daran zweifeln, dass diese wirklich viel damit zu tun haben. Ganz offensichtlich steckt mehr an den beiden Verbrechen und bei dem Versuch, den Täter zu finden, bringen sich die beiden Ermittler selbst in tödliche Gefahr.
Ralf Thiesen mag zwar nicht unbedingt auf ein bestimmtes Ereignis zurückgreifen, seine Geschichte beruht zumindest bei den Hintergründen auf einigen wahren Details und spielt mit einer Sache, die damals noch kein Thema war, aber heute um so ernster genommen wird.
Doch bis die Ermittler dem auf die Schliche kommen, machen sie sich natürlich erst einmal daran, mit den gewohnten Mitteln, die im Jahre 1924 noch nicht besonders ausgereift waren und natürlich sehr viel Spielraum für wilde Spekulationen boten.
So gibt es natürlich erst einmal jede Menge Verdächtige, die nach und nach aussortiert werden, und man sucht sich neue, andere Erkenntnisse durch die Obduktion ans Licht kommen. Schnell wird deutlich, das vielleicht sogar noch mehr dahinter steckt.
Das ganze wird durch lebendige Schilderungen des Lebensalltags in den »Roaring Twenties« und der jüdischen Community in Königsberg aufgepeppt, so dass eine intensive Atmosphäre entsteht. Oft genug sind das auch nur Details, die aber aufhorchen lassen und die Stimmung um so besser abrunden.
Die Geschichte besitzt eine solide Spannung und eine saubere Auflösung, die auch in die Zeit passt, interessante Figuren und das passende Ambiente. Es gibt vielleicht keine all zu großen Überraschungen, aber auch keine Längen. Immerhin kann man auch so in die Geschehnisse eintauchen und muss die vorhergehenden Bände nicht kennen, weil das Nötige erklärt wird.